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NVIDIA übertrifft Erwartungen: KI-Boom beflügelt Zahlen

Der US-Chiphersteller legt starke Quartalszahlen vor. Die Aktie dreht ins Plus. Was das für Schweizer Anleger bedeutet.

NVIDIA
Bild: Open AI

NVIDIA übertrifft Erwartungen deutlich – KI-Boom bleibt auf Hochtouren

NVIDIA hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erneut Rekordzahlen vorgelegt. Der Umsatz stieg auf 96,2 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn auf 59,7 Milliarden Dollar. Damit übertraf der US-Chipkonzern die Erwartungen der Analysten deutlich. Noch wichtiger für die Börse ist der Ausblick: NVIDIA rechnet im laufenden Quartal mit einem Umsatz von rund 108 Milliarden Dollar.

Die Zahlen zeigen, dass die Nachfrage nach Rechenleistung für Anwendungen der künstlichen Intelligenz (KI) weiterhin aussergewöhnlich hoch ist. NVIDIA profitiert davon als führender Anbieter von Prozessoren und kompletten Rechensystemen für KI-Rechenzentren.

Umsatz steigt auf 96,2 Milliarden Dollar

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte NVIDIA einen Umsatz von 96,22 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahresquartal waren es 46,74 Milliarden Dollar. Damit hat das Unternehmen seinen Umsatz innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.

Der Nettogewinn stieg von 26,42 Milliarden auf 59,69 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von rund 126 Prozent. Der Gewinn je Aktie lag nach US-GAAP bei 2,46 Dollar. Auf bereinigter Basis waren es 2,22 Dollar je Aktie.

Auch die Analystenerwartungen wurden übertroffen. Der von finanzen.net ausgewiesene Konsens lag bei rund 92,28 Milliarden Dollar Umsatz und 2,09 Dollar bereinigtem Gewinn je Aktie. NVIDIA lag damit sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis über den Prognosen.

Rechenzentren bleiben der Wachstumsmotor

Der wichtigste Geschäftsbereich ist weiterhin das Geschäft mit Rechenzentren. NVIDIA erzielte dort im zweiten Quartal einen Umsatz von 89,0 Milliarden Dollar. Das waren 117 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Damit entfällt inzwischen der weitaus grösste Teil des Konzernumsatzes auf Systeme und Prozessoren für Rechenzentren. Die Nachfrage wird vor allem durch den Ausbau grosser KI-Infrastrukturen getrieben. Cloud-Anbieter, Technologieunternehmen und KI-Entwickler investieren Milliarden in neue Rechenkapazitäten.

NVIDIA sieht dabei nicht nur das Training grosser Sprachmodelle als Wachstumstreiber. Auch die sogenannte Inferenz – also die Anwendung bereits trainierter KI-Modelle – benötigt zunehmend Rechenleistung. Hinzu kommen neue Anwendungen in Robotik, autonomen Fahrzeugen und sogenannter physischer KI.

Ausblick übertrifft ebenfalls die Erwartungen

Für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2027 erwartet NVIDIA einen Umsatz von rund 108 Milliarden US-Dollar, mit einer Schwankungsbreite von plus oder minus zwei Prozent.

Damit liegt die Prognose über den Erwartungen der Analysten. Besonders bemerkenswert ist, dass NVIDIA in seinem Ausblick keine Einnahmen aus dem Geschäft mit Data-Center-Computing in China einrechnet. Die Entwicklung der US-Exportbeschränkungen bleibt damit ein Unsicherheitsfaktor.

Die Bruttomarge soll im kommenden Quartal bei rund 74 Prozent liegen. Im abgelaufenen Quartal waren es 75 Prozent. Höhere Kosten für Speicher und andere Komponenten könnten die Profitabilität künftig stärker belasten.

Vera Rubin soll die nächste Wachstumsphase einleiten

Eine wichtige Rolle für die kommenden Quartale spielt die neue Plattform Vera Rubin. NVIDIA hat die Produktion nach eigenen Angaben inzwischen hochgefahren.

Die Architektur ist auf besonders rechenintensive KI-Anwendungen ausgelegt. Dazu gehören auch sogenannte agentische KI-Systeme, die nicht nur Antworten erzeugen, sondern selbstständig Aufgaben planen und ausführen können.

NVIDIA erwartet, dass die neue Plattform zu einem wichtigen Wachstumstreiber wird. Die Nachfrage nach Rechenleistung könnte dadurch weiter steigen.

Aktie reagiert zunächst verhalten und dreht danach ins Plus

Die Reaktion der Börse zeigt, wie hoch die Erwartungen an NVIDIA inzwischen sind. Obwohl das Unternehmen Umsatz und Gewinn deutlich über den Analystenschätzungen meldete, geriet die Aktie im nachbörslichen Handel zunächst unter Druck.

Im weiteren Verlauf drehte der Kurs jedoch deutlich ins Plus. finanzen.net berichtete zuletzt von einem Anstieg um 4,74 Prozent auf 219,53 US-Dollar im nachbörslichen Handel. Auch andere Marktberichte meldeten eine positive Reaktion auf die Zahlen und den Ausblick.

Der Kursverlauf zeigt ein wichtiges Problem für NVIDIA: Gute Zahlen allein reichen inzwischen nicht mehr. Anleger vergleichen die Ergebnisse mit extrem hohen Erwartungen. Entscheidend ist deshalb zunehmend, ob das Unternehmen die Prognosen weiter anheben kann.

Der KI-Boom bleibt der zentrale Treiber

NVIDIA-Chef Jensen Huang sieht die Entwicklung weiterhin sehr optimistisch. Die Nachfrage nach Rechenleistung nehme weiter zu, während immer mehr Unternehmen und KI-Labore eigene Anwendungen entwickeln.

Auch die Zahlen sprechen für eine weiterhin aussergewöhnlich starke Nachfrage. NVIDIA verdoppelte seinen Data-Center-Umsatz innerhalb eines Jahres nahezu und erwartet bereits im nächsten Quartal einen Konzernumsatz von rund 108 Milliarden Dollar.

Für das Geschäftsjahr 2027/28 stellt das Management zudem ein Umsatzwachstum von rund 70 Prozent in Aussicht. Sollte sich diese Prognose bewahrheiten, würde NVIDIA trotz seiner bereits enormen Unternehmensgrösse weiterhin mit einem Tempo wachsen, das für einen etablierten Technologiekonzern ungewöhnlich ist.

Doch die Risiken nehmen zu

Der starke Ausblick bedeutet nicht, dass NVIDIA ohne Risiken ist. Ein zentraler Unsicherheitsfaktor bleibt China. NVIDIA berücksichtigt in seiner aktuellen Prognose keine Einnahmen aus Data-Center-Computing in China.

Auch die Kostenentwicklung könnte die Margen belasten. Steigende Preise für Speicher und andere Komponenten setzen die Bruttomarge unter Druck. Gleichzeitig versuchen Konkurrenten wie AMD, Broadcom und andere Halbleiterunternehmen, Marktanteile im KI-Geschäft zu gewinnen.

Hinzu kommt die Frage, wie lange die enormen Investitionen in KI-Infrastruktur wirtschaftlich gerechtfertigt bleiben. Technologieunternehmen investieren derzeit Milliarden in Rechenzentren. Für NVIDIA ist entscheidend, dass daraus dauerhaft profitable KI-Anwendungen entstehen.

Bedeutung für Anleger in der Schweiz

Die NVIDIA-Zahlen sind auch für Schweizer Anleger relevant. Die Aktie gehört zu den bedeutendsten Titeln des globalen Technologiesektors und ist in zahlreichen internationalen Aktienindizes und Fonds vertreten.

Für Anlegerinnen und Anleger in der Schweiz kommt zusätzlich das Währungsrisiko hinzu. NVIDIA wird in US-Dollar gehandelt. Die Rendite eines Schweizer Investors hängt deshalb nicht nur von der Kursentwicklung der Aktie, sondern auch von der Entwicklung des US-Dollars gegenüber dem Franken ab.

Die Zahlen zeigen gleichzeitig die Chancen und Risiken des KI-Booms. NVIDIA wächst weiterhin aussergewöhnlich stark, doch die Bewertung und die Erwartungen an das Unternehmen sind entsprechend hoch. Bereits kleinere Enttäuschungen beim Wachstum, bei den Margen oder beim Ausblick können deshalb zu starken Kursbewegungen führen.

Was nun entscheidend ist

Für die kommenden Monate werden drei Punkte besonders wichtig sein: die Geschwindigkeit des Ausbaus von KI-Rechenzentren, die Einführung der Vera-Rubin-Plattform und die weitere Entwicklung des China-Geschäfts.

Dazu kommt die grundsätzliche Frage, ob die hohen Investitionen der Technologiebranche tatsächlich zu entsprechend hohen Erträgen führen. Solange die Nachfrage nach KI-Rechenleistung weiter steigt, bleibt NVIDIA einer der grössten Profiteure dieser Entwicklung.

Das zweite Quartal liefert dafür ein starkes Signal: Der KI-Boom hat bei NVIDIA bislang nicht an Kraft verloren. Die nächste Bewährungsprobe liegt nun beim Ausblick – und bei der Frage, ob das Unternehmen sein aussergewöhnliches Wachstumstempo auch mit noch grösseren Umsätzen aufrechterhalten kann.

Quellen

  • NVIDIA, «NVIDIA Announces Financial Results for Second Quarter Fiscal 2027», 26. August 2026.
  • finanzen.net, «NVIDIA-Aktie dreht ins Plus: Gewinn und Umsatz übertreffen die hohen Erwartungen», 27. August 2026.
  • Reuters, «Nvidia forecasts 70% sales growth next year, signals AI spending boom has years left to run», 26. August 2026.
  • Associated Press, «Strong AI chip demand fuels Nvidia's Q2 results well beyond Wall Street's expectations», 26. August 2026.

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