Digitaler Zoll in der Schweiz: Was sich an der Grenze ändert
Weniger Papier, mehr digitale Kontrolle: So verändert sich der Schweizer Zoll.

Wer heute an der Schweizer Grenze Waren einführt, bekommt vom digitalen Wandel oft noch wenig mit. Für Unternehmen ist die Veränderung dagegen bereits deutlich spürbar. Zollanmeldungen, Transportdaten und Sicherheitsinformationen werden zunehmend elektronisch verarbeitet. Das Ziel: weniger administrative Unterbrüche, schnellere Abläufe und gleichzeitig mehr Möglichkeiten für gezielte Kontrollen.
Dahinter steht das Transformationsprogramm DaziT des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit. Das Programm wird Ende 2026 formell abgeschlossen. Die Digitalisierung der Zoll- und Grenzprozesse ist damit allerdings noch lange nicht beendet.
Passar ersetzt die alten Systeme schrittweise
Ein zentraler Baustein ist Passar. Das neue Warenverkehrssystem soll die digitale Abwicklung der Zollverfahren vereinheitlichen und die bisherigen Anwendungen schrittweise ablösen.
In den Bereichen Durchfuhr und Ausfuhr ist die Umstellung auf Passar bereits abgeschlossen. Bei den Einfuhren läuft dagegen noch die Übergangsphase. Erste Unternehmen testen das neue System bereits. Die vollständige Ablösung von e-dec Import soll bis Ende 2027 erfolgen.
Das ist wichtig: Passar ist am 1. September 2026 also noch kein vollständig abgeschlossenes System. Gerade bei den Einfuhren befindet sich die Digitalisierung noch im Ausbau. Unternehmen werden schrittweise auf die neuen Verfahren umgestellt.
Für Firmen soll die Grenze planbarer werden
Für den Warenverkehr bedeutet die Digitalisierung vor allem eine Veränderung der Abläufe. Informationen können bereits vor dem eigentlichen Grenzübertritt elektronisch übermittelt und verarbeitet werden.
Dadurch sollen Zollabfertigungen effizienter werden. Statt dass sämtliche Informationen erst an der Grenze verarbeitet werden müssen, können bestimmte Daten bereits vorher vorliegen. Das ermöglicht dem BAZG, Risiken gezielter zu beurteilen und Kontrollen dort anzusetzen, wo sie tatsächlich notwendig erscheinen.
Für Unternehmen kann das besonders bei regelmässigen Warenströmen Vorteile bringen. Je besser die Daten vorbereitet und die Prozesse automatisiert sind, desto weniger häufig sollte eine Sendung wegen rein administrativer Fragen an einem Grenzübergang aufgehalten werden.
Mehr digitale Kontrolle bedeutet nicht weniger Zollkontrollen
Genau hier liegt ein wichtiger Punkt: Digitalisierung bedeutet nicht, dass die Schweizer Grenze weniger kontrolliert wird.
Vielmehr soll sich die Art der Kontrolle verändern. Das BAZG will vorhandene Daten stärker nutzen, um Risiken bereits vor oder während des Grenzprozesses zu erkennen. Kontrollen können dadurch gezielter erfolgen, während unproblematische Waren möglichst reibungslos weiterlaufen.
Das entspricht auch dem Grundgedanken von DaziT: Zollabwicklung und Abgabenerhebung sollen effizienter werden, gleichzeitig soll die Grenzsicherheit gestärkt werden. Für den Staat geht es damit um zwei Ziele, die auf den ersten Blick gegensätzlich wirken: weniger administrative Reibung und mehr gezielte Kontrolle.
Was hat die EU damit zu tun?
Die Schweiz digitalisiert ihren Zoll nicht isoliert. Eine wichtige Rolle spielt die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union bei der Sicherheit des Warenverkehrs.
Dazu gehört insbesondere ICS2, das europäische Einfuhrkontrollsystem für Waren aus Drittstaaten. Dabei werden bestimmte Frachtinformationen bereits vor der Einfuhr erhoben. Die Schweiz ist aufgrund des Abkommens über Zollerleichterungen und Sicherheit mit der EU in diesen gemeinsamen Sicherheitsraum eingebunden.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Schweiz ihr gesamtes Zollsystem einfach demjenigen der EU angleicht. Passar ist das Schweizer Warenverkehrssystem des BAZG. ICS2 erfüllt dagegen eine andere Funktion: Es geht vor allem um Vorabinformationen und Sicherheitsanalysen bei Waren aus Drittstaaten.
Und was merken Reisende davon?
Für Privatpersonen läuft die Digitalisierung teilweise über andere Anwendungen. Ein Beispiel ist QuickZoll. Mit der offiziellen App des BAZG können Reisende Waren für den privaten Gebrauch oder zum Verschenken selbstständig anmelden und fällige Abgaben bereits vor dem Grenzübertritt bezahlen.
Wer die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, kann dadurch die Zollabfertigung vereinfachen, ohne am besetzten Zollschalter anhalten zu müssen. QuickZoll ist allerdings nicht dasselbe wie Passar: Die App richtet sich an Privatpersonen, während Passar den professionellen Warenverkehr betrifft.
Auch bei der Mehrwertsteuer wurde QuickZoll 2026 weiterentwickelt. Die App berücksichtigt inzwischen sowohl den normalen Mehrwertsteuersatz von 8,1 Prozent als auch den reduzierten Satz von 2,6 Prozent.
Automatische Grenzprozesse sind noch nicht überall Realität
Immer wieder ist im Zusammenhang mit DaziT auch von automatisierten Grenzprozessen die Rede. Dabei sollte man zwischen bereits eingeführten digitalen Verfahren und künftigen Automatisierungsschritten unterscheiden.
Bei Passar spielt beispielsweise die automatisierte Aktivierung von Warenanmeldungen eine wichtige Rolle. Ziel ist es, dass bestimmte Prozesse ohne manuelle Intervention am Grenzübergang ausgelöst werden können.
Vollständig automatisierte Grenzübergänge sind jedoch nicht von heute auf morgen Realität. Das BAZG entwickelt entsprechende Systeme schrittweise. Die Digitalisierung der Zollabfertigung ist deshalb eher ein langfristiger Umbau als ein einzelner Stichtag, an dem plötzlich alles automatisch funktioniert.
Datenschutz wird wichtiger
Mit der Digitalisierung wächst gleichzeitig die Bedeutung der Daten. Je stärker Zoll- und Sicherheitsprozesse auf elektronischen Informationen beruhen, desto wichtiger werden Fragen rund um Zugriff, Verarbeitung und Schutz dieser Daten.
Für Unternehmen bedeutet die Umstellung deshalb nicht nur neue technische Möglichkeiten, sondern teilweise auch Anpassungen ihrer eigenen Systeme und Prozesse. Sie müssen Daten korrekt und rechtzeitig bereitstellen, damit die automatisierten Abläufe funktionieren.
DaziT endet – die Digitalisierung nicht
Der Abschluss von DaziT Ende 2026 markiert deshalb weniger das Ende der Digitalisierung als einen Übergang. Viele zentrale Projekte sind bereits umgesetzt, andere befinden sich noch in der Einführung.
Besonders bei den Einfuhren steht mit der Ablösung von e-dec Import durch Passar bis Ende 2027 noch ein grosser Schritt bevor. Für die Wirtschaft wird entscheidend sein, wie reibungslos diese Umstellung funktioniert.
Für die Schweiz geht es dabei um mehr als um papierlose Zollformulare. Ein digitaler Zoll soll Waren schneller durch die Grenze bringen, Unternehmen administrativ entlasten und gleichzeitig die Behörden in die Lage versetzen, Risiken früher und gezielter zu erkennen.
Die Grenze verschwindet also nicht – sie wird digitaler. Für Reisende und Unternehmen könnte das langfristig bedeuten, dass weniger von der Kontrolle sichtbar ist. Für die Zollbehörden bedeutet es dagegen mehr Daten, mehr automatisierte Prozesse und neue Möglichkeiten, dort genauer hinzuschauen, wo ein Risiko besteht.
Quellen
- Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG): DaziT und digitale Transformation
- Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG): Passar
- Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG): Passar Einfuhr und Roadmap
- Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG): Import Control System 2 (ICS2)
- Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG): QuickZoll



