Aarau RAVE
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Schweiz20:16 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 5 Min.0 Kommentare

Tödliche Schüsse in Aarau: Eine Tote, fünf Verletzte

Täterschaft weiter flüchtig – Polizei prüft drei mögliche Szenarien

Eine Nacht, die als Techno-Party begann, endete mit tödlicher Gewalt: Auf der Pferderennbahn im Aarauer Schachen fielen in der Nacht auf Sonntag mehrere Schüsse. Eine 22-jährige Frau starb, fünf weitere Menschen wurden verletzt. Die Täterschaft ist weiterhin nicht identifiziert. Die Ermittler verfolgen drei mögliche Szenarien.

In Aarau laufen nach den tödlichen Schüssen auf dem Gelände der Pferderennbahn im Schachen die Ermittlungen auf Hochtouren. Eine 22-jährige Frau, eine in der Schweiz wohnhafte Italienerin, erlag noch vor Ort ihren Verletzungen. Fünf weitere Personen wurden verletzt. Dabei handelt es sich um vier Männer und eine Frau im Alter zwischen 24 und 27 Jahren. Nach aktuellem Stand schwebt niemand von ihnen in Lebensgefahr.

Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei den Opfern um Zufallsopfer handelt. Einen Hinweis darauf, dass die getötete Frau oder die Verletzten gezielt angegriffen wurden, gibt es derzeit nicht.

Die Schüsse fielen nach Ende des Raves

Tatort war das Gelände des Aargauischen Rennvereins im Schachen. Dort fand der «Aarau Rave VOL. 7» statt. Die Veranstalter hatten mit rund 2500 Besucherinnen und Besuchern gerechnet.

Die Veranstaltung war für Samstag bis 2 Uhr am Sonntag angesetzt. Die Schüsse fielen kurz nach 2.30 Uhr – also zu einem Zeitpunkt, als der Rave bereits beendet war und sich nach Einschätzung der Polizei noch ungefähr hundert Personen auf dem Gelände befanden.

Mehr als hundert Besucherinnen und Besucher wurden nach der Tat in einer Turnhalle von der Polizei befragt. Damit wollten die Ermittler möglichst viele Hinweise zum Ablauf der Ereignisse erhalten.

Ein Augenzeuge berichtete, dass die Musik gegen 2.30 Uhr aufgehört habe. Kurz darauf seien mehrere Knalle zu hören gewesen. Einige hätten zunächst an Feuerwerk oder Böller gedacht. Erst als andere Besucher vor Schüssen gewarnt hätten, sei die Gefahr erkannt worden. Die Schilderung stammt von einem Augenzeugen und muss von den Ermittlern mit weiteren Erkenntnissen abgeglichen werden.

Mehrere Schüsse an zwei Orten

Nach den bisherigen Erkenntnissen wurde nicht nur an einer Stelle geschossen. Die Kantonspolizei Aargau teilte mit, dass an zwei verschiedenen Orten im Schachen Schüsse abgegeben worden seien.

Die Ermittler gehen von einer grösseren Anzahl Schüsse aus. Am Tatort wurden Patronenhülsen von zwei verschiedenen Kalibern gefunden. Dabei handelt es sich einerseits um Pistolenmunition und andererseits um Munition einer Langwaffe, etwa eines Sturmgewehrs.

Was genau zwischen den Schüssen geschah, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Insbesondere ist nicht geklärt, ob eine oder mehrere Personen geschossen haben.

Aarauer Rave
Archivbild aarauer-rave.ch

Drei Szenarien werden geprüft

Das Motiv ist weiterhin unbekannt. Die Behörden verfolgen derzeit drei Hypothesen:

  • ein terroristischer Anschlag
  • ein Amoklauf
  • eine kriminelle Tat, beispielsweise eine Auseinandersetzung oder Abrechnung im Milieu

Keine dieser Hypothesen ist bislang bestätigt. Die Polizei betont damit nicht, dass sie von einem Terroranschlag oder einem Amoklauf ausgeht. Vielmehr werden verschiedene mögliche Erklärungen geprüft, solange die Hintergründe der Tat nicht geklärt sind.

Gerade deshalb ist es wichtig, derzeit weder ein politisches Motiv noch eine Verbindung zum organisierten Verbrechen als Tatsache darzustellen.

Die Täterschaft ist weiterhin flüchtig

Von den mutmasslichen Schützen fehlt bislang jede Spur. Die Kantonspolizei Aargau führt eine landesweite Fahndung durch. Noch ist nicht bekannt, ob es sich um eine einzelne Person oder mehrere Täter handelt.

Nach Einschätzung der Polizei befindet sich die Täterschaft nicht mehr in Aarau. Gleichzeitig gehen die Behörden davon aus, dass keine weitere Gefahr für die Bevölkerung besteht. Die Fahndung läuft dennoch weiter.

Auch die deutsche Polizei ist in die Fahndung eingebunden. Dabei handelt es sich laut den Behörden um die übliche grenzüberschreitende polizeiliche Zusammenarbeit.

Grosseinsatz bis weit in den Sonntag hinein

Unmittelbar nach Eingang der Meldung wurden zahlreiche Polizeikräfte des Kantons Aargau aufgeboten. Unterstützt wurden sie von Einsatzkräften aus anderen Kantonen.

Im Einsatz standen unter anderem die Kantonspolizei, Rettungsdienste, das Kantonale Katastrophen-Einsatzelement und die Spezialeinheit Argus. Auch ein Super-Puma der Schweizer Armee wurde eingesetzt.

Die Polizei sicherte das Gelände grossräumig ab und führte Kontrollen durch. Das abgesperrte Gebiet diente am Sonntag insbesondere der Spurensicherung und der Befragung von Zeuginnen und Zeugen.

Behörden warnen vor Spekulationen

Der Fall hat in sozialen Netzwerken rasch zahlreiche Gerüchte ausgelöst. Gerade bei einer laufenden Fahndung können solche Meldungen die Ermittlungen erschweren oder falsche Verdächtigungen gegen Unbeteiligte auslösen.

Gesichert sind derzeit insbesondere der Tatort, die Schussabgaben, die Zahl der Opfer, die zwei unterschiedlichen Munitionsarten und die drei von der Polizei genannten Ermittlungsrichtungen.

Wer geschossen hat und warum, ist hingegen weiterhin offen.

Die Polizei bittet Personen, die Fotos oder Videos vom Geschehen besitzen, diese den Ermittlern zur Verfügung zu stellen. Für Angehörige und Augenzeugen wurde eine Info-Linie eingerichtet: 062 835 62 62.

Auch Italien reagiert

Das Todesopfer ist italienische Staatsbürgerin. Bundesrat Ignazio Cassis telefonierte deshalb mit seinem italienischen Amtskollegen Antonio Tajani und sprach der italienischen Regierung sein Beileid aus.

Italien will die Schweizer Behörden bei der Betreuung der Angehörigen und im Rahmen der Ermittlungen unterstützen. Vertreter der italienischen Botschaft in Bern sowie ein Verbindungsbeamter der italienischen Staatspolizei sollen vor Ort tätig werden.

Auch Ministerpräsidentin Giorgia Meloni äusserte ihr Beileid.

«Ein Rave sollte ein Ort der Freude sein»

Auch die Veranstalter und beteiligten DJs reagierten erschüttert. Die Organisatoren bezeichneten die Ereignisse als schockierend und erklärten, ein Rave solle ein Ort der Freude und der Liebe sein.

Die Stadt Aarau und der Kanton Aargau sprachen den Opfern und Angehörigen ihr Mitgefühl aus.

Bundesrat Beat Jans bezeichnete die Schiesserei als «inakzeptabel». Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) wurde zur Unterstützung aufgeboten.

Was jetzt entscheidend ist

Die Ermittler müssen nun den genauen Ablauf rekonstruieren. Entscheidend sind dabei die Spuren am Tatort, die gefundenen Patronenhülsen, Videoaufnahmen sowie die Aussagen der zahlreichen Zeuginnen und Zeugen.

Noch immer fehlen Antworten auf die zentralen Fragen: Wer waren die Schützen? Waren es ein oder mehrere Täter? Warum wurde geschossen? Und wie kam es dazu, dass sechs Menschen getroffen wurden?

Die Polizei hat bislang keine dieser Fragen abschliessend beantwortet.

Fest steht dagegen: Eine junge Frau ist tot, fünf Menschen wurden verletzt und die mutmassliche Täterschaft ist weiterhin auf der Flucht. Die Ermittlungen laufen landesweit.

JournalPlus beobachtet die Ermittlungen und ergänzt diesen Bericht, sobald Polizei oder Staatsanwaltschaft neue bestätigte Erkenntnisse veröffentlichen.

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