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Pensionskassen in der Schweiz: So steht es um unsere zweite Säule

Die Kassen stehen finanziell solide da – doch für Versicherte bleiben wichtige Fragen.

Pensionskasse
Bild: open AI

Die Schweizer Pensionskassen verwalteten Ende 2024 mehr als 1,2 Billionen Franken. Das Vermögen ist stark gewachsen, die finanzielle Lage hat sich verbessert. Doch die neuen Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen auch, wie stark sich die zweite Säule verändert.

Für Millionen Erwerbstätige ist die berufliche Vorsorge ein zentraler Teil ihrer Altersvorsorge. Jeden Monat fliessen Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in die Pensionskasse. Das angesparte Geld wird angelegt und soll später Einkommen im Ruhestand sichern.

Die neue Pensionskassenstatistik des Bundesamts für Statistik (BFS) ermöglicht einen langfristigen Blick auf diese Entwicklung. Sie umfasst die Jahre 2012 bis 2024. Die aktuellsten Ergebnisse zeigen dabei ein System, das finanziell deutlich stärker dasteht als noch vor wenigen Jahren – aber auch vor strukturellen Herausforderungen steht.

1,22 Billionen Franken in der zweiten Säule

Ende 2024 belief sich die Bilanzsumme der 1292 erfassten Vorsorgeeinrichtungen auf 1220,6 Milliarden Franken. Im Vorjahr waren es 1129,1 Milliarden Franken gewesen. Gleichzeitig waren rund 4,79 Millionen Menschen aktiv versichert. Dazu kamen rund 1,37 Millionen Leistungsbeziehende.

Das Wachstum des Pensionskassenvermögens verlief allerdings nicht geradlinig. Die Entwicklung hängt stark von den Finanzmärkten ab. 2022 führte das schlechte Anlagejahr zu erheblichen Verlusten. 2023 und insbesondere 2024 folgte eine deutliche Erholung.

2024 erzielten die Vorsorgeeinrichtungen im Durchschnitt eine Netto-Vermögensperformance von 7,4 Prozent. Das schlug direkt auf ihre finanzielle Situation durch. Der durchschnittliche Deckungsgrad stieg von 110,3 Prozent Ende 2023 auf 114,7 Prozent Ende 2024.

Fast alle Kassen waren Ende 2024 gedeckt

Der Deckungsgrad zeigt vereinfacht, wie viel Vermögen einer Pensionskasse ihren versicherungstechnischen Verpflichtungen gegenübersteht. Liegt er unter 100 Prozent, spricht man grundsätzlich von einer Unterdeckung.

Ende 2024 waren lediglich 0,8 Prozent der Vorsorgeeinrichtungen in Unterdeckung. Ein Jahr zuvor waren es noch 7 Prozent gewesen. Die durchschnittliche finanzielle Lage der Pensionskassen hatte sich damit deutlich verbessert.

Das ist eine gute Nachricht für das Vorsorgesystem. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass jede einzelne Pensionskasse finanziell gleich gut dasteht. Die Situation unterscheidet sich je nach Kasse, Risikostruktur, Anlagepolitik und Zusammensetzung der Versicherten.

Aktien werden wichtiger

Ein Blick auf die Anlagen zeigt, wie stark die Pensionskassen auf die Entwicklung der Finanzmärkte angewiesen sind. Ende 2024 entfielen 31,6 Prozent der grössten Anlagepositionen auf Aktien. Obligationen machten 26,9 Prozent und Immobilien 21,9 Prozent aus.

Das erklärt auch die starken Schwankungen von Jahr zu Jahr. Steigen die Aktienmärkte, kann das Vorsorgevermögen kräftig wachsen. Fallen die Kurse, kann sich die finanzielle Lage innerhalb eines Jahres deutlich verschlechtern.

Für die Versicherten bedeutet das: Ein grosser Teil ihres Alterskapitals ist indirekt den Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten ausgesetzt. Gleichzeitig verfügen Pensionskassen über langfristige Anlagehorizonte und können deshalb Marktschwankungen grundsätzlich besser verkraften als kurzfristig orientierte Anleger.

Immer weniger Pensionskassen

Eine weitere Entwicklung fällt über längere Zeit auf: Die Zahl der Vorsorgeeinrichtungen nimmt ab, während die Zahl der Versicherten steigt. Der Konzentrationsprozess setzt sich damit fort.

Bereits 2022 hatte das BFS festgestellt, dass auf eine Vorsorgeeinrichtung durchschnittlich 3415 aktive Versicherte kamen. Zehn Jahre zuvor waren es 1861 gewesen. Gleichzeitig gehörten immer mehr Versicherte grossen Einrichtungen an.

Der Trend bedeutet nicht automatisch, dass kleinere Pensionskassen schlecht wirtschaften. Zusammenschlüsse können jedoch Grössenvorteile schaffen und Verwaltungskosten reduzieren. Gleichzeitig werden grosse Vorsorgeeinrichtungen systemisch bedeutender und müssen ihre Risiken entsprechend sorgfältig steuern.

Was bedeutet das für die eigene Rente?

Hier wird es für die Versicherten komplizierter. Ein hoher Deckungsgrad der Pensionskasse bedeutet nicht automatisch eine hohe persönliche Rente.

Entscheidend sind unter anderem das angesparte Altersguthaben, die Verzinsung, die Beiträge des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers sowie die Bedingungen des jeweiligen Vorsorgereglements. Bei einer Pensionierung spielt zudem der Umwandlungssatz eine zentrale Rolle. Er bestimmt, wie viel jährliche Rente aus dem vorhandenen Alterskapital entsteht.

Gerade hier haben sich die Bedingungen in den vergangenen Jahren verändert. Viele Pensionskassen haben ihre Umwandlungssätze gesenkt. Hintergrund sind unter anderem die steigende Lebenserwartung und die langfristig veränderten Zinsbedingungen.

Das bedeutet: Selbst wenn eine Pensionskasse finanziell gesund ist, kann die erwartete Rente eines jüngeren Versicherten tiefer ausfallen als jene früherer Generationen – insbesondere wenn sich die Vorsorgebedingungen der jeweiligen Kasse verändern.

2024 war ein gutes Jahr – aber keine Garantie

Die aktuellen Zahlen dürfen deshalb nicht als endgültige Entwarnung interpretiert werden. Die gute finanzielle Lage Ende 2024 war stark von den positiven Anlageergebnissen geprägt.

Das zeigt auch der Blick auf die vergangenen Jahre. Nach dem starken Einbruch der Finanzmärkte 2022 verschlechterten sich die Deckungsgrade deutlich. Danach setzte eine Erholung ein. Die Pensionskassen müssen deshalb weiterhin genügend Reserven aufbauen, um auch schlechtere Börsenjahre überstehen zu können.

Die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) meldete für Ende 2025 bereits eine weitere Verbesserung: Der durchschnittliche Deckungsgrad stieg bei Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie und ohne Vollversicherungslösung auf 117,1 Prozent. Die durchschnittliche Netto-Vermögensperformance lag 2025 bei 6,1 Prozent.

Diese Zahlen stammen allerdings aus einer anderen Erhebung als die BFS-Pensionskassenstatistik und sollten deshalb nicht direkt miteinander gleichgesetzt werden.

Die grosse Herausforderung kommt erst noch

Langfristig steht die zweite Säule vor einer schwierigen Aufgabe: Die Bevölkerung wird älter, während die Zahl der Rentnerinnen und Rentner zunimmt. Gleichzeitig müssen die Pensionskassen ihre Anlagen so gestalten, dass sie genügend Rendite erzielen, ohne unverhältnismässige Risiken einzugehen.

Hinzu kommt die politische Frage, wie die berufliche Vorsorge künftig ausgestaltet werden soll. Dabei geht es um Mindestleistungen, Umwandlungssätze, die Finanzierung und die Frage, wie stark die berufliche Vorsorge zwischen den Generationen umverteilen soll.

Die neuen BFS-Daten liefern dafür eine wichtige Grundlage. Sie zeigen vor allem, dass die zweite Säule heute über enorme finanzielle Mittel verfügt und Ende 2024 insgesamt solide dastand.

Für die einzelne Arbeitnehmerin und den einzelnen Arbeitnehmer ist aber eine andere Zahl entscheidend: nicht die Bilanzsumme aller Pensionskassen, sondern das persönliche Altersguthaben und die Bedingungen der eigenen Vorsorgeeinrichtung.

Wer wissen will, wie gut die eigene Altersvorsorge tatsächlich aussieht, sollte deshalb nicht nur auf die Schlagzeilen über die Pensionskassen schauen, sondern auf den persönlichen Vorsorgeausweis. Dort stehen die Beiträge, das angesparte Alterskapital und die voraussichtlichen Leistungen im Ruhestand.

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