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Putin empfängt Trump-Gesandte – Rolle der Schweiz unklar

Wiederaufnahme der Ukraine-Vermittlung: US-Unterhändler in Moskau

Putin empfängt Trump Gesandte
Bild: open AI

Die USA versuchen, die festgefahrenen Gespräche über ein Ende des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wieder in Gang zu bringen. Am Samstag, 5. September 2026, trafen der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, im Kreml mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammen.

Die Begegnung ist Teil eines neuen diplomatischen Anlaufs Washingtons. Nach Angaben aus Kiew sollen Witkoff und Kushner am Sonntag erstmals im Rahmen dieser aktuellen Vermittlungsbemühungen nach Kyjiw weiterreisen. Damit würde der Gesprächskanal erstmals beide Kriegsparteien unmittelbar hintereinander einbeziehen.

Für die Schweiz stellt sich dabei eine andere Frage: Spielt Bern bei diesem neuen Gesprächsformat eine Rolle – oder findet die nächste Phase der Diplomatie zunächst ohne die Schweiz statt?

Putin empfängt die US-Unterhändler im Kreml

Witkoff und Kushner reisten am Samstag nach Moskau und trafen anschliessend Putin im Kreml. Die beiden US-Vertreter sollen im Auftrag Trumps ausloten, ob sich neue Fortschritte auf dem Weg zu einem Ende des Krieges erzielen lassen.

Trump hatte vor der Reise erklärt, die US-Delegation werde mit einem Vorschlag für ein Ende des Krieges unterwegs sein. Einzelheiten dieses Vorschlags wurden bislang nicht öffentlich gemacht.

Putin bezeichnete die Kontakte zwischen Moskau und Washington als nützlich und erklärte, die Zusammenarbeit mit Witkoff und Kushner sei für Russland unkompliziert. Witkoff übermittelte dem russischen Präsidenten Grüsse Trumps und bedankte sich für die während des Besuchs zugesagte Zurückhaltung bei Angriffen.

72 Stunden Pause der Angriffe auf Kyjiw

Begleitet wird der Besuch von einer begrenzten militärischen Deeskalation. Putin ordnete nach Angaben des Kremls eine 72-stündige Pause russischer Angriffe auf Kyjiw an. Die Massnahme soll um Mitternacht beginnen und mit dem geplanten Besuch der US-Unterhändler in der ukrainischen Hauptstadt zusammenfallen.

Auch die Ukraine kündigte an, während des Besuchs der amerikanischen Gesandten auf Angriffe gegen Moskau zu verzichten.

Von einem umfassenden Waffenstillstand kann deshalb nicht gesprochen werden. Die angekündigte Pause ist zeitlich begrenzt und bezieht sich auf Angriffe auf die jeweiligen Hauptstädte. Gleichzeitig gingen die militärischen Auseinandersetzungen an anderen Orten weiter.

Wichtig:

Die 72-stündige Pause ist kein allgemeiner Waffenstillstand. Sie ist eine begrenzte, zeitlich definierte Massnahme im Zusammenhang mit dem Besuch der US-Unterhändler.

Von Moskau nach Kyjiw

Besonders bemerkenswert ist der geplante zweite Teil der Reise. Witkoff und Kushner sollen am Sonntag nach Kyjiw weiterreisen. Für beide wäre es der erste Besuch der ukrainischen Hauptstadt im Rahmen ihrer aktuellen Vermittlungsbemühungen.

Der Schritt ist politisch relevant: Washington versucht damit, gleichzeitig mit Moskau und Kyjiw im direkten Austausch zu bleiben. Ob daraus konkrete Verhandlungen entstehen, ist allerdings noch offen.

Die Positionen der beiden Kriegsparteien liegen weiterhin weit auseinander. Russland fordert unter anderem weitreichende territoriale Zugeständnisse der Ukraine sowie einen Verzicht auf einen NATO-Beitritt. Kyjiw lehnt diese Bedingungen ab.

Die Reise nach Moskau und die geplante Weiterreise nach Kyjiw sind deshalb zunächst vor allem ein Zeichen dafür, dass Washington den direkten diplomatischen Kontakt wieder intensiviert.

Trump Gesandte
Symbolbild · Bild: open AI

Warum die Schweiz jetzt interessant wird

Die Schweiz steht bei dieser neuen Gesprächsrunde nicht im Zentrum. Eine konkrete Beteiligung Berns an den Gesprächen zwischen Putin und den US-Unterhändlern ist derzeit nicht öffentlich bekannt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Schweiz aus dem diplomatischen Prozess verschwunden wäre.

Im Gegenteil: Die Schweiz führt 2026 den Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Bern hat für das Vorsitzjahr ausdrücklich festgehalten, seine Vermittlungserfahrung für Dialog, Vertrauen und Sicherheit einzusetzen und zu einem gerechten und dauerhaften Frieden in der Ukraine beizutragen.

Damit verfügt die Schweiz über einen institutionellen Zugang, der über ihre Rolle als Gastgeberin des Bürgenstock-Gipfels hinausgeht.

Bürgenstock war ein anderes Format

Im Juni 2024 hatte die Schweiz auf dem Bürgenstock eine internationale Friedenskonferenz zur Ukraine organisiert. Russland war damals nicht vertreten. Der Gipfel sollte vor allem internationale Unterstützung für zentrale Prinzipien eines möglichen Friedensprozesses bündeln.

Die nun laufenden Gespräche folgen einem anderen Ansatz. Washington spricht zunächst direkt mit Moskau und Kyjiw. Ein multilaterales Format wie jenes auf dem Bürgenstock steht derzeit nicht im Mittelpunkt.

Genau darin liegt die offene Frage für Bern: Sollte aus den bilateralen Kontakten zwischen den USA, Russland und der Ukraine später ein breiterer Friedensprozess entstehen, könnte die Schweiz erneut als Gastgeberin oder Vermittlerin gefragt sein. Ob das tatsächlich geschieht, lässt sich derzeit nicht belegen.

Die Schweiz hat einen diplomatischen Trumpf

Die Schweiz kann dabei auf ihre langjährige Erfahrung mit sogenannten Guten Diensten verweisen. Dazu gehören Vermittlung, die Bereitstellung von Gesprächskanälen und die Unterstützung bei der Umsetzung internationaler Vereinbarungen.

Auch 2026 hat Bern den Dialog mit Russland nicht vollständig abreissen lassen. Anfang Februar reiste Bundesrat Ignazio Cassis als amtierender OSZE-Vorsitzender nach Moskau und traf dort den russischen Aussenminister Sergei Lawrow. Dabei betonte die Schweiz die Bereitschaft der OSZE, eine ausgehandelte Lösung und deren Umsetzung zu unterstützen, wenn ein nachhaltiges internationales Engagement erforderlich wird.

Das verschafft Bern einen diplomatischen Vorteil: Die Schweiz verfügt weiterhin über Gesprächskanäle und eine internationale Plattform, ohne selbst Partei des Krieges zu sein.

Doch ein Platz am Verhandlungstisch ist nicht garantiert

Neutralität allein bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Schweiz Teil eines künftigen Friedensprozesses wird.

Entscheidend ist, ob die Konfliktparteien und die vermittelnden Staaten einen zusätzlichen Akteur überhaupt wünschen. Wenn Washington, Moskau und Kyjiw zunächst auf einen direkten Gesprächskanal setzen, könnte Bern vorerst nur eine ergänzende Rolle zukommen.

Genau das macht die aktuelle Situation für die Schweiz politisch interessant. Einerseits verfügt sie über Erfahrung, internationale Plattformen und etablierte diplomatische Kontakte. Andererseits liegt die Initiative derzeit eindeutig bei Washington.

Ein neuer Anlauf – aber noch kein Durchbruch

Die Gespräche im Kreml sind deshalb nicht mit einem Friedensabkommen gleichzusetzen. Noch ist unklar, ob Washington, Moskau und Kyjiw bei den zentralen Streitpunkten überhaupt näher zusammenkommen.

Auch die begrenzte Angriffspause sollte nicht überinterpretiert werden. Sie zeigt zwar, dass beide Seiten im Zusammenhang mit der amerikanischen Vermittlungsmission zu zeitlich begrenzter Zurückhaltung bereit sind. Ein belastbarer Waffenstillstand ist daraus jedoch noch nicht entstanden.

Gleichzeitig ist der direkte Kontakt zwischen Washington und Moskau politisch bedeutsam. Nach Monaten mit wenig Bewegung versucht die US-Regierung, den diplomatischen Prozess wieder zu beleben.

Der nächste Test folgt in Kyjiw

Entscheidend wird deshalb sein, was nach dem Treffen mit Putin passiert. Wenn Witkoff und Kushner wie angekündigt nach Kyjiw weiterreisen, können sie die Positionen beider Seiten unmittelbar miteinander abgleichen.

Erst danach dürfte sich besser beurteilen lassen, ob aus dem neuen amerikanischen Vorstoss tatsächlich eine neue Verhandlungsrunde entstehen kann.

Für die Schweiz bleibt die Ausgangslage vorerst offen. Bern ist nicht als Teilnehmer der aktuellen Gespräche in Moskau bekannt. Gleichzeitig verfügt die Schweiz gerade 2026 über eine besondere diplomatische Stellung: Sie führt den OSZE-Vorsitz und hat ausdrücklich angekündigt, ihre Vermittlungserfahrung für einen gerechten und dauerhaften Frieden in der Ukraine einzusetzen.

Ob daraus ein Platz am Verhandlungstisch entsteht, entscheidet sich jedoch nicht in Bern. Zunächst müssen Washington, Moskau und Kyjiw zeigen, ob aus ihrem neuen Gesprächskanal mehr als ein diplomatischer Versuch wird.

Auf einen Blick

  • 5. September 2026: Steve Witkoff und Jared Kushner treffen Wladimir Putin im Kreml.
  • 6. September: Eine Weiterreise der US-Unterhändler nach Kyjiw ist angekündigt.
  • 72 Stunden: Russland kündigte eine begrenzte Pause der Angriffe auf Kyjiw an.
  • Ukraine: Auch Kyjiw erklärte eine zeitlich begrenzte Zurückhaltung bei Angriffen auf Moskau.
  • Schweiz: Eine Beteiligung an der aktuellen US-russischen Gesprächsrunde ist bislang nicht öffentlich belegt.
  • OSZE: Die Schweiz führt 2026 den Vorsitz und will ihre Vermittlungserfahrung für einen gerechten Frieden in der Ukraine einsetzen.
  • Bürgenstock: Die Schweiz war 2024 Gastgeberin einer internationalen Friedenskonferenz zur Ukraine.

Quellen

Reuters, 5. September 2026: Gespräche von Steve Witkoff und Jared Kushner mit Wladimir Putin in Moskau.

Associated Press, 5. September 2026: Treffen im Kreml, geplante Reise nach Kyjiw und begrenzte Angriffspause.

Schweizerisches Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA): Schweizer OSZE-Vorsitz 2026 und Prioritäten für Frieden und Dialog in der Ukraine.

EDA: Reise des amtierenden OSZE-Vorsitzenden Ignazio Cassis nach Moskau und Kyjiw im Februar 2026.

Berichterstattung zum Bürgenstock-Gipfel und zur Schweizer Vermittlungsrolle im Ukraine-Krieg.

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