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Iran-Krieg verschärft Rivalität zwischen Saudi-Arabien und VAE

Iran-Krieg verschärft die Rivalität am Golf – mit Folgen für die Region und die Schweiz.

Iran-Krieg verschärft Rivalität
Bild: openAi

Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate gehören zu den wichtigsten Mächten am Golf. Beide sind vom Iran-Krieg betroffen, beide fürchten eine weitere Destabilisierung der Region – und beide wollen ihre wirtschaftlichen Interessen schützen.

Eigentlich müsste die gemeinsame Bedrohung die beiden Staaten enger zusammenschweissen. Doch die Entwicklung ist komplizierter. Ein aktueller Beitrag der Deutschen Welle beschreibt eine zunehmende Rivalität zwischen Riad und Abu Dhabi. Der Iran-Krieg hat diese Spannungen nicht ausgelöst, aber er macht die unterschiedlichen Interessen der beiden Golfmächte sichtbarer.

Die Rivalität begann vor dem Iran-Krieg

Saudi-Arabien und die VAE sind weiterhin Partner und Mitglieder des Golf-Kooperationsrats. Gleichzeitig verfolgen sie längst nicht mehr in allen Fragen dieselbe Linie.

Besonders deutlich wird das im Jemen. Saudi-Arabien setzt sich grundsätzlich für einen geeinten Staat ein, während die VAE in der Vergangenheit Kräfte unterstützt haben, die eine stärkere Autonomie oder Abspaltung des Südens anstreben. Auch im Sudan verfolgen beide Länder unterschiedliche Interessen. Saudi-Arabien unterstützt die staatlichen Streitkräfte, während die VAE beschuldigt werden, die paramilitärischen Rapid Support Forces zu unterstützen. Abu Dhabi weist diese Vorwürfe zurück.

Hinzu kommt der Wettbewerb um wirtschaftlichen Einfluss. Beide Staaten wollen ihre Volkswirtschaften unabhängiger vom Öl machen und zu Zentren für Technologie, Finanzdienstleistungen, Logistik und Investitionen werden.

Der OPEC-Austritt der VAE war ein Warnsignal

Besonders deutlich wurde die wachsende Eigenständigkeit der VAE im Frühjahr 2026. Abu Dhabi kündigte den Austritt aus der OPEC und OPEC+ an – nach fast sechs Jahrzehnten Mitgliedschaft.

Die Entscheidung wurde mit den eigenen wirtschaftlichen Interessen und den langfristig ausgebauten Förderkapazitäten begründet. Saudi-Arabien ist dagegen der mit Abstand wichtigste Produzent innerhalb der OPEC und hat traditionell stärker auf die gemeinsame Steuerung des Ölangebots gesetzt.

Der Schritt kam zudem mitten im Iran-Krieg. Die VAE waren von Angriffen betroffen und sahen ihre wirtschaftliche und sicherheitspolitische Lage unmittelbar gefährdet. Der Krieg war nach Einschätzung von Experten nicht die alleinige Ursache für den OPEC-Austritt, wirkte aber als Katalysator für eine Entscheidung, die bereits zuvor vorbereitet worden war.

Iran-Krieg verschärft Rivalität
Symbolbild · Bild: openAi

Riad setzt auf Zurückhaltung – Abu Dhabi auf mehr Eigenständigkeit

Auch sicherheitspolitisch zeigen sich Unterschiede.

Saudi-Arabien versucht, trotz Angriffen aus Iran und von mit Iran verbundenen Gruppen eine direkte Ausweitung des Krieges möglichst zu vermeiden. Riad setzt neben begrenzten militärischen Reaktionen vor allem auf Diplomatie und neue regionale Sicherheitskooperationen.

Die VAE haben dagegen ihre eigene strategische Linie verfolgt. Abu Dhabi unterhält enge Beziehungen zu den USA und Israel, möchte aber gleichzeitig seine wirtschaftlichen und politischen Spielräume gegenüber anderen Grossmächten erhalten.

Damit stehen sich zwei ähnliche, aber zunehmend selbstbewusste Modelle gegenüber: Saudi-Arabien will seine Position als führende Macht der arabischen Welt ausbauen. Die VAE wollen ihre eigene Rolle als wirtschaftliches und logistisches Zentrum der Region sichern.

Warum das für die Weltwirtschaft wichtig ist

Die Rivalität ist nicht nur eine politische Angelegenheit. Beide Länder gehören zu den wichtigsten Wirtschafts- und Energienationen der Region.

Saudi-Arabien und die VAE sind tief miteinander verbunden. Gleichzeitig konkurrieren sie um Unternehmen, Investitionen, Logistik, Tourismus, Finanzdienstleistungen und neue Technologien. Ein dauerhafter wirtschaftlicher Bruch wäre deshalb für beide Seiten teuer. Experten halten eine vollständige wirtschaftliche Entkopplung derzeit für unwahrscheinlich.

Der Iran-Krieg erhöht allerdings den Druck. Angriffe auf Energieanlagen und die Einschränkungen im Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus zeigen, wie verwundbar die Golfwirtschaft ist. Saudi-Arabien prüft deshalb beispielsweise zusätzliche Kapazitäten für seine Pipeline zum Roten Meer, um Öl teilweise an der Strasse von Hormus vorbeizuleiten.

Damit wird die Rivalität auch zu einer Frage der globalen Energieversorgung.

Was bedeutet das für die Schweiz?

Für die Schweiz ist die Entwicklung keineswegs nur geopolitische Beobachtung.

Die VAE sind mit einem Handelsvolumen von 49 Milliarden Franken im Jahr 2025 der wichtigste Handelspartner der Schweiz im Nahen und Mittleren Osten. Schweizer Unternehmen exportieren unter anderem Edelmetalle, Uhren und Schmuck sowie Chemie- und Pharmaprodukte in die Emirate.

Saudi-Arabien folgt mit einem Handelsvolumen von 6,5 Milliarden Franken als zweitwichtigster Schweizer Handelspartner in der Region. Schweizer Exporte umfassen unter anderem Edelmetalle, Pharma- und Chemieprodukte, Uhren, Schmuck, Maschinen und Elektronik.

Die wirtschaftliche Bedeutung ist damit erheblich. Gleichzeitig betreibt die Schweiz in beiden Ländern Wirtschafts- und Exportförderung. Der Swiss Business Hub Middle East unterhält Büros in Dubai, Riad und Doha.

Für Schweizer Unternehmen könnte eine zunehmende Rivalität deshalb sowohl Risiken als auch Chancen schaffen. Unterschiedliche Handels-, Investitions- und Wirtschaftspolitiken könnten den Marktzugang verändern. Gleichzeitig konkurrieren die beiden Staaten um internationale Unternehmen und Investitionen – was neue Geschäftsmöglichkeiten schaffen kann.

Der Iran-Krieg verändert das Gleichgewicht

Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht, dass der Iran-Krieg Saudi-Arabien und die VAE plötzlich zu Gegnern gemacht hätte. Die Rivalität war bereits vorhanden.

Der Krieg verändert vielmehr die Rahmenbedingungen, unter denen beide Staaten ihre Interessen verfolgen. Energieversorgung, Sicherheit, Handelswege und das Verhältnis zu den USA werden plötzlich dringlicher. Gleichzeitig müssen beide ihre Wirtschaft gegen die Folgen des Konflikts absichern.

Der Krieg kann damit zum Verstärker eines Wettbewerbs werden, der bereits vorher begonnen hatte.

Keine Spaltung – aber mehr Wettbewerb

Von einer offenen Spaltung zwischen Saudi-Arabien und den VAE kann derzeit nicht gesprochen werden. Beide bleiben wirtschaftlich eng miteinander verflochten und haben ein gemeinsames Interesse daran, den Golf nicht zusätzlich zu destabilisieren.

Doch die Richtung ist erkennbar: Riad und Abu Dhabi stimmen sich dort ab, wo ihre Interessen übereinstimmen – und konkurrieren dort, wo ihre nationalen Ziele auseinandergehen.

Der Iran-Krieg verschärft diesen Gegensatz. Der OPEC-Austritt der VAE, unterschiedliche Positionen zu regionalen Konflikten und der Wettbewerb um internationale Investitionen zeigen, dass aus der früheren engen Partnerschaft zunehmend eine strategische Konkurrenz wird.

Für die Schweiz zählt die wirtschaftliche Stabilität

Für Bern ist deshalb weniger entscheidend, welcher der beiden Golfstaaten sich politisch durchsetzt. Entscheidend ist, dass die wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Verbindungen der Region stabil bleiben.

Die Schweiz hat enge Wirtschaftsbeziehungen zu beiden Ländern. Eine weitere Eskalation zwischen Riad und Abu Dhabi könnte deshalb indirekt auch Schweizer Unternehmen treffen – über Energiepreise, Handelswege, Investitionen oder regionale Lieferketten.

Noch ist eine solche Entwicklung nicht absehbar. Die Rivalität bleibt vorerst ein Wettbewerb innerhalb eines eng verflochtenen Golfraums.

Doch der Iran-Krieg zeigt, wie schnell sich die Interessen verschieben können. Aus zwei engen Partnern müssen deshalb nicht automatisch Gegner werden. Sie können aber zu Konkurrenten werden – und genau diese Entwicklung dürfte für die Region und auch für die Schweiz wichtiger werden.

Quellen

  • Deutsche Welle: „Die zunehmende Rivalität zwischen Saudi-Arabien und den VAE“, 6. September 2026
  • EDA: Bilaterale Beziehungen Schweiz–Vereinigte Arabische Emirate, 28. August 2026
  • EDA: Bilaterale Beziehungen Schweiz–Saudi-Arabien, 28. August 2026
  • House of Commons Library: „The UAE exits OPEC and Saudi-UAE tensions in 2026“, 28. Mai 2026
  • Reuters: Analyse zum OPEC-Austritt der VAE und den Beziehungen zu Saudi-Arabien, 29. April 2026
  • Reuters: Saudi-Arabiens Sicherheitsstrategie im Iran-Krieg, 12. August 2026

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