Eine Schweizer Reisende mit Koffer betrachtet am Flughafen verschiedene mögliche Fernreiseziele.
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ReisenAnalyse16:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Warum deutlich weniger Schweizer in die USA reisen

Politisches Klima, Grenzsorgen und Preise verändern die Ferienplanung

New York, Kalifornien und die Nationalparks bleiben Sehnsuchtsziele – doch viele Schweizerinnen und Schweizer buchen derzeit anders. Im ersten Halbjahr 2026 reisten rund 120'000 Personen aus der Schweiz in die Vereinigten Staaten. Das sind 16,5 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Schon 2025 war die Zahl um 10,6 Prozent auf gut 361'000 gesunken.

Setzt sich der Trend fort, könnten 2026 nur noch rund 300'000 Schweizer Gäste in die USA reisen. Das entspräche ungefähr dem Niveau von 2007. Der Rückgang ist damit zu deutlich, um ihn als normale Monatsschwankung abzutun. Er trifft eine Destination, die lange vom hohen Schweizer Reisebudget, Direktflügen und einer grossen Auswahl an Rundreisen profitierte.

Infografik zum Rückgang der Schweizer USA-Reisen im ersten Halbjahr 2026.
Eigene Darstellung der im Artikel genannten Daten. · JournalPlus Redaktion

Reisen beginnt mit Vertrauen

Der amerikanische Markt ist nicht plötzlich landschaftlich weniger attraktiv. Verändert hat sich das politische und emotionale Umfeld. Berichte über strengere Grenzkontrollen, Einzelfälle mit zurückgewiesenen Reisenden und eine polarisierte Innenpolitik prägen die Wahrnehmung. In einer Umfrage gaben 65 Prozent der Befragten an, keine USA-Reise zu planen; sieben Prozent wollten eine geplante Reise absagen.

Solche Umfragen erklären nicht jede Buchung. Auch Flugpreise, der Dollar, Schulferien und Konkurrenzdestinationen spielen eine Rolle. Bemerkenswert ist jedoch, dass Tourismus stark auf ein Gefühl angewiesen ist: Gäste wollen willkommen sein und die Einreise als berechenbar empfinden. Wird diese Erwartung unsicher, wählen sie schneller Kanada, Asien oder Ziele in Europa.

Jüngere reagieren teilweise anders

Der Rückgang ist nicht in allen Gruppen gleich. Bei den unter 30-Jährigen plante ein kleiner Anteil sogar mehr USA-Reisen. Günstigere Tarife können spontane Städtereisen oder Besuche bei Freunden attraktiver machen. Das zeigt den paradoxen Effekt sinkender Nachfrage: Wer sich vom politischen Umfeld nicht abschrecken lässt, findet möglicherweise bessere Angebote.

Für die Schweizer Reisebranche verschieben sich dadurch Beratungsbedürfnisse. Kundinnen und Kunden fragen nicht nur nach Hotels und Mietwagen, sondern nach Einreisebestimmungen, elektronischen Geräten an der Grenze, Versicherungsschutz und möglichen Änderungen nach der Buchung. Reisebüros können hier einen Vorteil gegenüber der reinen Onlinebuchung ausspielen.

Was Reisende konkret beachten sollten

Wer in die USA reist, sollte den Reisepass, die ESTA-Bewilligung oder das passende Visum frühzeitig prüfen und bei früheren Aufenthalten in bestimmten Ländern abklären, ob ESTA genügt. Angaben müssen vollständig und konsistent sein. Ein genehmigtes ESTA garantiert die Einreise nicht; die endgültige Entscheidung fällt an der Grenze.

Eine Reiseversicherung sollte medizinische Kosten in den USA ausreichend decken, weil Behandlungen sehr teuer werden können. Sinnvoll sind zudem flexible Umbuchungsbedingungen und eine Kopie wichtiger Dokumente. Vor der Abreise lohnt sich der Blick auf die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten.

Was der Rückgang für die Schweiz bedeutet

Für den einzelnen Haushalt entsteht vor allem eine neue Abwägung zwischen Reiz, Preis und persönlichem Sicherheitsgefühl. Die USA sind weder pauschal unsicher noch für alle Reisenden problematisch. Zugleich wäre es falsch, subjektive Bedenken als belanglos abzutun. Ferien sind eine freiwillige Ausgabe; schon geringe Unsicherheit kann die Entscheidung kippen.

Volkswirtschaftlich ist der Effekt für die Schweiz überschaubar. Für Airlines, Reiseveranstalter und spezialisierte Anbieter ist er jedoch spürbar. Vor allem zeigt der Trend eine grundsätzliche Wahrheit des Tourismus: Ein Land verkauft nicht nur Landschaften und Hotelzimmer, sondern auch Verlässlichkeit. Verliert eine Destination dieses Kapital, reichen tiefere Flugpreise allein nicht immer aus, um die Gäste zurückzuholen.

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