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Rekord-Benzinpreise in den USA: Auch in der Schweiz ist Tanken deutlich teurer

US-Benzin erreicht Rekordpreise – auch in der Schweiz ist Tanken deutlich teurer geworden.

Benzinpreise
Bild: open AI

Für amerikanische Autofahrer wird das Labor-Day-Wochenende 2026 so teuer wie noch nie. Der nationale Durchschnittspreis für Benzin dürfte nach Angaben des Preisbeobachters GasBuddy bei rund 4.03 Dollar pro Gallone liegen. Damit würde der bisherige Labor-Day-Rekord von 3.83 Dollar aus dem Jahr 2012 übertroffen.

Bereits am Donnerstag, 3. September, lag der von GasBuddy ermittelte Durchschnitt bei rund 4.13 Dollar pro Gallone. Damit überschritt der US-Benzinpreis erneut deutlich die Marke von vier Dollar.

Der Rekord ist allerdings kein isoliertes US-Phänomen. Die internationalen Energiemärkte stehen ebenfalls unter Druck. Für Schweizer Autofahrer stellt sich deshalb eine andere Frage: Was bedeutet die aktuelle Entwicklung für die Preise an Schweizer Tankstellen?

US-Benzin erreicht zum Labor Day einen Rekord

Der bisherige Rekord für das Labor-Day-Wochenende stammte aus dem Jahr 2012. Damals lag der landesweite Durchschnitt bei rund 3.83 Dollar pro Gallone.

Nach Angaben von GasBuddy könnte 2026 erstmals die Marke von vier Dollar an diesem Feiertag überschritten werden. GasBuddy-Analyst Patrick De Haan bezeichnete die aktuelle Entwicklung als aussergewöhnlich: Der Preis liege zwar nicht auf einem historischen Allzeitrekord, sei aber für diese Jahreszeit so hoch wie noch nie.

Hinter den hohen Preisen stehen mehrere Faktoren gleichzeitig. Der Rohölpreis ist deutlich gestiegen, die Raffinerien arbeiten mit hoher Auslastung und die Benzinbestände sind gesunken. Gleichzeitig exportieren die USA grosse Mengen raffinierter Produkte auf einen angespannten Weltmarkt.

Rohöl, Raffinerien und ein angespannter Weltmarkt

Der wichtigste gemeinsame Faktor für die Treibstoffmärkte ist der Preis des Rohöls. Brent lag zuletzt deutlich über 90 Dollar pro Barrel. Die Entwicklung wird unter anderem durch die geopolitische Lage im Nahen Osten und Unsicherheiten bei wichtigen Transportwegen beeinflusst.

Gleichzeitig laufen die US-Raffinerien auf sehr hohem Niveau. Die Auslastung erreichte zuletzt rund 98 Prozent und damit den höchsten Stand seit 2018.

Trotzdem gingen die amerikanischen Benzinbestände in der Berichtswoche um rund 1.2 Millionen Barrel zurück. Die Lagerbestände lagen damit unter dem Fünfjahresdurchschnitt.

Auch die Exporte spielen eine Rolle. Die USA liefern grosse Mengen raffinierter Produkte ins Ausland. Steigt die internationale Nachfrage, können amerikanische Raffinerien ihre Produktion und ihre Exporte entsprechend ausrichten. Das beeinflusst wiederum die verfügbare Menge und die Preise auf verschiedenen Märkten.

Auch in der Schweiz ist Tanken deutlich teurer geworden

Für Schweizer Autofahrer ist der entscheidende Punkt nicht der US-Rekord selbst, sondern die Entwicklung der eigenen Preise.

Nach den aktuellen Durchschnittswerten des Touring Club Schweiz (TCS) kostete ein Liter Bleifrei 95 am 3. September 2026 durchschnittlich 2.01 Franken. Anfang Januar waren es 1.65 Franken.

Damit ist Bleifrei 95 seit Jahresbeginn um rund 22 Prozent teurer geworden.

Noch stärker ist die Entwicklung beim Diesel. Der durchschnittliche Preis stieg von 1.78 Franken Anfang Januar auf aktuell 2.26 Franken pro Liter. Das entspricht einem Anstieg von rund 27 Prozent.

Benzinpreise
Benzinpreis Grafik · Bild: open AI

Treibstoff 01.01.2026 03.09.2026 Veränderung Bleifrei 95 CHF 1.65 CHF 2.01 +22 % Bleifrei 98 CHF 1.75 CHF 2.12 +21 % Diesel CHF 1.78 CHF 2.26 +27 %

Durchschnittliche Schweizer Treibstoffpreise gemäss TCS. Die Werte beziehen sich auf den 1. Januar und den 3. September 2026.

Warum der US-Rekord nicht einfach auf die Schweiz übertragen werden kann

Dass Benzin in den USA derzeit besonders teuer ist, bedeutet nicht automatisch, dass Schweizer Tankstellenpreise im gleichen Ausmass steigen.

Die beiden Märkte funktionieren unterschiedlich. In der Schweiz hängen die Preise laut TCS insbesondere von den Produktpreisen an der Börse in Rotterdam, dem weltweiten Ölpreis, dem Wechselkurs des US-Dollars, den Raffineriekosten und den Frachttarifen für die Rheinschifffahrt ab.

Entscheidend ist deshalb nicht der amerikanische Tankstellenpreis selbst. Relevant sind vielmehr die internationalen Preise für Rohöl und raffinierte Mineralölprodukte.

Ein hoher US-Benzinpreis kann deshalb ein Zeichen für einen angespannten internationalen Energiemarkt sein, ist aber kein direkter Preisindikator für Schweizer Tankstellen.

Der Rhein wird für die Schweiz zum wichtigen Faktor

Neben dem Ölpreis spielt für die Schweiz auch die Logistik eine wichtige Rolle.

Ein grosser Teil der importierten Mineralölprodukte gelangt über den Rhein ins Land. Bei niedrigem Wasserstand können Tankschiffe weniger Treibstoff laden. Für die gleiche Transportmenge sind dadurch mehr Fahrten notwendig.

Das erhöht die Transportkosten und kann sich auf die Preise auswirken.

Genau diese Situation besteht derzeit. Der TCS bezeichnet den Wasserstand des Rheins als einen der Faktoren, die die Schweizer Treibstoffpreise beeinflussen.

Zusätzlicher Druck durch den Stillstand von Cressier

Gleichzeitig kommt ein spezifisch schweizerischer Faktor hinzu: Die Raffinerie in Cressier im Kanton Neuenburg musste Anfang September wegen eines technischen Defekts ihre Produktion vorübergehend einstellen.

Die Raffinerie deckt nach Angaben der Behörden etwas mehr als 30 Prozent des Schweizer Bedarfs an Mineralölprodukten. Der Ausfall trifft damit auf eine Versorgungslage, die wegen des niedrigen Rheinpegels ohnehin angespannt ist.

Die Behörden geben jedoch Entwarnung für die Versorgung. Nach Angaben der Wirtschaftlichen Landesversorgung ist die Versorgung mit Benzin, Diesel und anderen Mineralölprodukten derzeit gesichert.

Sollte es zu vorübergehenden Engpässen kommen, könnten die Schweizer Pflichtlager eingesetzt werden. Die Pflichtlager für Benzin und Diesel entsprechen grundsätzlich dem durchschnittlichen Bedarf von jeweils rund viereinhalb Monaten.

Kein aktueller Versorgungsengpass

Der Ausfall von Cressier bedeutet nicht, dass der Schweiz der Treibstoff ausgeht. Die Behörden beobachten die Lage zusammen mit der Branche. Pflichtlager können bei Bedarf vorübergehende Versorgungslücken überbrücken.

Was bedeutet das für die Schweizer Tankstellen?

Die aktuelle Entwicklung zeigt: Schweizer Autofahrer zahlen bereits deutlich mehr als zu Jahresbeginn. Gleichzeitig lässt sich daraus nicht ableiten, dass die Preise wegen des US-Rekords automatisch weiter steigen werden.

Entscheidend wird sein, wie sich der internationale Rohölpreis, die Preise für raffinierte Produkte in Europa, die Raffinerieverfügbarkeit und die Transportmöglichkeiten entwickeln.

Hinzu kommen der Wechselkurs und die Situation am Rhein. Auch der vorübergehende Ausfall von Cressier kann die Schweizer Marktversorgung beeinflussen, solange die Raffinerie ausser Betrieb bleibt.

Die derzeitige Situation ist deshalb eher als Zusammenspiel mehrerer Preistreiber zu verstehen als als direkte Folge der hohen US-Benzinpreise.

Warum Diesel stärker gestiegen ist als Benzin

Besonders auffällig ist die Entwicklung beim Diesel. Während Bleifrei 95 seit Jahresbeginn um rund 22 Prozent teurer wurde, beträgt der Anstieg beim Diesel rund 27 Prozent.

Das hängt auch damit zusammen, dass Diesel und andere Mitteldestillate wie Heizöl einen eigenen internationalen Markt haben. Raffinerien müssen ihre Produktion zwischen verschiedenen Produkten aufteilen, während gleichzeitig die Nachfrage und die Verfügbarkeit regional unterschiedlich ausfallen können.

Auch international ist der Dieselmarkt derzeit unter Druck. Reuters berichtete zuletzt von neuen Rekordpreisen bei Diesel und Heizöl in den USA. Angriffe auf russische Raffinerien haben zusätzlich die Versorgung mit bestimmten Raffinerieprodukten belastet.

Der US-Benzinpreis ist deshalb vor allem ein Warnsignal

Für Schweizer Autofahrer ist der Rekord am Labor Day weniger wegen der konkreten Zahl von 4.03 Dollar pro Gallone relevant. Wichtiger ist, was hinter diesem Preis steht.

Hohe Rohölpreise, geopolitische Risiken, begrenzte Raffineriekapazitäten, knappe Produktbestände und steigende Transportkosten können sich gegenseitig verstärken.

Genau solche Faktoren wirken auch auf den europäischen und damit indirekt auf den Schweizer Markt.

Gleichzeitig verfügt die Schweiz über eigene Puffer: Sie kann Treibstoff importieren, verfügt über Pflichtlager und ist nicht allein von der Produktion der Raffinerie Cressier abhängig.

Was Autofahrer jetzt wissen müssen

Eine unmittelbare Treibstoffknappheit zeichnet sich derzeit nicht ab. Die Schweizer Behörden bezeichnen die Versorgung weiterhin als gesichert.

Bei den Preisen ist die Situation dagegen bereits spürbar: Bleifrei 95 liegt im Schweizer Durchschnitt bei gut zwei Franken pro Liter, Diesel bei 2.26 Franken.

Ob die Preise weiter steigen, wieder sinken oder auf dem aktuellen Niveau verharren, hängt wesentlich von der internationalen Entwicklung ab. Besonders wichtig sind dabei der Rohölpreis, die Verfügbarkeit von Raffinerien, die europäischen Produktpreise und die Transportwege.

Eine direkte Übertragung des US-Rekords auf die Schweiz wäre deshalb falsch. Dass der internationale Preisdruck bereits in der Schweiz angekommen ist, zeigen die aktuellen Tankstellenpreise dagegen eindeutig.

Fazit: US-Rekord und Schweizer Preisanstieg haben gemeinsame Ursachen

Die USA erleben am Labor Day 2026 einen Rekord beim Benzinpreis. Rund 4.03 Dollar pro Gallone wären der höchste Durchschnitt für diesen Feiertag seit Beginn der Aufzeichnungen. Gleichzeitig sind auch die Schweizer Treibstoffpreise seit Jahresbeginn deutlich gestiegen.

Die Schweiz ist dabei jedoch nicht einfach dem amerikanischen Benzinpreis ausgeliefert. Entscheidend sind die internationalen Rohöl- und Produktmärkte, der Dollar-Franken-Kurs, Raffinerien und die Logistik.

In der Schweiz kommen derzeit zusätzliche Faktoren hinzu: Niedrigwasser auf dem Rhein erschwert die Einfuhr von Mineralölprodukten, während die Raffinerie Cressier vorübergehend ausgefallen ist.

Die Versorgung bleibt nach Angaben der Behörden trotzdem gesichert. Die Pflichtlager bieten einen zusätzlichen Puffer.

Für Schweizer Autofahrer ist die wichtigste Nachricht deshalb zweigeteilt: Eine Treibstoffknappheit droht derzeit nicht – beim Preis ist die Belastung aber bereits deutlich höher als zu Jahresbeginn.

Quellen

  • Reuters: Entwicklung der US-Benzinpreise zum Labor Day 2026 und internationale Ölmarktentwicklung.
  • Touring Club Schweiz (TCS): Aktuelle Schweizer Benzin- und Dieselpreise sowie Preisentwicklung 2026.
  • Wettbewerbskommission / Wirtschaftliche Landesversorgung: Aktuelle Versorgungslage bei Mineralölprodukten und Ausfall der Raffinerie Cressier.

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