Palantir-Mitgründer fördert Weltraumforschung in der Schweiz
Nathan Gettings unterstützt über seine Stiftung Chiwi Projekte an ETH und EPFL

Palantir-Mitgründer finanziert Weltraumforschung an Schweizer Hochschulen
Der Palantir-Mitgründer Nathan Gettings lebt seit mehreren Jahren in der Schweiz und unterstützt über seine Stiftung CHiwi Forschungsprojekte an der ETH Zürich und der EPFL. Die Stiftung fördert unter anderem einen Mondroboter, Satelliten sowie vierbeinige Roboter für schwieriges Gelände. Eine Recherche der «Republik» gibt erstmals einen detaillierteren Einblick in die Aktivitäten des weitgehend öffentlichkeitsscheuen Unternehmers.
Ein zurückhaltender Tech-Unternehmer
Nathan Gettings gehört zu den fünf Mitgründern des US-Softwareunternehmens Palantir. Das Unternehmen entwickelt Systeme zur Integration und Analyse grosser Datenmengen und arbeitet unter anderem mit Behörden, Sicherheitsorganisationen und dem Militär zusammen.
Gettings war in der frühen Phase von Palantir massgeblich an der technischen Entwicklung beteiligt. Nach Angaben der «Republik» entwickelte er erste Prototypen, mit denen das junge Unternehmen Zugang zu Kreisen der US-Verteidigungs- und Nachrichtendienste erhielt. Zu seinen technischen Arbeiten gehört das Konzept, unterschiedliche Datenquellen in einem verknüpften digitalen Modell abzubilden. Dieses sogenannte Ontologie-Konzept bildet später eine wichtige Grundlage für Palantirs Plattformen.
Gettings gilt gleichzeitig als einer der zurückhaltendsten Gründer des Unternehmens. Öffentliche Auftritte und persönliche Stellungnahmen sind selten. Wann genau er Palantir verliess, lässt sich nicht eindeutig bestimmen: Verschiedene Quellen nennen 2012 beziehungsweise 2016.
Bereits während seiner Zeit bei Palantir gründete Gettings gemeinsam mit seinem Bruder Adam das Robotikunternehmen Robotex. 2012 gründete er zudem zusammen mit Max Levchin das Fintech-Unternehmen Affirm.
Seit 2021 in der Schweiz
Gettings lebt gemäss den von der «Republik» ausgewerteten Registerangaben in Hergiswil im Kanton Nidwalden. Der maltesische Staatsangehörige soll sich seit 2021 dort aufhalten. Die CHiwi Foundation hat ihren Sitz dagegen in Zug.
Die Stiftung wurde 2022 gegründet. Gemäss Handelsregister bezweckt sie die Förderung von Forschung, Bildung und Innovation in den Bereichen Weltraumforschung, alternative Energien und fortgeschrittene Mathematik. Sie kann dafür Projekte selbst durchführen oder Dritte beziehungsweise andere Organisationen unterstützen.
Gettings steht der Stiftung als Präsident des Stiftungsrats vor. Weitere Mitglieder sind unter anderem der Astrophysiker Stephen Myers, der frühere CERN-Direktor für Beschleuniger und Technologie, sowie Daniel Bock, Mitgründer des Raumfahrtunternehmens Morpheus Space.
Millionen für Forschung? Die bisher bekannten Beiträge
Die Stiftung hat bereits mehrere Projekte an Schweizer Hochschulen unterstützt. Die bisher öffentlich bekannten Beträge sind dabei teilweise deutlich höher als es der ursprüngliche JournalPlus-Artikel vermuten lässt.
An der EPFL erhielt ein studentisches Team für Raketen und Flüssigtreibstofftriebwerke 2025 eine Förderung von 10'000 Franken. Diese Unterstützung wurde nach Angaben der EPFL 2025 nicht verlängert.
Ein anderes Projekt an der EPFL erhielt 2026 100'000 Franken. Das Team arbeitet an kleinen Satelliten für die Chess-Mission, die die äussere Erdatmosphäre untersuchen soll. Der Start ist für 2027 vorgesehen.
An der ETH Zürich unterstützte CHiwi mit 160'000 Franken die Entwicklung eines Roboterkonzepts zur Erkundung besonders schwieriger Mondregionen, darunter Lavatunnel und unterirdische Höhlensysteme.
Weitere 260'000 Franken fliessen laut der «Republik» in ein zweijähriges Fellowship. Dabei werden vierbeinige Roboter entwickelt, die sich in schwierigem Gelände und in Industrieanlagen bewegen können.
Damit belaufen sich die in der Recherche konkret genannten Förderungen auf mindestens 530'000 Franken. Nicht alle Aktivitäten der Stiftung müssen damit erfasst sein; CHiwi unterstützt nach eigenen Angaben auch Projekte ausserhalb der Schweiz.
Ungewöhnlicher Zugang zu Forschungsgeldern
Die Stiftung verfolgt bei der Vergabe ihrer Gelder einen vergleichsweise unkonventionellen Ansatz. Forschende können sich unter anderem mit Themen aus Bereichen wie Gravitationswellen, physischer Kosmologie oder alternativen Theorien zu dunkler Materie und dunkler Energie bewerben.
Im Unterschied zu klassischen Forschungsförderungen werden im Bewerbungsprozess laut «Republik» relativ wenige formale Angaben zur wissenschaftlichen Laufbahn verlangt. Stattdessen wird unter anderem das LinkedIn-Profil der Bewerberinnen und Bewerber abgefragt.
Die Stiftung begründet den Ansatz mit ihrer Offenheit für ambitionierte und unkonventionelle Forschungsideen. Voraussetzung seien eine glaubwürdige wissenschaftliche Grundlage und eine nachvollziehbare Begründung für den möglichen wissenschaftlichen Beitrag.
ETH und EPFL haben Stiftung geprüft
Die Nähe des Stifters zur umstrittenen Technologiebranche wirft allerdings Fragen auf. Palantir ist wegen seiner Zusammenarbeit mit Behörden, Militärs und Sicherheitsorganisationen international stark umstritten. Auch politische Aussagen einzelner Palantir-Mitgründer haben wiederholt Kontroversen ausgelöst.
Die ETH Zürich und die EPFL erklären gegenüber der «Republik», die Stiftung vor der Annahme der Fördergelder geprüft zu haben.
Die EPFL spricht von einer üblichen Sorgfaltsprüfung, wie sie bei entsprechenden Förderungen durchgeführt werde. Diese habe zu einer positiven Bewertung geführt.
Auch die ETH Zürich bestätigt, dass sowohl der berufliche Werdegang als auch mögliche politische Bezüge der beteiligten Personen berücksichtigt worden seien. Die Stiftung sei im Rahmen der üblichen Due-Diligence-Verfahren geprüft worden.
Warum Gettings in der Schweiz lebt, bleibt weitgehend offen
Warum sich der Palantir-Mitgründer gerade in der Schweiz niedergelassen hat, ist öffentlich nur teilweise geklärt. Eine Vertreterin der Stiftung sagt gegenüber der «Republik», Gettings schätze die Diskretion und die Innovationskraft der Schweiz und wolle mit seiner Stiftung etwas zurückgeben.
Gettings selbst äussert sich nicht öffentlich zu seinen Beweggründen. Auch zur politischen Bedeutung seiner Stiftung und zu seinem heutigen Verhältnis zu Palantir gibt es keine ausführliche öffentliche Stellungnahme.
Die CHiwi Foundation betont ihre philanthropische Ausrichtung. Ihr offizieller Zweck umfasst Forschung, Bildung und Innovation. Die Stiftung erklärt auf ihrer Website, sie wolle Wissen in den Bereichen fortgeschrittene Mathematik, alternative Energien und Weltraumforschung fördern.
Zwischen Philanthropie und Transparenz
Der Fall zeigt ein Spannungsfeld, das für Hochschulen zunehmend an Bedeutung gewinnt: Private Stiftungen können Forschung finanzieren, für die öffentliche Mittel knapp sind. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Interessen hinter solchen Förderungen stehen und wie transparent die Herkunft der Gelder und die Entscheidungsprozesse sind.
Im Fall von CHiwi haben ETH Zürich und EPFL nach eigenen Angaben Prüfungen durchgeführt. Die bislang bekannten Förderbeträge zeigen zudem, dass es sich nicht lediglich um symbolische Beiträge handelt. Besonders die 260'000 Franken für das Robotik-Fellowship und die 160'000 Franken für das Mondroboter-Projekt sind substanzielle Forschungsbeiträge.
Gleichzeitig ist daraus nicht automatisch auf einen Einfluss des Stifters auf die Forschung zu schliessen. Konkrete Belege für eine solche Einflussnahme nennt die vorliegende Recherche nicht.
Eine neue private Geldquelle für Schweizer Raumfahrtforschung
Für die Schweizer Hochschullandschaft ist CHiwi damit vor allem eines: eine zusätzliche private Finanzierungsquelle für technisch anspruchsvolle Forschungsprojekte. Besonders die Förderung von Satelliten, Robotik und Mondforschung passt zum erklärten Schwerpunkt der Stiftung.
Der Hintergrund des Stifters sorgt jedoch dafür, dass die Aktivitäten genauer beobachtet werden. Nathan Gettings kommt aus dem Umfeld eines Unternehmens, dessen Technologie bei staatlichen und militärischen Anwendungen eingesetzt wird und dessen Geschäftspraktiken international kontrovers diskutiert werden.
Bislang ist öffentlich vor allem die philanthropische Seite von CHiwi dokumentiert. Wie sich die Stiftung langfristig entwickelt, welche Projekte sie künftig unterstützt und ob sie ihre wissenschaftliche Ausrichtung ausweitet, wird deshalb auch für Schweizer Hochschulen und die öffentliche Debatte über private Forschungsfinanzierung interessant bleiben.



