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FINMA verteidigt Kleinbankenaufsicht mit konkreten Zahlen

Kleine Banken werden deutlich seltener vor Ort kontrolliert als Grossbanken. FINMA-Direktor Stefan Walter will dennoch prüfen, wo die Aufsicht weiter proportionaler werden kann.

FINMA Kleinbankenaufsicht
Bild: openAi

Die FINMA legt Zahlen auf den Tisch

Die Kritik ist bekannt: Kleine Banken würden durch dieselben regulatorischen Anforderungen und Aufsichtsprozesse belastet wie grosse Institute, obwohl von ihnen ein deutlich geringeres Risiko für das Finanzsystem ausgehe. FINMA-Direktor Stefan Walter greift diese Kritik beim Kleinbankensymposium vom 7. September 2026 ausdrücklich auf.

«Wir hören immer wieder die Kritik, die FINMA beaufsichtige kleine Institute zu intensiv», sagte Walter. Die FINMA nehme diese Wahrnehmung ernst, denn der Aufwand einer Kontrolle falle bei einem kleinen Institut stärker ins Gewicht als bei einem grossen.

Gleichzeitig stellt Walter der Kritik konkrete Zahlen gegenüber. Bei der UBS führt die FINMA nach seinen Angaben mehr als 40 Vor-Ort-Kontrollen pro Jahr durch. Eine kleine Bank werde dagegen durchschnittlich nur alle acht bis zehn Jahre vor Ort kontrolliert.

Damit will Walter zeigen: Die Aufsicht konzentriert sich nicht auf die kleinsten Institute, sondern auf jene Banken, bei denen Grösse, Komplexität oder Risiken eine intensivere Kontrolle rechtfertigen.

Nicht nur die Grösse entscheidet

Für die FINMA ist die Grösse eines Instituts allerdings nur ein Teil der Risikobeurteilung. Entscheidend ist auch das individuelle Risikoprofil.

Das zeigt eine weitere Zahl aus Walters Referat: 2025 führte die FINMA bei Instituten mit mittlerem oder hohem Risikorating zwölfmal mehr Vor-Ort-Kontrollen durch als bei Instituten mit tiefem Risikorating.

Die Aufsicht arbeitet damit nach einem Grundsatz, den die FINMA als «same risks, same rules» bezeichnet. Entscheidend ist nicht allein, ob eine Bank klein oder gross ist, sondern welche Risiken von ihrem Geschäftsmodell und ihrer konkreten Situation ausgehen.

Das Kleinbankenregime entlastet bereits heute

Proportionalität ist für die FINMA deshalb kein neues Versprechen. Ein zentrales Instrument ist das Kleinbankenregime, das seit 2020 besteht.

Aktuell nehmen 56 Banken und Wertpapierhäuser daran teil. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Institute besonders solide kapitalisiert und liquide sind und bestimmte Risikokriterien erfüllen.

Dafür erhalten sie konkrete Erleichterungen. Unter anderem müssen sie keine risikogewichteten Aktiven berechnen und keine Net Stable Funding Ratio einhalten. Auch bei Offenlegung, Risikokontrolle und interner Revision gelten vereinfachte Vorgaben.

Die Logik dahinter ist einfach: Wenn ein kleines und stabiles Institut bestimmte aufsichtsrechtliche Ziele mit weniger Aufwand erreichen kann, soll es diesen Spielraum nutzen können.

Proportionalität bedeutet aber nicht weniger Verantwortung

Gleichzeitig zieht Walter eine klare Grenze. Eine kleinere Bilanz bedeutet nicht automatisch, dass jedes Risiko kleiner ist.

Besonders deutlich zeigt sich das bei Geldwäscherei, Marktverhalten und Sanktionen. In diesen Bereichen gelten die aufsichtsrechtlichen Anforderungen grundsätzlich unabhängig von der Grösse eines Instituts.

Auch bei Cyberrisiken und ausgelagerten Dienstleistungen können kleinere Banken besonderen Risiken ausgesetzt sein. Gerade weil kleinere Institute häufiger auf externe Technologie- und Cloud-Anbieter zurückgreifen, können Abhängigkeiten und Konzentrationsrisiken entstehen.

Für die FINMA bedeutet Proportionalität deshalb nicht, dass kleine Banken weniger Verantwortung tragen. Sie sollen ihre Risiken kennen und wirksam steuern – allerdings mit Strukturen, die zu ihrer Grösse und Komplexität passen.

Die Kritik verschwindet damit nicht

Die von Walter vorgelegten Zahlen sprechen für eine risikobasierte Aufsicht. Sie beantworten jedoch nicht jede Frage der Kleinbanken.

Denn die Belastung einer Bank entsteht nicht nur durch Vor-Ort-Kontrollen. Auch Meldepflichten, Dokumentation, interne Kontrollsysteme, regulatorische Anpassungen und die Umsetzung neuer gesetzlicher Vorgaben verursachen Kosten und binden Personal.

Genau hier liegt ein wesentlicher Teil der politischen Debatte: Selbst wenn eine kleine Bank deutlich seltener von der FINMA vor Ort kontrolliert wird, kann die Umsetzung neuer regulatorischer Anforderungen für sie im Verhältnis zur Grösse erheblich aufwendiger sein.

Die Frage der Proportionalität lässt sich deshalb nicht allein mit der Zahl der Kontrollen beantworten. Entscheidend ist auch, wie hoch der gesamte Aufwand für ein Institut ausfällt und welchen zusätzlichen Sicherheitsgewinn die einzelnen Anforderungen bringen.

FINMA Kleinbankenaufsicht
Symbolbild · Bild: openAi

Nach der Credit-Suisse-Krise steht mehr Aufsicht im Raum

Die Debatte bekommt zusätzliches Gewicht, weil der Bund nach dem Zusammenbruch der Credit Suisse die Bankenaufsicht stärken will.

Der Bundesrat beschloss im Juni 2025 unter anderem, die Kompetenzen der FINMA bei Frühinterventionen auszuweiten und ihr neue Möglichkeiten für Verwaltungssanktionen zu geben. Weitere Massnahmen betreffen die Stabilisierung und Abwicklung systemrelevanter Banken sowie die Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen.

Der politische Spagat ist damit klar: Die Schweiz will verhindern, dass eine weitere grosse Bankkrise den Staat und die Volkswirtschaft gefährdet. Gleichzeitig soll die Reaktion auf die Probleme grosser Institute nicht dazu führen, dass kleine Regional- und Kantonalbanken mit unnötigen Anforderungen belastet werden.

Walter formuliert diesen Anspruch deutlich: Die Probleme der Grossen dürften nicht zu einer Überregulierung der Kleinen führen.

Was die neuen Regeln für kleine Banken bedeuten

Für kleinere Institute bedeutet die aktuelle Entwicklung deshalb nicht, dass sie künftig von neuen Vorschriften ausgenommen werden. Entscheidend ist vielmehr, wie diese Regeln angewendet und ausgestaltet werden.

Genau hier sieht Walter Spielraum. Auch für Banken ausserhalb des Kleinbankenregimes soll die Umsetzung von Anforderungen nach Grösse, Komplexität, Geschäftsmodell und Risikoprofil differenziert werden.

Die FINMA will damit zwischen zwei Extremen unterscheiden: einer Aufsicht, die jedes Institut nach denselben Verfahren behandelt, und einer Aufsicht, die kleine Banken pauschal von Anforderungen ausnimmt.

Der eigentliche Test kommt bei neuen Risiken

Die Herausforderung dürfte künftig weniger darin liegen, ob kleine Banken grundsätzlich anders beaufsichtigt werden. Dass dies bereits geschieht, zeigen die FINMA-Zahlen.

Schwieriger wird die Frage, wie schnell die Aufsicht reagiert, wenn sich das Risikoprofil eines kleinen Instituts verändert. Geopolitische Spannungen, Cyberangriffe, Sanktionen, Abhängigkeiten von Technologieanbietern und neue Geschäftsmodelle können auch für kleine Banken relevant werden.

Ein Institut mit einer kleinen Bilanz kann deshalb durchaus ein Problem für seine Kundinnen und Kunden darstellen, auch wenn es keine systemische Bedeutung wie eine Grossbank besitzt.

Eine wirksame proportionale Aufsicht muss deshalb beides können: kleine und solide Institute entlasten – und gleichzeitig schnell eingreifen, wenn die Risiken tatsächlich steigen.

FINMA will stärker mit Daten arbeiten

Walters Auftritt zeigt zugleich, dass die FINMA ihre Aufsicht zunehmend datenbasiert begründen will. Die Behörde will nicht nur erklären, dass sie proportional arbeitet, sondern anhand ihrer Aufsichtstätigkeit zeigen, wie sich die Unterschiede zwischen den Instituten tatsächlich darstellen.

Das ist für die Kleinbankenbranche entscheidend. Denn damit verschiebt sich die Diskussion von der grundsätzlichen Forderung nach «weniger Regulierung» zu einer konkreteren Frage: Welche Aufsicht ist für welches Risiko tatsächlich notwendig?

Genau daran wird sich letztlich messen lassen, ob das Prinzip der Proportionalität funktioniert.

Keine Schonung – sondern passendere Aufsicht

Die FINMA verspricht kleinen Banken keinen Freipass. Sie legt vielmehr dar, dass sie bereits heute deutlich weniger intensiv beaufsichtigt werden als grosse Institute und dass das individuelle Risikoprofil die Aufsicht zusätzlich bestimmt.

Gleichzeitig bleibt die Kritik der Branche relevant: Regulierung verursacht auch dann Kosten, wenn keine Vor-Ort-Kontrolle stattfindet. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob kleine Banken weniger kontrolliert werden, sondern ob jeder zusätzliche regulatorische Aufwand tatsächlich durch einen entsprechenden Sicherheitsgewinn gerechtfertigt ist.

Walter hat dafür beim Kleinbankensymposium eine klare Leitlinie formuliert: Proportionalität soll nicht weniger Aufsicht bedeuten, sondern eine Aufsicht, die genauer zwischen Risiken unterscheidet.

Nach der Credit-Suisse-Krise steht die FINMA dabei vor einem schwierigen Spagat. Sie muss die Aufsicht über den Finanzplatz stärken, ohne aus den Fehlern der Grossbanken eine Belastung für Institute zu machen, von denen deutlich geringere systemische Risiken ausgehen.

Quellen

  • FINMA: «Kleinbankenaufsicht der FINMA: Proportionalität als Prinzip wirksamer Aufsicht», Referat von FINMA-Direktor Stefan Walter, 7. September 2026.
  • FINMA: «Wie gewährleistet die FINMA eine proportionale Aufsicht?»
  • FINMA: «Kat. 4 und 5 / Kleinbankenregime», aktualisiert am 24. Februar 2026.
  • Bundesrat/Eidgenössisches Finanzdepartement: «Bundesrat zieht Lehren aus Credit-Suisse-Krise und konkretisiert Massnahmen für Bankenstabilität», 6. Juni 2025.

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