Deutschland verbietet Alkohol an Bahnhöfen – braucht die Schweiz das auch?
Die Deutsche Bahn will Alkohol bis Mitte Oktober an allen rund 5400 Bahnhöfen verbieten. Weniger Gewalt und mehr Sicherheit sind die Ziele – doch die Schweiz verfolgt bislang einen anderen Ansatz.

Die Deutsche Bahn weitet ihr Alkoholkonsumverbot auf alle rund 5400 Bahnhöfe aus. Weniger Gewalt, weniger Konflikte und mehr Sicherheit sind die Ziele. In der Schweiz gilt bereits heute ein anderer Ansatz.
Wer künftig an einem deutschen Bahnhof ein Bier trinken will, muss sich einen anderen Ort suchen. Die Deutsche Bahn weitet ihr bestehendes Alkoholkonsumverbot schrittweise aus. Ab dem 1. September 2026 gilt es an vier weiteren Bahnhöfen, darunter Berlin Hauptbahnhof, Berlin-Gesundbrunnen, Kiel und Braunschweig. Bis zum 15. Oktober soll das Verbot an allen rund 5400 Bahnhöfen in Deutschland gelten.
Warum verbietet die Bahn Alkohol?
Die Deutsche Bahn begründet den Schritt vor allem mit Sicherheitsproblemen. Alkohol könne Konflikte und Auseinandersetzungen begünstigen und das Sicherheitsgefühl von Reisenden und Mitarbeitenden beeinträchtigen. Gleichzeitig soll der Reinigungsaufwand sinken.
Die Bahn verweist auf Erfahrungen aus bisherigen Modellprojekten. Besonders am Hamburger Hauptbahnhof habe sich gezeigt, dass nach Einführung des Verbots weniger Müll anfiel und Konflikte sowie Auseinandersetzungen unter Alkoholeinfluss zurückgingen. Die Deutsche Bahn sieht darin einen positiven Effekt des Verbots.
Allerdings lässt sich daraus nicht automatisch ableiten, dass allein das Alkoholverbot für den Rückgang verantwortlich ist. Auch Polizeipräsenz, Sicherheitsmassnahmen und andere Veränderungen können eine Rolle spielen.
Was ist in Deutschland künftig verboten?
Das Verbot betrifft den Konsum von Alkohol auf dem Bahnhofsgelände. Alkohol darf grundsätzlich weiterhin mitgeführt werden. Auch Restaurants und andere gastronomische Betriebe in den Bahnhöfen sind vom Konsumverbot ausgenommen.
Wer gegen die Regeln verstösst, muss mit einem Platzverweis rechnen. Bei wiederholten Verstössen kann auch ein Hausverbot ausgesprochen werden. Die Deutsche Bahn setzt dabei auf die Präsenz von DB Sicherheit und Polizei.
Und wie sieht es in der Schweiz aus?
Die Schweiz verfolgt derzeit einen deutlich anderen Ansatz. Ein generelles Alkoholverbot an SBB-Bahnhöfen gibt es nicht. Ein Bier oder ein Glas Wein zu trinken, ist dort grundsätzlich nicht verboten.
Die SBB-Bahnhofordnung setzt allerdings eine klare Grenze: Übermässiger Alkoholkonsum sowie der Aufenthalt in offensichtlich betrunkenem Zustand sind auf dem Bahnhofareal nicht gestattet.
Damit richtet sich die Regel nicht gegen den Alkohol selbst, sondern gegen problematisches Verhalten. Wer stark alkoholisiert ist oder andere Reisende stört, kann von einem Bahnhof weggewiesen werden.
Zwei unterschiedliche Ansätze
Der Unterschied zwischen Deutschland und der Schweiz ist damit deutlich: Deutschland will den Alkoholkonsum am Bahnhof grundsätzlich unterbinden. Die Schweiz erlaubt Alkohol, greift aber bei übermässigem Konsum und offensichtlicher Trunkenheit ein.
Beide Modelle verfolgen letztlich ein ähnliches Ziel: Bahnhöfe sollen sichere Orte für Reisende und Mitarbeitende bleiben. Die Frage ist jedoch, welcher Weg dafür besser funktioniert.
Ein generelles Verbot ist einfacher zu verstehen und könnte Konflikte bereits im Vorfeld verhindern. Gleichzeitig muss es kontrolliert und durchgesetzt werden. Ein strengerer Ansatz gegen betrunkenes oder aggressives Verhalten ist dagegen gezielter, lässt aber weiterhin Alkohol für all jene zu, die sich unauffällig verhalten.
Braucht die Schweiz ein Alkoholverbot?
Ob die Schweiz dem deutschen Beispiel folgen sollte, lässt sich derzeit nicht allein anhand der verfügbaren Daten beantworten. Dafür müsste zunächst genauer untersucht werden, wie häufig Alkohol an Schweizer Bahnhöfen tatsächlich zu Gewalt, Belästigungen oder anderen Problemen führt.
Ein weiterer Punkt ist die mögliche Verlagerung: Wird das Trinken im Bahnhof verboten, könnten sich alkoholisierte Personen auf Plätze und Strassen rund um den Bahnhof zurückziehen. Dann würde sich das Problem möglicherweise nur an einen anderen Ort verschieben.
Für die Schweiz stellt sich deshalb eine grundsätzliche Frage: Braucht es ein Verbot für alle – oder reicht es, gegen diejenigen vorzugehen, bei denen Alkohol tatsächlich zum Problem wird?
Deutschland setzt nun auf die erste Variante und will den Alkoholkonsum flächendeckend aus seinen Bahnhöfen verbannen. Die Schweiz bleibt vorerst beim gezielteren Modell der SBB. Ob der deutsche Weg tatsächlich mehr Sicherheit bringt, dürfte sich in den kommenden Jahren zeigen.



