Post baut bis zu 110 Stellen ab – der Briefschwund setzt den Konzern unter Druck
Bis Ende 2027 sollen vor allem Stellen in Management und Support wegfallen. Gleichzeitig verdient die Post weiterhin Geld – doch das klassische Briefgeschäft schrumpft seit Jahren.

Der Brief verliert weiter an Bedeutung
Der Kern des Problems liegt nicht in einem kurzfristigen Einbruch, sondern in einem langfristigen Strukturwandel. Immer weniger Menschen und Unternehmen verschicken Briefe. Kommunikation und Zahlungsverkehr verlagern sich zunehmend ins Digitale.
Im ersten Halbjahr 2026 sank das Briefvolumen der Post nach eigenen Angaben um 5 Prozent. Über zehn Jahre betrachtet beträgt der Rückgang bereits 38 Prozent. Gleichzeitig bleiben grosse Teile der Infrastruktur bestehen: Briefe müssen weiterhin sortiert, transportiert und zugestellt werden – auch wenn die Zahl der Sendungen sinkt.
Die Folge ist ein wirtschaftliches Problem: Die Kosten der Grundversorgung lassen sich immer weniger über die klassische Briefmenge finanzieren.
Die Post macht trotzdem Gewinn
Der Stellenabbau ist deshalb nicht mit einer akuten Unternehmenskrise gleichzusetzen. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte die Post einen Betriebsgewinn von 173 Millionen Franken. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 118 Millionen Franken.
Das bessere Ergebnis zeigt zugleich, dass der Konzern den Rückgang im Briefgeschäft teilweise aus anderen Bereichen auffangen kann. Dazu gehören unter anderem das Paketgeschäft und PostFinance.
Die Herausforderung liegt deshalb weniger in der Frage, ob die Post heute noch Geld verdient. Entscheidend ist vielmehr, wie sie ihre Grundversorgung langfristig finanzieren kann, wenn ein traditionelles Kerngeschäft weiter schrumpft.
Gespart wird dort, wo Kunden es möglichst wenig spüren sollen
Genau hier setzt das neue Sparprogramm an. Die Post will Kosten vor allem dort reduzieren, wo dies nach ihrer Darstellung keinen direkten Einfluss auf Kundinnen und Kunden hat.
Betroffen sind deshalb Management- und Supportfunktionen. Mitarbeitende in der Zustellung, in den Filialen und bei Dienstleistungen für Kundinnen und Kunden sollen vom aktuellen Abbau nicht betroffen sein.
Die Post bezeichnet die Massnahmen als Beitrag zur langfristigen Sicherung ihrer Eigenwirtschaftlichkeit. Der bundeseigene Konzern will den Service public weiterhin ohne Steuergelder finanzieren.
„Wir tragen Verantwortung dafür, dass die Post auch in Zukunft relevant, leistungsstark und eigenwirtschaftlich bleibt.“ Pascal Grieder, Konzernleiter der Schweizerischen Post
Auch das Porto steigt
Parallel zum Stellenabbau erhöht die Post ab dem 1. Januar 2027 erneut die Preise für Briefe. Ein Standardbrief mit A-Post kostet dann 1.40 Franken statt 1.20 Franken. Für einen B-Post-Brief werden künftig 1.10 Franken statt 1 Franken verlangt.
Die Post begründet die Preisanpassung ebenfalls mit dem langfristig sinkenden Briefvolumen und steigenden Kosten für Transport, Sortierung und Zustellung. Ziel sei es, die Grundversorgung weiterhin ohne Steuergelder sicherzustellen.
Damit verfolgt der Konzern mehrere Wege gleichzeitig: höhere Preise, effizientere interne Abläufe, Wachstum in anderen Geschäftsfeldern und tiefere eigene Kosten.

Bis zu 110 Stellen – aber nicht zwingend 110 Kündigungen
Die Zahl von 110 ist eine Obergrenze. Wie viele Mitarbeitende tatsächlich ihre Stelle verlieren werden, steht noch nicht fest.
Die Post will einen Teil des Abbaus über natürliche Fluktuation und ordentliche sowie frühzeitige Pensionierungen auffangen. Wo Kündigungen notwendig werden, soll der Abbau im Rahmen der bestehenden sozialpartnerschaftlichen Vereinbarungen und des Sozialplans erfolgen.
Welche konkreten Organisationseinheiten und Standorte betroffen sein werden, hat die Post bislang nicht genannt.
Personalverbände kritisieren den Abbau
Die Gewerkschaft Syndicom und der Personalverband Transfair kritisieren die Massnahmen. Sie sehen den Abbau auch vor dem Hintergrund weiterer Restrukturierungen bei der Post.
Transfair warnt davor, Kündigungen bei Reorganisationen zum Normalfall werden zu lassen. Die Personalverbände fordern unter anderem stärkere Anstrengungen bei Umschulung, Weiterbildung und internen Weiterbeschäftigungen.
Die Kritik richtet sich auch gegen die Begründung des Abbaus: Die Post habe im ersten Halbjahr 2026 ihren Betriebsgewinn deutlich gesteigert. Aus Sicht der Personalverbände stellt sich deshalb die Frage, wie stark die Kosten tatsächlich gesenkt werden müssen und wo innerhalb des Konzerns Einsparungen möglich sind.
Der aktuelle Abbau steht nicht allein
Bereits in diesem Jahr hatte die Post ihre IT-Organisation neu ausgerichtet. Ursprünglich war dort von rund 60 Stellen in der Schweiz die Rede. Nach dem anschliessenden Konsultationsverfahren ging die Post im August noch von höchstens 40 gestrichenen Stellen und 20 Änderungen von Arbeitsverträgen aus.
Der aktuelle Abbau von bis zu 110 Stellen ist davon zu unterscheiden. Zusammen zeigen die Massnahmen jedoch, dass die Post ihre internen Strukturen an ein verändertes Geschäftsmodell anpasst.
Das Unternehmen steht dabei vor einem grundsätzlichen Zielkonflikt: Die Grundversorgung soll weiterhin flächendeckend gewährleistet werden, gleichzeitig muss die Post ihre Kosten an ein Geschäftsumfeld anpassen, in dem klassische Briefe immer weniger Ertrag bringen.
Die eigentliche Herausforderung liegt langfristig
Die aktuellen Zahlen sprechen nicht für einen Konzern, der unmittelbar vor einer finanziellen Krise steht. Der Betriebsgewinn ist gestiegen, während andere Geschäftsfelder einen Teil des Rückgangs im Briefgeschäft auffangen.
Doch der strukturelle Trend ist eindeutig: Wenn das Briefvolumen weiter sinkt, wird es schwieriger, die bestehende Infrastruktur und die gesetzliche Grundversorgung mit den bisherigen Einnahmen zu finanzieren.
Die Post versucht deshalb, die Folgen möglichst weit von der Kundschaft fernzuhalten. Ob höhere Preise, neue Geschäftsfelder und interne Einsparungen langfristig ausreichen, hängt allerdings davon ab, wie schnell das klassische Briefgeschäft weiter schrumpft.
Für die Post beginnt damit kein Krisenjahr – sondern ein Umbau
Der Abbau von bis zu 110 Stellen ist vor diesem Hintergrund weniger ein Zeichen für einen unmittelbaren finanziellen Zusammenbruch als für die Anpassung eines grossen Staatsunternehmens an eine dauerhaft veränderte Nachfrage.
Die Post verdient weiterhin Geld. Gleichzeitig verliert ihr traditionelles Kerngeschäft Jahr für Jahr an Volumen. Genau diese Kombination macht den aktuellen Stellenabbau erklärbar: Der Konzern muss heute Kosten senken, damit die Grundversorgung auch dann noch finanzierbar bleibt, wenn deutlich weniger Briefe verschickt werden.
Wie viele Kündigungen tatsächlich notwendig werden und ob weitere Restrukturierungen folgen, dürfte sich bis Ende 2027 zeigen.



