Schweiz06:30 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 4 Min.0 Kommentare

Jugendarbeitslosigkeit steigt im August um 19,4 Prozent

Jugendarbeitslosigkeit steigt deutlich – doch der Arbeitsmarkt bleibt stabil.

Jugendarbeitslosigkeit
Bild: openAi

Die Schweizer Arbeitslosenquote bleibt stabil, bei Jugendlichen steigt die Zahl der Arbeitslosen dagegen sprunghaft. Ende August waren 14'678 Menschen zwischen 15 und 24 Jahren bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) als arbeitslos registriert – 2'384 mehr als im Juli. Die Jugendarbeitslosenquote stieg damit um 0,6 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent. Gleichzeitig wächst die Beschäftigung insgesamt weiter und die Zahl der offenen Stellen liegt deutlich über dem Vorjahreswert.

Die wichtigsten Zahlen

  • 14'678 Jugendliche waren Ende August arbeitslos gemeldet.
  • Das sind 2'384 mehr als im Juli – ein Anstieg von 19,4 Prozent.
  • Die Jugendarbeitslosenquote stieg auf 3,4 Prozent.
  • Gegenüber August 2025 nahm die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen um 7,3 Prozent zu.
  • Die allgemeine Arbeitslosenquote blieb bei 3,0 Prozent.
  • Die RAV meldeten 43'733 offene Stellen – 15,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Jugendarbeitslosigkeit steigt deutlich stärker als die Gesamtarbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen in der Schweiz erhöhte sich im August gegenüber dem Vormonat um 2'268 Personen oder 1,6 Prozent auf 141'544. Die Arbeitslosenquote blieb damit unverändert bei 3,0 Prozent. Saisonbereinigt lag sie bei 3,1 Prozent.

Bei den 15- bis 24-Jährigen ist die Entwicklung deutlich ausgeprägter. Ihre Zahl stieg innerhalb eines Monats um 2'384 auf 14'678. Das entspricht einem Anstieg von 19,4 Prozent. Die Jugendarbeitslosenquote erhöhte sich von 2,8 auf 3,4 Prozent.

Auch im Jahresvergleich zeigt sich eine Verschlechterung: Im August 2026 waren 996 Jugendliche mehr arbeitslos gemeldet als ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Anstieg von 7,3 Prozent.

Der August-Anstieg ist allerdings nicht beispiellos

Der starke Monatsanstieg sollte nicht vorschnell als Zeichen einer neuen strukturellen Krise interpretiert werden. Bereits im August 2025 nahm die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen gegenüber Juli um 19,0 Prozent zu. Damals stieg die Jugendarbeitslosenquote ebenfalls deutlich – von 2,7 auf 3,2 Prozent.

Ein Teil der Entwicklung dürfte deshalb mit saisonalen Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt zusammenhängen. Gerade bei Jugendlichen verändert sich die Zahl der Arbeitslosen rund um den Abschluss von Ausbildungen und den Übergang in den Beruf stärker als bei anderen Altersgruppen.

Die aktuellen Zahlen zeigen deshalb vor allem eines: Der August ist für die Jugendarbeitslosigkeit ein Monat mit besonders starken Bewegungen. Ob sich daraus eine nachhaltige Verschlechterung entwickelt, lässt sich erst mit den kommenden Monaten beurteilen.

Arbeitsmarkt insgesamt bleibt widerstandsfähig

Gegen eine generelle Verschlechterung des Schweizer Arbeitsmarkts sprechen mehrere aktuelle Indikatoren. Im zweiten Quartal 2026 stieg die Gesamtbeschäftigung gegenüber dem Vorjahresquartal um 2,0 Prozent auf 5,698 Millionen Stellen. Das entspricht 111'800 zusätzlichen Stellen.

Auch bei den offenen Stellen zeigt sich kein Einbruch. Die RAV registrierten im August 43'733 offene Stellen. Zwar waren das 1'423 weniger als im Juli, gegenüber August 2025 entspricht es jedoch einem Anstieg von 15,5 Prozent.

Die Zahl der bei den Unternehmen gemeldeten offenen Stellen lag im zweiten Quartal ebenfalls über dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig berichteten 33,9 Prozent der Unternehmen von Schwierigkeiten bei der Rekrutierung qualifizierter Arbeitskräfte.

Warum gerade Jugendliche betroffen sind, bleibt offen

Die August-Statistik des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) liefert keine Erklärung dafür, warum die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen innerhalb eines Monats so stark gestiegen ist.

Auch eine regionale Aufschlüsselung der Jugendarbeitslosigkeit ist in der aktuellen Medienmitteilung nicht enthalten. Deshalb lässt sich derzeit nicht beurteilen, ob der Anstieg einzelne Regionen oder Branchen besonders stark betrifft.

Ebenso wenig lässt sich aus einem einzelnen Monatswert ableiten, ob sich der Berufseinstieg für Jugendliche dauerhaft schwieriger entwickelt. Dafür müssen die kommenden Arbeitsmarktstatistiken zeigen, ob die Zahl der Jugendarbeitslosen nach dem Sommer wieder zurückgeht oder auf dem höheren Niveau bleibt.

Offene Stellen gehen im Monatsvergleich zurück

Bei den offenen Stellen zeigte sich im August eine kurzfristige Abschwächung. Die RAV meldeten 43'733 Stellen, 3,2 Prozent weniger als im Juli.

Der Jahresvergleich fällt allerdings deutlich positiver aus: Gegenüber August 2025 wurden 5'868 zusätzliche offene Stellen registriert. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist damit trotz des monatlichen Rückgangs weiterhin höher als vor einem Jahr.

Das spricht gegen die Interpretation, dass der Schweizer Arbeitsmarkt insgesamt plötzlich einbricht. Vielmehr deutet die Statistik auf eine unterschiedliche Entwicklung innerhalb des Arbeitsmarkts hin: Die Zahl der Arbeitslosen nimmt zu, gleichzeitig bleiben zahlreiche Stellen unbesetzt.

Jugendarbeitslosigkeit
Symbolbild · Bild: openAi

Kurzarbeit weiter rückläufig

Auch bei der Kurzarbeit gibt es derzeit kein Signal für eine breit angelegte Verschlechterung. Gemäss dem neuesten verfügbaren Datenstand waren im Mai 2026 insgesamt 8'331 Personen von Kurzarbeit betroffen. Das waren 1'530 weniger als im April, ein Rückgang von 15,5 Prozent.

Die Kurzarbeitszahlen sind allerdings mit Vorsicht zu interpretieren: Wegen der Abrechnungs- und Auszahlungspraxis veröffentlicht das SECO diese Daten jeweils mit einer Verzögerung von drei Monaten.

Entscheidend sind die nächsten Monate

Die August-Zahlen enthalten damit zwei unterschiedliche Signale. Einerseits ist der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit mit 19,4 Prozent innerhalb eines Monats auffällig. Andererseits zeigt der Vergleich mit August 2025, dass ein ähnlich starker saisonaler Anstieg bereits im vergangenen Jahr zu beobachten war.

Gleichzeitig wächst die Beschäftigung insgesamt, die Zahl der offenen Stellen liegt über dem Vorjahreswert und die Unternehmen melden weiterhin Schwierigkeiten bei der Suche nach Fachkräften.

Von einer allgemeinen Krise des Schweizer Arbeitsmarkts kann deshalb aufgrund der August-Daten nicht gesprochen werden. Für Jugendliche könnte sich die Lage dennoch verschärfen. Ob dahinter vor allem saisonale Effekte oder eine längerfristige Veränderung beim Berufseinstieg stehen, wird erst der weitere Jahresverlauf zeigen.

Quellen

  • SECO: Die Lage auf dem Arbeitsmarkt, August 2026, veröffentlicht am 7. September 2026.
  • SECO: Die Lage auf dem Arbeitsmarkt, August 2025.
  • SECO/BFS: Zunahme der Beschäftigung im 2. Quartal 2026, veröffentlicht am 27. August 2026.

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