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AfD gewinnt Sachsen-Anhalt: Was das Ergebnis für Berlin und die Schweiz bedeutet

AfD mit Rekordergebnis – was der Wahlsieg für Deutschland und die Schweiz bedeutet.

AfD gewinnt Sachsen
Bild: openAi

Sachsen-Anhalt hat am 6. September 2026 ein politisches Signal gesetzt, das weit über das Bundesland hinausreicht. Die AfD gewinnt die Landtagswahl nach der ersten ARD-Hochrechnung mit rund 44,5 Prozent der Stimmen. Damit verdoppelt sie ihr Ergebnis von 2021 nahezu und erzielt ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl.

Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze kommt dagegen nur auf rund 18,5 Prozent. 2021 hatte die Partei noch 37,1 Prozent erreicht. Linke, Grüne und SPD schaffen den Einzug, während das BSW mit rund fünf Prozent um seine Sitze bangen muss. Das amtliche Endergebnis steht noch aus.

Die AfD gewinnt – kann aber nicht einfach regieren

Das Ergebnis ist historisch, bedeutet aber nicht automatisch eine AfD-Regierung. Für eine absolute Mehrheit der Sitze braucht die Partei mehr als die Hälfte der Mandate. Nach den aktuellen Hochrechnungen reicht das Ergebnis dafür nicht.

Damit beginnt die eigentliche politische Frage: Wer kann Sachsen-Anhalt künftig regieren?

Die CDU lehnt eine Zusammenarbeit mit der AfD weiterhin ab. Auch Linke, Grüne und SPD wollen keine AfD-geführte Regierung ermöglichen. Gleichzeitig ist eine klassische Fortsetzung der bisherigen Regierungszusammensetzung nach dem Wahlergebnis nicht möglich. Eine CDU-geführte Minderheitsregierung wäre deshalb eine mögliche, politisch allerdings schwierige Variante.

Interessant ist dabei eine Veränderung in der Position der AfD: Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hatte vor der Wahl erklärt, nur mit einer absoluten Mehrheit regieren zu wollen. Nach dem Wahlsieg sagte er nun, er wolle allen Kräften die Hand reichen, die eine politische Wende unterstützen. Auch die AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla signalisierten Gesprächsbereitschaft.

Ein Erfolg mit bundespolitischer Bedeutung

Sachsen-Anhalt entscheidet nicht über die deutsche Aussen- oder Sicherheitspolitik. Die Bedeutung der Wahl liegt deshalb weniger in konkreten Entscheidungen in Magdeburg als in ihrer Signalwirkung für Berlin.

Die AfD selbst bezeichnet das Ergebnis als Auftrag für einen politischen Kurswechsel. Ihr Spitzenkandidat sprach am Wahlabend von einem Zeichen in Richtung Berlin. Gleichzeitig zeigen die Nachwahlbefragungen, dass die Bundespolitik für viele Wählerinnen und Wähler eine zentrale Rolle spielte.

Laut ARD-Analyse hielten 59 Prozent der Befragten einen Denkzettel für die Bundesregierung für angebracht. Bundeskanzler Friedrich Merz wurde dabei besonders kritisch bewertet. Die Wahl war damit nicht nur eine Abstimmung über Landespolitik, sondern auch ein Ausdruck der Unzufriedenheit mit der Politik in Berlin.

AfD gewinnt Sachsen
Symbolbild · Bild: openAi

Was bedeutet das für die Ukraine?

Die Auswirkungen auf die Ukraine sind indirekter.

Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt entscheidet nicht über Waffenlieferungen, Sanktionen oder die deutsche Unterstützung für die Ukraine. Das bleibt Sache der Bundesregierung und des Bundestags.

Ein starkes AfD-Ergebnis kann jedoch den innenpolitischen Druck auf die Bundesregierung erhöhen. Die AfD steht für einen deutlich anderen Kurs gegenüber Russland und der Ukraine als die Bundesregierung. Sie fordert unter anderem eine grundsätzliche Neuorientierung der deutschen Russland- und Ukraine-Politik.

Aus dem Wahlergebnis folgt deshalb keine unmittelbare Änderung der deutschen Ukraine-Politik. Es zeigt aber, wie stark sich die politischen Kräfteverhältnisse verändern können, wenn die AfD weiter an Zustimmung gewinnt.

Warum die Wahl auch Bern interessiert

Für die Schweiz liegt die Bedeutung weniger in der Landespolitik Sachsen-Anhalts als in der politischen Entwicklung Deutschlands insgesamt.

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Schweiz. Das Handelsvolumen überschreitet seit Jahren 100 Milliarden Franken; auch bei Forschung, Bildung und Innovation ist Deutschland der wichtigste Partner der Schweiz.

Gleichzeitig ist Deutschland ein zentraler Akteur in der europäischen Politik. Für die Schweiz ist das besonders relevant, weil Bern seine Beziehungen zur EU weiterentwickelt. Der Bundesrat hat im März 2026 das Paket «Bilaterale III» verabschiedet und dabei die Bedeutung stabiler Beziehungen zur EU angesichts der geopolitischen Lage ausdrücklich hervorgehoben.

Eine einzelne Landtagswahl verändert diese Beziehungen nicht. Sollte das starke AfD-Ergebnis jedoch Teil eines längerfristigen politischen Rechtsrucks in Deutschland werden, könnte dies die innenpolitischen Spielräume der Bundesregierung und damit mittelbar auch die europäische Politik beeinflussen.

Ein historischer Erfolg – aber noch kein Machtwechsel

Die AfD hat in Sachsen-Anhalt einen politischen Durchbruch erzielt. Rund 44,5 Prozent sind ihr mit Abstand bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl. Gleichzeitig bleibt offen, ob daraus auch eine Regierungsbeteiligung entsteht.

Das ist der entscheidende Punkt des Wahlabends: Die AfD hat die Wahl gewonnen, aber sie hat noch keine Mehrheit zum Regieren.

Die nächsten Wochen werden deshalb zeigen, ob sich eine tragfähige Regierung bilden lässt oder Sachsen-Anhalt vor einer längeren politischen Blockade steht. Der neue Landtag muss spätestens am 6. Oktober erstmals zusammentreten. Eine feste Frist für die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten gibt es nicht; das Verfahren sieht bei gescheiterten Wahlgängen weitere Abstimmungen vor.

Das Signal reicht über Sachsen-Anhalt hinaus

Die Wahl zeigt vor allem eines: Die AfD ist in Sachsen-Anhalt zur mit Abstand stärksten politischen Kraft geworden. Für die CDU ist das Ergebnis ein historischer Rückschlag.

Ob daraus tatsächlich ein Machtwechsel auf Bundesebene entsteht, ist offen. Ebenso offen ist, ob sich die deutsche Ukraine- und Europapolitik verändert.

Für die Schweiz ist deshalb nicht das Ergebnis in Magdeburg allein entscheidend. Entscheidend ist, ob sich der politische Wandel in Deutschland fortsetzt – und ob daraus eine längerfristige Veränderung der deutschen Europa-, Wirtschafts- und Sicherheitspolitik entsteht.

Am Wahlabend steht deshalb noch nicht fest, wer Sachsen-Anhalt regiert. Fest steht aber bereits: Die politische Landschaft Deutschlands hat sich erneut deutlich nach rechts verschoben.

Quellen

  • ARD / infratest dimap: Hochrechnung und Wahlanalyse zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt vom 6. September 2026
  • Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt: Landtagswahl 2026
  • Tagesschau: Wahlergebnis und Regierungsbildung
  • EDA: Bilaterale Beziehungen Schweiz–Deutschland
  • SECO: Beziehungen Schweiz–EU

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