Erwerbslosigkeit von Hochschulabsolventen steigt
BFS-Erhebung zum Abschlussjahrgang 2024 zeigt Anstieg zwischen 2023 und 2025

Hochschulabsolventen finden schwerer einen Job – auch in Technik und Wirtschaft
Der Berufseinstieg wird für Hochschulabsolventinnen und -absolventen in der Schweiz schwieriger. Zwischen 2023 und 2025 stieg die Erwerbslosenquote ein Jahr nach dem Abschluss bei Absolventinnen und Absolventen universitärer Hochschulen und Fachhochschulen deutlich an. Besonders stark betroffen sind inzwischen auch Fachrichtungen, die lange als vergleichsweise arbeitsmarktnah galten.
Das zeigt die am 27. August 2026 veröffentlichte Hochschulabsolventenbefragung des Bundesamts für Statistik (BFS). Untersucht wurde die berufliche Situation des Abschlussjahrgangs 2024 im Jahr 2025. Für den Vergleich mit früheren Ergebnissen werden die entsprechenden Werte des Abschlussjahrgangs 2022 herangezogen.
Erwerbslosigkeit bei Uni-Mastern steigt auf 6,4 Prozent
Bei Absolventinnen und Absolventen mit einem Masterabschluss einer universitären Hochschule stieg die Erwerbslosenquote gemäss Definition der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) von 3,9 auf 6,4 Prozent. Bei Bachelorabsolventinnen und -absolventen von Fachhochschulen erhöhte sie sich von 3,4 auf 4,9 Prozent.
Eine Ausnahme bilden die Pädagogischen Hochschulen. Dort blieb die Erwerbslosenquote mit 0,7 Prozent praktisch auf dem bisherigen tiefen Niveau.
Die ILO-Definition ist dabei nicht mit der beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) registrierten Arbeitslosenquote gleichzusetzen. Als erwerbslos gilt nach ILO, wer nicht erwerbstätig ist, aktiv nach einer Stelle sucht und kurzfristig für eine Arbeit verfügbar wäre.
Auch Technik und Wirtschaft geraten unter Druck
Besonders bemerkenswert ist, dass sich die Verschlechterung nicht auf einzelne klassische Problemfächer beschränkt. Auch Fachrichtungen, die bisher vergleichsweise gut durch den Berufseinstieg kamen, sind stärker betroffen.
Bei Absolventinnen und Absolventen mit einem Masterabschluss einer universitären Hochschule stieg die Erwerbslosenquote in den Technischen Wissenschaften von 2,1 auf 4,8 Prozent. In den Wirtschaftswissenschaften erhöhte sie sich von 3,5 auf 8,5 Prozent. Auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie in den Exakten und Naturwissenschaften nahm die Quote deutlich zu.
Bei den Fachhochschulen zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. In Technik und IT stieg die Erwerbslosenquote der Bachelorabsolventinnen und -absolventen von 3,0 auf 6,4 Prozent. Im Bereich Wirtschaft und Dienstleistungen erhöhte sie sich von 4,5 auf ebenfalls 6,4 Prozent.
Die höchsten Quoten verzeichneten bei den FH-Bachelorabschlüssen die Bereiche Musik, Theater und andere Künste mit 10,8 Prozent, Design mit 10,0 Prozent sowie angewandte Linguistik mit 9,4 Prozent. Bei den UH-Mastern lag die höchste Quote in der Fachbereichsgruppe «Interdisziplinäre und Andere» bei 8,6 Prozent.
Am besten schnitten weiterhin Medizin und Pharmazie bei den universitären Hochschulen mit 1,6 Prozent sowie Gesundheit und Soziale Arbeit bei den Fachhochschulen mit 1,7 beziehungsweise 1,5 Prozent ab.
Viele finden keine Stelle nach ihren Vorstellungen
Noch deutlicher als die reine Erwerbslosenquote zeigt sich die Veränderung bei der Stellensuche. Immer mehr Hochschulabsolventinnen und -absolventen geben an, Mühe zu haben, eine Stelle zu finden, die ihren Vorstellungen entspricht.
Bei UH-Masterabsolventinnen und -absolventen stieg dieser Anteil von 30,0 auf 44,1 Prozent. Bei FH-Bachelorabsolventinnen und -absolventen erhöhte er sich von 24,2 auf 36,9 Prozent.
Besonders stark verschärfte sich die Situation in den Technischen Wissenschaften. Bei den UH-Masterabsolventinnen und -absolventen stieg der Anteil mit Schwierigkeiten bei der Stellensuche von 22,9 auf 43,3 Prozent. In den Wirtschaftswissenschaften erhöhte er sich von 26,8 auf 43,9 Prozent.
Auch bei FH-Bachelorabsolventinnen und -absolventen in Technik und IT nahm der Anteil von 18,8 auf 39,6 Prozent zu.
Fehlende Berufserfahrung bleibt grösstes Hindernis
Die Schwierigkeiten haben nicht nur mit der wirtschaftlichen Lage zu tun. Als häufigsten Grund nennen die Absolventinnen und Absolventen die fehlende Berufserfahrung.
2025 nannten dies rund zwei Drittel der UH-Masterabsolventinnen und -absolventen und knapp drei Viertel der FH-Bachelorabsolventinnen und -absolventen.
Deutlich stärker ins Gewicht fällt allerdings inzwischen die wirtschaftliche Lage. Bei den UH-Masterabsolventinnen und -absolventen nannten 42,5 Prozent die wirtschaftliche Situation als Grund für ihre Schwierigkeiten bei der Stellensuche. Beim früheren Abschlussjahrgang waren es 23,8 Prozent.
Bei den FH-Bachelorabsolventinnen und -absolventen stieg der Anteil von 19,5 auf 37,9 Prozent.
Kein allgemeiner Einbruch des Schweizer Arbeitsmarkts
Die Zahlen lassen allerdings nicht den Schluss zu, dass der Schweizer Arbeitsmarkt generell keine Hochschulabsolventinnen und -absolventen mehr brauche.
Im zweiten Quartal 2026 nahm die Gesamtbeschäftigung in der Schweiz gegenüber dem Vorjahresquartal um 2,0 Prozent zu. Die Unternehmen meldeten gleichzeitig 98'700 offene Stellen – 2,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auch die Beschäftigungsaussichten verbesserten sich.
Gleichzeitig bleibt die Suche nach qualifizierten Mitarbeitenden für viele Unternehmen schwierig: 33,9 Prozent der Beschäftigten arbeiteten im zweiten Quartal 2026 in einem Unternehmen, das Schwierigkeiten bei der Rekrutierung qualifizierter Arbeitskräfte meldete.
Das Bild ist damit widersprüchlich: Auf der einen Seite wächst die Beschäftigung und Unternehmen suchen weiterhin Fachkräfte. Auf der anderen Seite haben junge Akademikerinnen und Akademiker deutlich grössere Schwierigkeiten beim Einstieg in den Arbeitsmarkt.
Zwischen Fachkräftemangel und schwierigerem Berufseinstieg
Die BFS-Zahlen legen deshalb nahe, die Diskussion über den Fachkräftemangel differenzierter zu führen. Dass Unternehmen Mühe haben, qualifizierte Mitarbeitende zu finden, bedeutet nicht automatisch, dass jede Absolventin und jeder Absolvent problemlos eine passende Stelle findet.
Entscheidend können Fachrichtung, Berufserfahrung und die konkrete Nachfrage der Unternehmen sein. Die aktuellen Daten zeigen zudem, dass sich die Schwierigkeiten inzwischen auf Bereiche ausbreiten, die bisher weniger stark betroffen waren.
Eine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Konjunktur und steigender Erwerbslosigkeit weist das BFS nicht nach. Die Tatsache, dass deutlich mehr Absolventinnen und Absolventen die wirtschaftliche Lage als Hindernis nennen, liefert jedoch einen wichtigen Hinweis auf die veränderten Rahmenbedingungen.
Was die Zahlen für Hochschulabsolventen bedeuten
Für junge Akademikerinnen und Akademiker wird damit der Übergang von der Hochschule in den Beruf anspruchsvoller. Ein Hochschulabschluss bleibt zwar eine wichtige Qualifikation, garantiert aber nicht automatisch einen schnellen Einstieg in eine passende Stelle.
Besonders wichtig scheint praktische Erfahrung zu sein. Die Angaben des BFS zeigen, dass fehlende Berufserfahrung weiterhin das am häufigsten genannte Hindernis ist. Praktika, Berufserfahrung während des Studiums und ein früher Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern können deshalb beim Berufseinstieg eine grössere Rolle spielen.
Für Hochschulen und Politik stellt sich gleichzeitig die Frage, wie gut Ausbildung und Arbeitsmarkt zusammenpassen. Die Unterschiede zwischen den Fachrichtungen sind erheblich. Eine pauschale Aussage über die Arbeitsmarktchancen von «Akademikern» würde diesen Unterschieden nicht gerecht.
Die Entwicklung muss weiter beobachtet werden
Die aktuellen Zahlen beziehen sich auf den Abschlussjahrgang 2024 und dessen berufliche Situation im Jahr 2025. Sie zeigen damit einen klaren Anstieg gegenüber dem vorherigen Beobachtungszeitpunkt. Ob es sich um eine vorübergehende Verschlechterung des Berufseinstiegs oder um einen längerfristigen Trend handelt, werden erst die kommenden Erhebungen zeigen.
Fest steht jedoch: Der Schweizer Arbeitsmarkt bleibt insgesamt aufnahmefähig, während der Einstieg für einen Teil der Hochschulabsolventinnen und -absolventen schwieriger geworden ist. Besonders auffällig ist, dass diese Entwicklung inzwischen auch technische und wirtschaftliche Fachrichtungen erreicht.
Quellen
- Bundesamt für Statistik: Die Erwerbslosigkeit der Hochschulabsolventinnen und -absolventen ist zwischen 2023 und 2025 gestiegen
- Bundesamt für Statistik: Zunahme der Beschäftigung im 2. Quartal 2026
- BFS: Definitionen der Erwerbslosenquote gemäss ILO
- BFS SwissStats: Indikatoren der Hochschulabsolventenbefragung
- SECO: Die Lage auf dem Arbeitsmarkt Juli 2026
- SRF: Schweizer Arbeitsmarkt wächst trotz Fachkräftemangel weiter



