Wirtschaft21:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 6 Min.0 Kommentare

MEM-KMU: Konjunktur hellt auf, Fachkräftemangel bleibt

Der Geschäftsklimaindex steigt auf den besten Stand seit dem Frühjahr 2024 – die strukturellen Probleme bleiben.

MEM KMU
Bild: OpenAi

Schweizer MEM-KMU sehen erste Erholung – Fachkräftemangel bleibt Problem

Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) sendet erste positive Konjunktursignale. Im zweiten Quartal 2026 hat sich die wirtschaftliche Lage der MEM-KMU leicht verbessert. Der Geschäftsklimaindex von Swissmechanic stieg auf rund minus 20 Punkte und erreichte damit den besten Wert seit Frühjahr 2024. Von einer nachhaltigen Trendwende kann jedoch noch keine Rede sein.

Die Entwicklung zeigt ein gemischtes Bild. Einerseits verbessern sich mehrere wichtige Kennzahlen: Die Exporte der MEM-KMU wachsen bereits das vierte Quartal in Folge, die Kapazitätsauslastung liegt erstmals seit Ende 2023 wieder auf dem langjährigen Durchschnitt und der Einsatz von Kurzarbeit ist deutlich zurückgegangen.

Andererseits bleibt die Stimmung in der Branche angespannt. Rund zwei Drittel der Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage weiterhin als ungünstig. Die Schweizer MEM-Industrie befindet sich damit zwar nicht mehr auf dem Tiefpunkt der vergangenen Monate, ist aber noch weit von einer breiten Erholung entfernt.

Geschäftsklima verbessert sich deutlich

Der Swissmechanic-Geschäftsklimaindex ist im zweiten Quartal 2026 auf rund minus 20 Punkte gestiegen. Im Frühjahr hatte der Wert noch bei rund minus 30 Punkten gelegen. Damit erreicht der Index den besten Stand seit dem Frühjahr 2024.

Der Anstieg ist ein positives Signal für die vielen kleinen und mittleren Unternehmen der Schweizer MEM-Industrie. Gleichzeitig bleibt der Index klar im negativen Bereich. Swissmechanic warnt deshalb ausdrücklich davor, bereits von einem Turnaround zu sprechen.

„Die ersten positiven Signale sind erfreulich“, erklärt Swissmechanic-Präsident Nicola Tettamanti. Für eine nachhaltige Trendwende brauche es jedoch stabile wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und verlässliche Perspektiven für die KMU.

Exporte wachsen bereits seit vier Quartalen

Ein wichtiger Lichtblick sind die Exporte. Die Ausfuhren der MEM-KMU haben im zweiten Quartal bereits das vierte Quartal in Folge zugelegt.

Auch bei der Auslastung der Produktionskapazitäten gibt es eine Verbesserung. Sie liegt erstmals seit Ende 2023 wieder auf dem langjährigen Durchschnitt. Gleichzeitig ist der Einsatz von Kurzarbeit deutlich zurückgegangen.

Damit verbessern sich mehrere Indikatoren gleichzeitig. Für die Unternehmen bedeutet das eine Entlastung nach einer längeren Phase mit schwacher Nachfrage und hoher Unsicherheit.

Doch zwei Drittel der Unternehmen bleiben unzufrieden

Die positive Entwicklung darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, wie schwierig die Lage für viele Betriebe weiterhin ist.

Rund zwei Drittel der befragten Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage nach wie vor als ungünstig. Der Geschäftsklimaindex liegt trotz seiner Verbesserung deutlich unter null.

Die Sorge um die Auftragslage hat zwar etwas abgenommen. Gleichzeitig rückt ein anderes Problem wieder stärker in den Vordergrund: der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.

Fachkräftemangel wird wieder wichtiger

Bereits jedes dritte Unternehmen zählt den Fachkräftemangel zu den grössten Herausforderungen. Für die MEM-Industrie ist das besonders problematisch, weil viele Tätigkeiten technisches Fachwissen und eine entsprechende Ausbildung voraussetzen.

Die Unternehmen stehen dabei vor einem langfristigen Problem: Es geht nicht nur darum, offene Stellen zu besetzen. Auch bei der Suche nach Nachwuchskräften wird die Situation schwieriger.

Immer mehr Schwierigkeiten bei der Suche nach Lernenden

Rund zwei Drittel der MEM-KMU bilden Lernende aus und betrachten die Berufsbildung als wichtigen Bestandteil ihrer Personalstrategie. Gleichzeitig wird es nach Angaben von Swissmechanic zunehmend schwieriger, geeignete Jugendliche für die Lehrstellen zu finden.

Viele Unternehmen erhalten zu wenige Bewerbungen. Andere finden zwar Interessierte, deren schulische Voraussetzungen jedoch nicht den Anforderungen der jeweiligen Ausbildung entsprechen.

Damit wird die Nachwuchssicherung für die Branche zu einer wichtigen Zukunftsaufgabe. Swissmechanic-Direktor Erich Sannemann bringt die Entwicklung auf den Punkt: Der Fachkräftemangel beginne nicht erst bei offenen Stellen, sondern bereits dort, wo Lehrstellen nicht mehr mit geeigneten jungen Menschen besetzt werden können.

Berufsbildung wird zum entscheidenden Faktor

Für die MEM-Unternehmen gewinnt die eigene Ausbildung deshalb weiter an Bedeutung. Wer Fachkräfte nicht ausreichend auf dem Arbeitsmarkt findet, muss stärker versuchen, sie selbst auszubilden und langfristig an das Unternehmen zu binden.

Das stellt die Betriebe allerdings vor zusätzliche Herausforderungen. Die Ausbildung von Lernenden erfordert Zeit, qualifizierte Betreuung und entsprechende Investitionen. Gleichzeitig müssen die Unternehmen ihre Ausbildungsplätze mit Jugendlichen besetzen können, die den Anforderungen der technischen Berufe gewachsen sind.

Swissmechanic sieht deshalb Handlungsbedarf bei den Rahmenbedingungen für die Berufsbildung. Aus Sicht des Verbandes ist die Nachwuchsförderung ein wesentlicher Bestandteil, um den Fachkräftemangel langfristig zu entschärfen.

Warum die Erholung noch keine Trendwende ist

Die aktuellen Zahlen zeigen vor allem eine Verbesserung gegenüber der schwierigen Situation der vergangenen Quartale. Sie bedeuten jedoch nicht, dass die Probleme der MEM-Industrie gelöst sind.

Der Geschäftsklimaindex bleibt negativ, und rund zwei Drittel der Unternehmen bewerten ihre Lage weiterhin als ungünstig. Gleichzeitig bleiben die Betriebe auf stabile wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und eine verlässlichere Nachfrage angewiesen.

Dass die Exporte nun vier Quartale in Folge wachsen und die Kapazitätsauslastung wieder den langjährigen Durchschnitt erreicht, ist deshalb zunächst vor allem ein Hoffnungssignal.

Über 65'000 Beschäftigte in der Swissmechanic-MEM-Industrie

Die Bedeutung der Branche für die Schweizer Wirtschaft ist erheblich. Swissmechanic vertritt mehr als 1'300 angeschlossene Betriebe der MEM-Industrie. Diese beschäftigen zusammen über 65'000 Mitarbeitende, darunter rund 6'000 Lernende.

Die angeschlossenen Unternehmen erwirtschaften nach Angaben des Verbandes ein jährliches Umsatzvolumen von rund 15 Milliarden Franken. Swissmechanic ist in 13 regionale Sektionen sowie weitere Fach- und Dienstleistungsorganisationen gegliedert.

Was die Unternehmen jetzt brauchen

Für Swissmechanic reicht die aktuelle Verbesserung deshalb noch nicht aus. Der Verband fordert stabile wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen und verlässliche Perspektiven für die Unternehmen.

Gerade für exportorientierte Schweizer KMU sind planbare Rahmenbedingungen wichtig. Gleichzeitig müssen die Betriebe mit den Herausforderungen bei der Rekrutierung von Fachkräften und Lernenden umgehen.

Damit stehen für die Branche zwei Aufgaben gleichzeitig im Vordergrund: kurzfristig muss sich die wirtschaftliche Nachfrage weiter stabilisieren, langfristig muss die Ausbildung von genügend Fachkräften gesichert werden.

Schweizer MEM-Industrie bleibt vorsichtig optimistisch

Das zweite Quartal 2026 bringt damit erstmals seit längerer Zeit mehrere positive Signale. Die Exporte steigen, die Kapazitätsauslastung verbessert sich und die Kurzarbeit geht zurück. Auch das Geschäftsklima hat sich deutlich aufgehellt.

Gleichzeitig bleibt die Lage für viele Unternehmen schwierig. Der Geschäftsklimaindex liegt weiterhin im negativen Bereich und rund zwei Drittel der Betriebe beurteilen ihre Geschäftslage als ungünstig.

Die kommenden Quartale werden deshalb entscheidend sein. Erst wenn sich die Verbesserung bei Aufträgen, Exporten und Auslastung über längere Zeit fortsetzt, kann von einer nachhaltigen Erholung gesprochen werden.

Fazit

Die Schweizer MEM-KMU können erstmals wieder etwas optimistischer auf die Konjunktur blicken. Der Geschäftsklimaindex ist auf rund minus 20 Punkte gestiegen und damit so hoch wie seit Frühjahr 2024 nicht mehr.

Auch die Exporte entwickeln sich positiv: Sie wachsen bereits das vierte Quartal in Folge. Die Kapazitätsauslastung hat den langjährigen Durchschnitt erreicht und die Kurzarbeit ist deutlich zurückgegangen.

Von einer Trendwende kann jedoch noch nicht gesprochen werden. Rund zwei Drittel der Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage weiterhin als ungünstig. Gleichzeitig gewinnt der Fachkräftemangel wieder an Bedeutung. Besonders die Suche nach geeigneten Lernenden wird für viele Betriebe schwieriger.

Die Schweizer MEM-Industrie steht damit an einem möglichen Wendepunkt. Ob aus den ersten positiven Signalen tatsächlich eine nachhaltige Erholung wird, hängt davon ab, ob sich die verbesserte Nachfrage stabilisiert und die Unternehmen gleichzeitig genügend Fachkräfte für die Zukunft gewinnen können.

Quellen

  • Swissmechanic Schweiz: «Konjunktur hellt sich auf – Fachkräftemangel bleibt», Medienmitteilung vom 26. August 2026.
  • Swissmechanic Wirtschaftsbarometer, zweites Quartal 2026.

Artikel teilen

Fehler im Artikel melden

Vielen Dank für Ihren Hinweis. Bitte beschreiben Sie den Fehler so genau wie möglich.

PNG, JPG oder WebP, max. 5 MB

Kommentare

Melden Sie sich an, um mitzudiskutieren.

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten.