ZiviConnect: Der Zivildienst wird digital – und steht vor weiteren Veränderungen
Neues Online-Portal für Zivildienstleistende

Der Papierkram rund um den Zivildienst verschwindet Schritt für Schritt. Mit ZiviConnect hat der Bund eine zentrale digitale Plattform geschaffen, über die Zivildienstleistende, Einsatzbetriebe und Behörden miteinander verbunden sind. Das System ist bereits seit Ende 2024 in Betrieb. Nun wird es laufend erweitert – während gleichzeitig neue Regeln für den Zivildienst anstehen.
Wer seinen Zivildienst organisiert, kennt das Problem: Einsatz suchen, Gesuche einreichen, Dokumente verwalten, Diensttage melden. Was früher über verschiedene Kanäle und teilweise auf Papier lief, soll zunehmend an einem Ort stattfinden. Dieser Ort heisst ZiviConnect.
Das Bundesamt für Zivildienst (ZIVI) nahm die neue Fachanwendung am 9. Dezember 2024 in Betrieb. Sie löste das bisherige System E-ZIVI ab und verbindet Zivildienstleistende, Einsatzbetriebe und Behörden. Rund 30'000 Nutzerinnen und Nutzer sollen davon profitieren. Der Bund verfolgt damit das Ziel, die Abläufe ohne Medienbrüche – also ohne ständigen Wechsel zwischen Papier, E-Mail und verschiedenen Systemen – abzuwickeln.
Der digitale Zivildienst ist bereits Realität
Anders als es zunächst den Anschein machen könnte, handelt es sich bei ZiviConnect nicht um ein Portal, das erst 2027 startet. Die Plattform ist bereits heute verfügbar. Seit ihrer Einführung wurden schrittweise neue Funktionen ergänzt.
Zivildienstleistende können sich über das System unter anderem für einen Einsatz organisieren sowie Gesuche um Dienstverschiebung oder Auslandurlaub digital erfassen. Auch Einsatzbetriebe verwalten ihre Pflichtenhefte und melden Diensttage über die Plattform.
Weitere Funktionen befinden sich weiterhin in Entwicklung. Dazu gehört unter anderem die elektronische Einsatzvereinbarung. Der Bund baut ZiviConnect damit Schritt für Schritt zu einer zentralen digitalen Drehscheibe des Zivildienstes aus.
Weniger Papier, weniger Umwege
Für die Zivis klingt das zunächst unspektakulär. Im Alltag kann die Umstellung jedoch einen Unterschied machen. Wer ein Gesuch stellen oder einen Einsatz organisieren muss, soll dies möglichst direkt online erledigen können.
Auch die Reiseorganisation wurde digitaler. Für Einsätze ab 2026 erhalten Zivildienstleistende bei entsprechendem Anspruch ein SBB-E-Ticket über das digitale Verfahren, anstatt wie früher spezielle Papier- oder PDF-Billette zu verwenden.
Seit Juni 2026 wird zudem die bisher papierbasierte EO-Meldekarte schrittweise durch ein digitales Verfahren über das EO-Portal der Zentralen Ausgleichsstelle ersetzt. Damit verschwindet ein weiterer Papierprozess aus dem administrativen Alltag der Zivis.
Auch die Einsatzbetriebe müssen digitaler werden
ZiviConnect verändert nicht nur die Seite der Zivildienstleistenden. Auch Institutionen, die Zivis beschäftigen, müssen ihre Informationen digital pflegen.
Sie können ihre Pflichtenhefte über die Plattform verwalten und festlegen, für welche Tätigkeiten, Standorte und Voraussetzungen ein Einsatz geeignet ist. Damit Zivis die Angebote finden können, müssen die Betriebe ihre verfügbaren Einsatzplätze aktiv erfassen und veröffentlichen.
Das soll die Suche nach einem passenden Einsatz vereinfachen. Gleichzeitig bleibt eine wichtige Verantwortung bei den Zivis: Sie müssen grundsätzlich selbst einen geeigneten Einsatzplatz finden und die notwendigen Vereinbarungen fristgerecht einreichen.
Digitalisierung bringt neue Anforderungen
Wo immer mehr persönliche Informationen digital zusammengeführt werden, gewinnt der Datenschutz an Bedeutung. ZiviConnect verarbeitet unter anderem Personendaten von Zivildienstpflichtigen. Das ZIVI ist für die Datenbearbeitung verantwortlich.
Die entsprechende Verordnung legt fest, welche Stellen auf welche Daten zugreifen dürfen. Gleichzeitig müssen Behörden und beteiligte Institutionen technische und organisatorische Massnahmen treffen, um die Daten vor Verlust, Diebstahl und unbefugtem Zugriff zu schützen.
Für die Nutzerinnen und Nutzer bedeutet die Digitalisierung deshalb nicht nur mehr Komfort. Sie setzt auch voraus, dass die digitale Infrastruktur zuverlässig funktioniert und persönliche Daten sicher behandelt werden.
2027 wird für den Zivildienst ein wichtiges Jahr
Die Digitalisierung fällt in eine Zeit, in der sich der Zivildienst auch politisch verändert.
Der Bundesrat hat im Juni 2026 Änderungen der Zivildienstverordnung beschlossen, die grundsätzlich am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Vorgesehen sind unter anderem strengere Anforderungen an bestimmte Einsätze, Anpassungen bei der Ausbildung sowie eine höhere Abgabe für Einsatzbetriebe.
Neu sollen beispielsweise Einsätze in den Bereichen Informatik, Personalwesen, Kommunikation, Marketing und Gastronomie grundsätzlich ausgeschlossen sein. Gleichzeitig werden die Anforderungen an Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz verschärft.
Für die Einsatzbetriebe bedeutet dies zusätzliche Anpassungen. Die Abgabe auf dem Grundtarif wird zudem um 7,5 Prozent pro Diensttag erhöht. Der Bund begründet dies mit der Entwicklung der Löhne und dem Ziel, die Arbeitsmarktneutralität der Zivildiensteinsätze zu gewährleisten.
Zwischen Digitalisierung und strengeren Regeln
Damit erlebt der Zivildienst zwei Entwicklungen gleichzeitig: Die Verwaltung wird einfacher und digitaler, während der gesetzliche Rahmen in einzelnen Bereichen strenger wird.
Für die Schweiz ist das relevant, weil der Zivildienst längst mehr ist als eine administrative Alternative zum Militärdienst. Zivildienstleistende arbeiten unter anderem im Sozialwesen, im Gesundheitsbereich, in Schulen sowie im Umwelt- und Naturschutz. Ihre Einsätze leisten damit einen konkreten Beitrag in Bereichen, in denen viele Institutionen auf zusätzliche Unterstützung angewiesen sind.
Eine moderne digitale Verwaltung kann helfen, diese Einsätze effizienter zu organisieren. Entscheidend ist aber nicht, wie modern die Plattform aussieht. Entscheidend ist, ob ein Zivi tatsächlich schneller einen passenden Einsatz findet, ein Betrieb weniger administrativen Aufwand hat und Behörden Gesuche effizienter bearbeiten können.
Der Praxistest läuft bereits
ZiviConnect ist deshalb weniger ein Zukunftsprojekt als ein laufender Umbau der Verwaltung. Seit der Einführung Ende 2024 sind bereits mehrere Funktionen hinzugekommen, weitere sollen folgen.
Die Richtung ist klar: Der Bund will den Zivildienst möglichst durchgehend digital verwalten. Für die Nutzer bedeutet das weniger Papier und mehr Online-Dienste. Für den Staat bedeutet es gleichzeitig die Herausforderung, eine zentrale digitale Infrastruktur zuverlässig zu betreiben und die sensiblen Daten zu schützen.
Ob ZiviConnect am Ende tatsächlich Zeit und Kosten spart, wird sich nicht an der Zahl der digitalen Funktionen entscheiden, sondern daran, ob die Abläufe für jene einfacher werden, die sie täglich nutzen.
Stand: 31. August 2026. ZiviConnect wird laufend weiterentwickelt.



