
Kein Gold aus Sudan: Die Schweiz zieht eine rote Linie
Neue Sanktionen treffen einen Rohstoff, der den Krieg mitfinanziert
Gold ist klein, wertvoll und leicht über Grenzen zu verschieben – Eigenschaften, die es in einem Krieg zur idealen Finanzierungsquelle machen. Die Schweiz verbietet seit dem 10. September den Kauf, die Einfuhr und die Durchfuhr von Gold mit Ursprung in Sudan. Ebenfalls untersagt sind damit verbundene Dienstleistungen und Finanzierungen. Bestimmte Chemikalien, die im sudanesischen Bergbau eingesetzt werden können, dürfen nicht mehr geliefert werden.
Der Bundesrat schliesst sich damit Sanktionen der Europäischen Union an. In Sudan kämpfen seit 2023 die Armee und die paramilitärischen Rapid Support Forces um die Macht. Millionen Menschen sind auf der Flucht, die humanitäre Lage ist verheerend. Gold gilt als eine zentrale Einnahmequelle bewaffneter Akteure und ihrer Netzwerke.

Warum die Schweiz besonders genau hinsehen muss
Die Schweiz gehört zu den wichtigsten Goldhandels- und Raffineriestandorten der Welt. Ein grosser Teil des global gehandelten Rohgoldes wird hier verarbeitet. Daraus entsteht eine besondere Verantwortung: Selbst wenn direkte Lieferungen aus Sudan klein sind, kann Gold über Zwischenländer umdeklariert, vermischt oder weiterverkauft werden.
Ein Ursprungsverbot ist deshalb nur so wirksam wie seine Kontrolle. Raffinerien, Banken, Logistikfirmen und Händler müssen nicht bloss den unmittelbaren Vertragspartner kennen. Sie müssen Hinweise auf tatsächliche Herkunft, ungewöhnliche Handelsrouten und wirtschaftlich Berechtigte prüfen. Stark steigende Exporte eines Nachbar- oder Transitlandes können ein Warnsignal sein, sind für sich allein aber noch kein Beweis.
Sorgfaltspflichten werden zum Wettbewerbsfaktor
Die Schweizer Branche verweist seit Jahren auf strenge Prüfprozesse. Sanktionen verschärfen jedoch die rechtliche Konsequenz: Was zuvor vor allem eine Frage verantwortungsvoller Beschaffung war, kann nun unmittelbar verboten sein. Unternehmen brauchen dokumentierte Kontrollen, belastbare Herkunftsnachweise und Verfahren, um verdächtige Transaktionen zu stoppen.
Das kostet Geld und Zeit. Zugleich schützt es den Ruf des Standorts. Für Goldkäuferinnen und Anleger ist kaum sichtbar, aus welcher Mine das Metall eines Barrens ursprünglich stammt. Vertrauen entsteht daher über glaubwürdige Regeln und unabhängige Kontrollen. Ein Skandal um Konfliktgold könnte der gesamten Branche mehr schaden als konsequente Prüfungen kosten.
Die Grenzen von Sanktionen
Ein Schweizer Importverbot beendet den Krieg in Sudan nicht. Gold lässt sich in andere Märkte umlenken, einschmelzen und mit legalem Material vermischen. Sanktionen können ausserdem unbeabsichtigt den legalen Kleinbergbau treffen, von dem Familien leben. Humanitäre Wirkung entsteht nur, wenn wichtige Handelsplätze koordiniert handeln und Umgehungsnetzwerke gezielt verfolgen.
Die neue Regel ergänzt ein bereits bestehendes Waffenembargo sowie Finanz- und Reisesanktionen gegen derzeit 36 Personen und Organisationen. Ihre Stärke liegt weniger im Volumen einzelner Schweizer Importe als in der Signalwirkung eines globalen Raffineriezentrums.
Was das für die Schweiz bedeutet
Für private Besitzer von Schmuck oder bereits legal erworbenen Goldprodukten ändert sich im Alltag nichts. Betroffen sind vor allem professionelle Marktteilnehmer und neue Transaktionen. Indirekt betrifft die Entscheidung aber alle: Die Schweiz verdient an einem Rohstoffgeschäft, das besonders anfällig für Geldwäscherei, Sanktionsumgehung und Konfliktfinanzierung ist.
Ein Verbot ist deshalb glaubwürdig, wenn Behörden kontrollieren, Verstösse sanktionieren und Ergebnisse transparent machen. Die Schweiz kann nicht jede Mine überwachen. Sie kann aber verhindern, dass ihr Finanz- und Handelsplatz zum bequemen Endpunkt einer verschleierten Lieferkette wird. Beim Gold entscheidet sich Reputation nicht am Glanz des fertigen Barrens, sondern an der nachvollziehbaren Geschichte seines Weges.



