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Fed wird strenger: Was Warshs Kurs für die Schweiz bedeutet

Was ein strengerer Fed-Kurs für die Schweiz bedeutet.

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Bild: open AI

Der neue Fed-Chef Kevin Warsh hat in Jackson Hole deutlich gemacht, dass er die Inflation in den USA nicht einfach laufen lassen will. Eine Zinserhöhung ist damit wieder wahrscheinlicher geworden. Für die Schweiz ist das relevant: Ein stärkerer Dollar, veränderte Kapitalströme und eine mögliche Abschwächung der US-Konjunktur wirken auch auf Franken, Exporte und die Schweizerische Nationalbank.

Die Rede von Kevin Warsh war mit Spannung erwartet worden. Zum ersten Mal legte der neue Vorsitzende der US-Notenbank seine geldpolitischen Grundsätze ausführlicher dar. Sein Signal war klarer als bei früheren Auftritten: Die Inflation in den USA ist ihm noch zu hoch. Sollte sie sich nicht ausreichend schnell dem Ziel von zwei Prozent nähern, müsse die Fed handeln.

Eine konkrete Zinserhöhung kündigte Warsh allerdings nicht an. Die Fed müsse sich an den aktuellen Wirtschaftsdaten orientieren, betonte er. Der Leitzins liegt derzeit bei 3,50 bis 3,75 Prozent.

Die Inflation bleibt das Problem

Warsh sieht die US-Wirtschaft derzeit in einer vergleichsweise robusten Verfassung. Der Arbeitsmarkt sei stabil, der Konsum entwickle sich solide. Gleichzeitig bleibt die Teuerung deutlich über dem Ziel der Fed.

Der von der Fed bevorzugte Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben, der PCE-Index, lag zuletzt bei 3,7 Prozent. Damit ist die Inflation fast doppelt so hoch wie das Ziel von zwei Prozent. Warsh machte deshalb deutlich, dass die Preisstabilität für ihn derzeit das dringendere Problem ist.

Seine Botschaft an die Finanzmärkte lautet damit: Mit schnellen Zinssenkungen sollten Anleger vorerst nicht rechnen. Sollte sich die Inflation als hartnäckiger erweisen, ist sogar eine weitere Straffung der Geldpolitik möglich.

Der Dollar wird attraktiver

Die Finanzmärkte reagierten entsprechend. Nach Warshs Rede stiegen die Erwartungen an eine Zinserhöhung. Gleichzeitig legten die Renditen amerikanischer Staatsanleihen und der Dollar zu. Für Anleger wird der Dollar attraktiver, wenn US-Anlagen höhere Zinsen abwerfen.

Für die Schweiz ist das zunächst eine gute Nachricht für viele exportorientierte Unternehmen. Ein stärkerer Dollar verbessert bei unveränderten Preisen die Wettbewerbsposition Schweizer Firmen auf dem amerikanischen Markt. Das betrifft unter anderem Pharmaunternehmen, Maschinenbauer und andere exportorientierte Branchen.

Die USA sind für die Schweiz von besonderer Bedeutung. Sie sind der wichtigste Absatzmarkt für Schweizer Waren und nach der Europäischen Union der zweitgrösste Handelspartner des Landes. Zudem sind die Vereinigten Staaten ein bedeutender Standort für Schweizer Direktinvestitionen.

Für Konsumenten hat der starke Dollar auch eine Kehrseite

Ein stärkerer Dollar verteuert gleichzeitig Waren und Rohstoffe, die in US-Dollar gehandelt werden. Dazu gehören insbesondere Erdöl und andere Rohstoffe. Für Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten kann das deshalb höhere Importpreise bedeuten.

Der Effekt auf die Schweizer Teuerung dürfte allerdings nicht automatisch gross sein. Die Schweiz verfügt mit dem Franken über eine starke eigene Währung. Zudem ist die Schweizer Inflation derzeit niedrig. Die Schweizerische Nationalbank rechnete im Juni trotz der höheren Energiepreise für 2026 mit einer durchschnittlichen Inflation von 0,6 Prozent.

Die SNB hat ein anderes Problem als die Fed

Damit unterscheiden sich die Ausgangslagen in Washington und Zürich erheblich. Die Fed kämpft mit einer Inflation von deutlich über drei Prozent. Die SNB dagegen versucht vor allem zu verhindern, dass der Franken zu stark aufwertet und dadurch die Schweizer Wirtschaft und die Preisentwicklung belastet.

Der SNB-Leitzins liegt derzeit bei null Prozent. Gleichzeitig hat die Nationalbank ihre Bereitschaft erhöht, bei Bedarf am Devisenmarkt einzugreifen. Sie will damit einer raschen und übermässigen Aufwertung des Frankens entgegenwirken.

Ein strengerer Kurs der Fed könnte der SNB deshalb sogar etwas Luft verschaffen. Steigen die US-Zinsen und wird der Dollar attraktiver, nimmt der Aufwertungsdruck auf den Franken gegenüber dem Dollar tendenziell ab. Das ist für die Schweizerische Nationalbank angenehmer, als wenn Anleger in unsicheren Zeiten massenhaft in den Franken flüchten.

Doch ein höherer US-Zins hat einen zweiten Effekt

Die Sache ist allerdings komplizierter. Höhere US-Zinsen verteuern Kredite in der grössten Volkswirtschaft der Welt. Wenn Unternehmen und Haushalte weniger investieren und konsumieren, kann sich die US-Konjunktur abkühlen.

Das wäre für Schweizer Exporteure die Kehrseite des stärkeren Dollars. Ein günstigerer Franken gegenüber dem Dollar hilft zwar bei der Wettbewerbsfähigkeit. Wenn amerikanische Unternehmen und Konsumenten gleichzeitig weniger ausgeben, sinkt aber die Nachfrage nach importierten Produkten.

Für die Schweizer Wirtschaft kommt es deshalb auf die Kombination an: Ein stärkerer Dollar kann kurzfristig helfen, eine schwächere US-Konjunktur langfristig aber belasten.

Warsh verändert auch die Kommunikation der Fed

Neben der Zinsfrage setzt Warsh auf einen anderen Stil. Er will die sogenannte «Forward Guidance» zurückfahren. Die Fed soll den Märkten weniger früh signalisieren, welchen Zinspfad sie erwartet. Stattdessen will Warsh stärker auf aktuelle Wirtschafts- und Finanzmarktdaten reagieren.

Für die Finanzmärkte bedeutet das mehr Unsicherheit. Anleger können sich weniger darauf verlassen, dass die Notenbank einen einmal angekündigten Kurs tatsächlich beibehält. Warsh argumentiert dagegen, dass eine Notenbank dadurch flexibler werde und weniger Gefahr laufe, sich selbst auf einen falschen Kurs festzulegen.

Was bedeutet das für die Schweiz?

Für Schweizerinnen und Schweizer dürfte Warshs Kurs zunächst vor allem über den Wechselkurs und die Finanzmärkte spürbar werden. Ein stärkerer Dollar kann Reisen in die USA, amerikanische Produkte und bestimmte Rohstoffe verteuern. Schweizer Exporteure erhalten dagegen Rückenwind.

Entscheidend wird sein, wie lange die US-Zinsen hoch bleiben. Bleibt die amerikanische Inflation hartnäckig, könnte die Fed die Zinsen weiter erhöhen. Sinkt die Teuerung dagegen deutlich, könnte sich der Druck auf Warsh wieder reduzieren.

Für die SNB bedeutet die neue Fed-Politik deshalb keinen unmittelbaren Handlungsauftrag. Sie verfolgt weiterhin ihre eigenen Ziele und die wirtschaftliche Entwicklung in der Schweiz. Ihre nächste geldpolitische Lagebeurteilung ist für den 24. September angesetzt.

Die wichtigste Erkenntnis aus Jackson Hole ist deshalb nicht, dass eine Zinserhöhung der Fed bereits beschlossen wäre. Sie lautet vielmehr: Kevin Warsh will die Inflation wieder stärker ins Zentrum der amerikanischen Geldpolitik rücken. Für die Schweiz könnte das einen stärkeren Dollar und etwas weniger Aufwertungsdruck auf den Franken bedeuten – gleichzeitig aber auch höhere Importpreise und eine mögliche Abkühlung der US-Nachfrage.

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