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Shein: Bewertung bricht vor Börsengang ein

Modehändler will nach Hongkong – doch die Bewertung sinkt

Shein
Bild: appshunter.io / Unsplash

Der chinesische Online-Modehändler Shein plant den Gang an die Börse in Hongkong. Medienberichten zufolge sind die Pläne für einen Börsengang, insbesondere hinsichtlich Zeitpunkt und Ort, weiterhin dynamisch und unsicher. Die Bewertung des Unternehmens ist zuletzt deutlich gesunken: Galt Shein 2022 noch als 100 Milliarden Dollar schwer, schätzen Finanzkreise den Wert heute auf 60 bis 70 Milliarden Dollar. Der Schritt nach Hongkong ist eine Kehrtwende. Lange strebte das Unternehmen einen Börsengang in den USA an. Doch die Pläne scheiterten an regulatorischen Hürden und politischem Druck. Auch London war im Gespräch. Hongkong bietet einen einfacheren Zugang zum Kapitalmarkt und weniger strenge Auflagen als die Wall Street. Gegründet 2008 in China, nutzt Shein ein datengetriebenes Modell: Innerhalb weniger Tage entscheidet die Nachfrage, welche Kleidungsstücke in welcher Anzahl produziert werden. Das ermöglicht extrem tiefe Preise, führt aber zu ständig neuen Kollektionen und einem hohen Ressourcenverbrauch.

Vom Höhenflug zum Realitätscheck

Der Bewertungsrückgang hat mehrere Gründe. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China belastet das Geschäftsmodell. Shein verkauft preisgünstige Kleidung, die zum grossen Teil in China produziert wird. Die USA diskutieren die Abschaffung der Zollbefreiung für Kleinsendungen unter 800 Dollar, diese ist jedoch weiterhin in Kraft. Das trifft Shein direkt. Medienberichten zufolge macht ein Grossteil der Sendungen der Plattform vom US-Markt aus. Hinzu kommt die Konkurrenz durch die Plattform Temu, die ebenfalls aus China stammt. Beide kämpfen um dieselbe Kundschaft. Die Marketingausgaben steigen, die Margen sinken. Analysten rechnen mit einem langsameren Wachstum als in den Vorjahren.

Auch regulatorische Auflagen belasten. In der EU und den USA wird Shein wegen mutmasslich schlechter Arbeitsbedingungen in der Lieferkette kritisiert. Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe und verweist auf Kontrollen. Zudem drohen strengere Regeln für den Onlinehandel, etwa bei der Entsorgung von Retouren und der Kennzeichnung von Produkten. Shein hat das On-Demand-Modell perfektioniert: Kleine Produktionschargen reduzieren Lagerbestände und Kosten. Doch die Schnelllebigkeit der Mode führt zu Kritik an der Umweltbilanz.

Das Geschäftsmodell hat in den vergangenen Jahren Milliarden an Risikokapital angezogen. Zu den Geldgebern zählen grosse US-Fonds und institutionelle Anleger aus dem Nahen Osten. Diese Investoren drängen auf einen Börsengang, um ihre Anteile zu Geld zu machen. Die gesunkene Bewertung ist für sie entsprechend schmerzhaft. Einige Fonds dürften auf einen Aufschwung nach dem Gang an die Börse warten.

Risiken für Anleger bleiben hoch

Ein Börsengang in Hongkong könnte Shein frisches Kapital bescheren. Doch die Risiken für Anleger sind erheblich. Neue Zölle oder gar ein Importverbot in einzelnen Ländern würden das Geschäft hart treffen. Shein müsste seine Produktion stärker diversifizieren – ein kostspieliges und langwieriges Unterfangen. In Branchenkreisen wird bezweifelt, dass Shein die hohen Wachstumsraten der Vergangenheit fortsetzen kann. Die Zeiten, in denen Investoren für Wachstum jeden Preis zahlten, seien vorbei. Shein müsse nun Profitabilität nachweisen. Das dürfte angesichts des Preiskampfs mit Temu eine Herausforderung sein.

Zudem verlangen die Börsenaufsichten in Hongkong zunehmend transparente Angaben zu Lieferketten und Eigentümerstruktur. Shein hat seinen Hauptsitz in Singapur, ist aber weiterhin eng mit dem chinesischen Festland verbunden. Auch das könnte Anleger verunsichern.

Beliebte Plattform, umstrittene Praktiken

Auch in der Schweiz ist Shein präsent. Die App gehörte in den letzten Jahren zu den meistgeladenen Shopping-Apps. Beliebte Produkte sind Kleider, Accessoires und Haushaltsartikel. Die tiefen Preise haben jedoch ihren Preis. Konsumentenschützer fordern mehr Transparenz über die Herkunft der Produkte und die Arbeitsbedingungen in den Fabriken. Zudem sind vielen Schweizerinnen und Schweizern die Hintergründe der Billigproduktion wenig bekannt.

Die Schweizer Zollbehörden haben sich in der Vergangenheit mit der wachsenden Zahl von Kleinsendungen befasst.

Ob der Börsengang in Hongkong gelingt, ist ungewiss. Shein muss die dortige Börsenaufsicht überzeugen. Der Zeitplan ist ambitioniert. Für Anleger gilt: Der Aktienkurs dürfte auch nach dem Börsengang stark schwanken. Mit einem stabilen Investment ist vorerst nicht zu rechnen. Der Ausgang wird auch davon abhängen, wie sich der Handelskonflikt zwischen den USA und China entwickelt. Eine Entspannung würde Shein helfen, eine Eskalation dürfte die Aktie belasten. Die genauen Bedingungen des Börsengangs sind noch nicht bekannt.

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