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Strompreise sinken wieder – und der Verbrauch steigt erneut

Strom wird wieder günstiger – doch der Verbrauch steigt.

Strompreis
Bild: open AI

Die Schweizer Strompreise haben in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Nach vergleichsweise stabilen Tarifen folgte ab 2023 ein kräftiger Preissprung. 2024 erreichten die Stromtarife für Haushalte einen Höchststand.

Seither hat sich die Situation wieder entspannt. Gleichzeitig zeigt die Schweizer Elektrizitätsstatistik: Auch der Stromverbrauch ist nach einem Rückgang wieder gestiegen. Die beiden Entwicklungen verlaufen damit zumindest zeitlich teilweise parallel.

Der grosse Preissprung kam 2023

Die von der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) veröffentlichten Tarifdaten zeigen, wie stark sich die Stromkosten verändert haben. Für einen typischen Haushalt der Kategorie H4 mit einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden lag der Median-Tarif 2022 bei 21,2 Rappen pro Kilowattstunde.

2023 stieg dieser Wert auf 26,95 Rappen. 2024 folgte ein weiterer kräftiger Anstieg auf 32,14 Rappen pro Kilowattstunde.

Für einen Haushalt mit 4500 Kilowattstunden Jahresverbrauch bedeutete das einen deutlichen Anstieg der jährlichen Stromrechnung. Der Preisschub war vor allem eine Folge der hohen Beschaffungskosten auf den Energiemärkten.

Seit 2025 geht es wieder nach unten

Der Höchststand von 2024 war jedoch nicht von Dauer. 2025 sank der Median-Tarif auf 29,0 Rappen pro Kilowattstunde. Für 2026 weist die ElCom einen Median von 27,7 Rappen aus.

Ein typischer H4-Haushalt bezahlt damit 2026 rechnerisch rund 1247 Franken pro Jahr. Das sind etwa 58 Franken weniger als im Vorjahr und rund 199 Franken weniger als auf dem Höhepunkt von 2024.

Allerdings handelt es sich dabei um einen schweizweiten Median. Die tatsächliche Stromrechnung hängt vom Wohnort und vom zuständigen Netzbetreiber ab. In der Schweiz gibt es rund 590 Netzbetreiber, deren Tarife sich teilweise erheblich unterscheiden.

Auch der Stromverbrauch hat sich verändert

Interessant wird die Entwicklung beim Blick auf den tatsächlichen Stromverbrauch. Nach Angaben des Bundesamts für Energie lag der Endverbrauch 2021 bei 58,803 Terawattstunden.

Danach ging der Verbrauch zunächst zurück:

  • 2021: 58,803 TWh
  • 2022: 57,976 TWh
  • 2023: 56,710 TWh
  • 2024: 57,512 TWh
  • 2025: 57,970 TWh

Damit liegt der Verbrauch 2025 zwar noch unter dem Niveau von 2021. Von einem kontinuierlichen Rückgang kann aber keine Rede sein. Nach dem Tiefpunkt 2023 ist der Stromverbrauch zwei Jahre in Folge wieder gestiegen.

Billigerer Strom, höherer Verbrauch?

Genau hier wird die Entwicklung interessant. Die teuersten Stromtarife gab es 2024. Im selben Jahr begann der Stromverbrauch wieder zu steigen. 2025 setzte sich der Anstieg fort, während die Tarife gleichzeitig deutlich zurückgingen.

Das könnte darauf hindeuten, dass hohe Preise zumindest einen Teil des Verbrauchsrückgangs ausgelöst haben. Haushalte und Unternehmen könnten bei höheren Kosten sparsamer mit Strom umgehen oder energieintensive Aktivitäten zurückstellen.

Die Statistik allein beweist diesen Zusammenhang allerdings nicht. Dafür spielen zu viele andere Faktoren eine Rolle.

Auch Effizienz und Wirtschaft spielen eine Rolle

Der Stromverbrauch hängt nicht nur vom Preis ab. Eine wichtige Rolle spielen beispielsweise effizientere Geräte, energetische Sanierungen, Veränderungen in der Industrie und im Dienstleistungssektor sowie das Wetter.

Gleichzeitig verändert sich die Struktur des Stromverbrauchs. Der Ausbau der Elektromobilität erhöht beispielsweise den Strombedarf. 2025 wurden in der Schweiz für Elektromobilität einschliesslich nicht öffentlicher Fahrzeuge rund 1,414 Terawattstunden Strom eingesetzt. 2024 waren es noch 1,111 Terawattstunden.

Auch die Photovoltaik wächst stark. 2025 produzierte die Schweiz rund 7,95 Terawattstunden Solarstrom. Mehr eigene Stromproduktion bedeutet allerdings nicht automatisch weniger Stromverbrauch.

Pro Kopf wird weniger verbraucht als 2021

Ein Blick auf den Pro-Kopf-Verbrauch zeigt ebenfalls eine langfristige Veränderung. 2021 lag der durchschnittliche Stromverbrauch pro Einwohner bei rund 6755 Kilowattstunden. 2022 waren es 6605 und 2023 noch 6380 Kilowattstunden.

2024 stieg der Wert leicht auf 6386 Kilowattstunden. Auch hier zeigt sich also: Der Verbrauch ist gegenüber 2021 deutlich niedriger, aber der Rückgang verläuft nicht geradlinig.

Strompreis
Symbolbild · Bild: open AI

Was die Zahlen tatsächlich zeigen

Die Daten lassen eine klare Entwicklung erkennen: Die Stromtarife stiegen nach 2021 massiv an, erreichten 2024 ihren bisherigen Höhepunkt und gingen anschliessend wieder zurück. Gleichzeitig sank der Stromverbrauch bis 2023 und nahm danach wieder zu.

Das zeitliche Muster ist auffällig. Es wäre jedoch zu einfach, daraus abzuleiten, dass allein die Strompreise für die Entwicklung verantwortlich sind.

Sicher ist vielmehr: Die Schweiz verbraucht heute weniger Strom als 2021, obwohl der Verbrauch seit 2023 wieder wächst. Gleichzeitig sind die Stromtarife nach dem Preisschock deutlich gesunken.

Für Haushalte bleibt der Preis entscheidend

Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet die Entwicklung zunächst eine Entlastung. Ein typischer Haushalt zahlt 2026 im Median weniger für Strom als auf dem Höhepunkt 2024.

Ob die niedrigeren Preise aber tatsächlich dazu führen, dass künftig wieder deutlich mehr Strom verbraucht wird, lässt sich erst über einen längeren Zeitraum beurteilen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob Strom billiger oder teurer wird. Sie lautet auch, wie sich Energieeffizienz, Elektromobilität, Wärmepumpen, Wirtschaftsentwicklung und der Ausbau erneuerbarer Energien gleichzeitig auf den Schweizer Stromverbrauch auswirken.

Fazit

Die Schweizer Strompreise sind nach dem starken Anstieg der Jahre 2023 und 2024 wieder deutlich gesunken. Gleichzeitig steigt der Stromverbrauch seit 2023 wieder an.

Einen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Preis und Verbrauch belegen die Zahlen jedoch nicht. Sie zeigen vielmehr ein interessantes Muster: Strom ist wieder günstiger – und die Schweiz verbraucht wieder mehr. Ob das Zufall, eine Reaktion auf die Preise oder das Ergebnis mehrerer Faktoren ist, wird sich erst mit weiteren Daten zeigen.

Quellen

Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom): Stromtarife und Tarifdaten 2022–2026

Bundesamt für Energie (BFE): Schweizerische Elektrizitätsstatistik 2021–2025

Bundesamt für Energie (BFE): Gesamtenergiestatistik und Daten zu Elektromobilität und Photovoltaik

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