Jugendliche nutzen wiederverwendbare Behälter und reparieren einen Rucksack
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LifestyleRecherche16:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Green Teens: Sieben Gewohnheiten, die mehr bewirken als perfektes Recycling

Die Schweiz recycelt viel und produziert trotzdem sehr viel Abfall. Für Jugendliche liegen die grössten Hebel oft vor dem Kehrichtsack: weniger neu kaufen, länger nutzen, Essen retten.

Die Schweiz ist gut im Sammeln – und sehr gut im Wegwerfen. 2024 fielen rund 670 Kilogramm Siedlungsabfall pro Person an. Mehr als die Hälfte wurde getrennt gesammelt und recycelt. Das ist ein Erfolg, aber keine Entwarnung: Die offizielle Abfallhierarchie setzt Vermeidung und Wiederverwendung vor Recycling. Für Jugendliche bedeutet das nicht, jeden Entscheid ökologisch perfekt zu lösen. Es bedeutet, die grossen Hebel von den kleinen Gesten zu unterscheiden.

1. Die Trinkflasche ist nur gut, wenn sie lange bleibt

Eine wiederverwendbare Flasche spart Einwegverpackungen – sofern sie nicht alle paar Monate durch ein neues Trendmodell ersetzt wird. Die einfache Regel lautet: vorhandene Flasche nutzen, Wasser auffüllen, nichts Neues kaufen, solange sie dicht ist. PET-Getränkeflaschen werden in der Schweiz zwar zu über 80 Prozent gesammelt; Vermeidung spart trotzdem Herstellung und Transport.

2. Beim Znüni zuerst in den Kühlschrank schauen

Der Schweizer Konsum verursacht entlang der gesamten Wertschöpfungskette rund 2,8 Millionen Tonnen vermeidbare Lebensmittelverluste pro Jahr. Food Waste steht für etwa ein Viertel der Umweltbelastung des Ernährungssystems. Ein Restebrot, ein angeschlagener Apfel oder das Abendessen vom Vortag sind deshalb ökologisch oft wertvoller als ein neu gekauftes Produkt mit grüner Verpackung.

3. Secondhand vor «nachhaltiger Kollektion»

Vor einer Neuanschaffung helfen drei Fragen: Kann ich es ausleihen? Gibt es das gebraucht? Kann ich das Vorhandene reparieren? Das gilt für Jacken, Taschen, Sportgeräte und Elektronik. Secondhand muss nicht perfekt sein; ein bereits hergestelltes Produkt länger zu nutzen verhindert zusätzliche Produktion.

Wiederverwendbare Lunchbox, reparierter Rucksack und älteres Smartphone
Food Waste vermeiden und Produkte länger nutzen gehören zu den grösseren Hebeln im Alltag. KI-generiertes Symbolbild. · JournalPlus / KI-generiertes Symbolbild

4. Das Smartphone länger behalten

Bei Elektronik steckt ein grosser Teil der Umweltbelastung in Herstellung und Rohstoffen. Akku schützen, Hülle weiterverwenden, Speicher aufräumen und Defekte prüfen lassen verlängern die Lebensdauer. Für neue Smartphones und Tablets informiert die Energieetikette inzwischen auch über Robustheit, Akkulaufzeit und Reparierbarkeit. Ein Gerät nur wegen eines neuen Kameramodus zu ersetzen, ist selten der stärkste Nachhaltigkeitsentscheid.

5. Reparieren lernen – gemeinsam

Seit 2014 gibt es in der Schweiz Repair Cafés, in denen Freiwillige Wissen und Zeit unentgeltlich einbringen. Nicht jeder Defekt lässt sich günstig beheben, und bei Netzspannung oder beschädigten Akkus ist Selbstreparatur gefährlich. Aber ein lockerer Stecker, ein gerissener Rucksack oder ein klemmender Reissverschluss muss nicht automatisch das Ende sein.

6. Schulmaterial als Kreislauf organisieren

Ordner leeren, brauchbare Blätter als Notizpapier verwenden, Stifte aufbrauchen und Bücher weitergeben: Das wirkt unspektakulär, spart aber wiederkehrende Käufe. Klassen können am Semesterende eine Tauschbox einrichten. Wichtig ist, dass die Schule klare Regeln für Eigentum, Zustand und Hygiene festlegt.

7. Den Weg als Gewohnheit gestalten

Zu Fuss, mit Velo oder ÖV zur Schule ist nicht überall realistisch. Wo es sicher und machbar ist, wird nachhaltige Mobilität aber besonders wirksam, wenn sie Routine statt Ausnahme ist. Eine Busstation früher aussteigen oder Fahrgemeinschaften zu Trainings können Zwischenlösungen sein. Sicherheit geht vor: Sichtbarkeit, Helm und sichere Routen sind wichtiger als eine perfekte Bilanz.

Warum Recycling allein nicht reicht

Bei Kunststoff ist die Diskrepanz deutlich. In der Schweiz entstehen jährlich rund 790'000 Tonnen Kunststoffabfälle; etwa neun Prozent werden zu Rezyklaten verarbeitet, der grösste Teil energetisch verwertet. Verbrennung mit Energierückgewinnung ist geordnete Entsorgung, aber kein geschlossener Materialkreislauf.

Der stärkste «Green-Teen»-Plan ist deshalb keine lange Verbotsliste. Er besteht aus wenigen Gewohnheiten, die Geld sparen und wiederholt funktionieren: Essen zuerst aufbrauchen, Dinge teilen, Geräte länger nutzen und Abfall vermeiden. Wer vier davon dauerhaft umsetzt, bewirkt mehr als jemand, der eine Woche lang alles perfekt machen will.

Messbar wird der Plan mit einer einfachen Monatsfrage: Was musste seltener neu gekauft oder weggeworfen werden? Fotos vom Kühlschrank vor dem Einkauf, eine gemeinsame Materialkiste in der Klasse oder eine Reparaturliste zeigen Fortschritt besser als ein abstrakter CO₂-Wert. Schulen können unterstützen, indem sie Trinkwasser, Tauschmöglichkeiten und getrennte Sammlung zugänglich machen. Verantwortung bleibt damit nicht allein bei Jugendlichen, sondern wird zwischen Haushalten, Schule, Handel und Politik geteilt.

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