Autonomes Fahren: Wo die Schweiz hinter Tesla liegt – und wo nicht
Tesla fährt in den USA bereits fahrerlos. Die Schweiz setzt auf kontrollierte Pilotprojekte – und holt langsam auf.

Beim autonomen Fahren entstehen derzeit zwei unterschiedliche Geschwindigkeiten. In den USA bringt Tesla seine Robotaxis auf die Strasse. In Europa wird noch über die Zulassung von Fahrassistenzsystemen gestritten. Und in der Schweiz laufen bereits konkrete Pilotprojekte. Die Frage ist deshalb nicht einfach, ob die Schweiz hinterherhinkt. Entscheidend ist, bei welcher Form des autonomen Fahrens man hinschaut.
Tesla fährt in den USA bereits fahrerlos
Tesla hat Anfang September 2026 in Austin, Texas, erste Fahrten mit dem Cybercab gestartet. Das Fahrzeug ist speziell für den Robotaxi-Betrieb entwickelt und kommt ohne Lenkrad und Pedale aus. Der Einsatz ist zunächst auf bestimmte Gebiete beschränkt.
Damit geht Tesla einen Schritt weiter als mit seinem bekannten System «Full Self-Driving». Der Name darf dabei nicht zu Verwechslungen führen: FSD Supervised ist kein vollständig autonomes Fahren. Der Fahrer muss das System überwachen und jederzeit eingreifen können.
Beim Cybercab geht es dagegen um einen tatsächlich fahrerlosen Betrieb. Genau dieser Unterschied ist für den internationalen Vergleich entscheidend.
USA gehen schneller – aber nicht ohne Streit
Der technologische Vorsprung der USA bedeutet allerdings nicht, dass dort alle Fragen geklärt sind. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat eine Untersuchung im Zusammenhang mit der Zertifizierung von rund 1000 Cybercabs eingeleitet.
Es geht unter anderem um die Frage, ob die Fahrzeuge die geltenden Sicherheitsanforderungen erfüllen. Gleichzeitig arbeitet die US-Regierung daran, bestimmte Vorschriften für autonome Fahrzeuge anzupassen. Tesla bewegt sich damit an der Grenze zwischen technologischem Fortschritt und regulatorischen Vorgaben.

Niederlande sind bei Tesla weiter als die Schweiz
In Europa hat sich vor allem die Niederlande als Vorreiter bei Tesla FSD positioniert. Die niederländische Zulassungsbehörde RDW hat Teslas FSD Supervised 2026 typgenehmigt. Weitere europäische Länder haben sich dieser Entwicklung angeschlossen.
Auch Frankreich hat Anfang September Tests mit Tesla FSD gestartet. Das zeigt: Bei der europäischen Zulassung des Tesla-Systems kommt Bewegung in Gang.
Die Schweiz ist hier derzeit nicht dabei. Tesla FSD Supervised ist auf Schweizer Strassen noch nicht verfügbar.
Die Schweiz hat trotzdem einen wichtigen Schritt gemacht
Beim rechtlichen Rahmen ist die Schweiz allerdings weiter, als der Blick auf Tesla vermuten lässt. Seit dem 1. März 2025 gelten neue Regeln für automatisiertes Fahren.
Der Schweizer Rechtsrahmen erlaubt drei Anwendungen: einen Autobahnpiloten für entsprechend genehmigte Fahrzeuge, führerlose Fahrzeuge auf behördlich genehmigten Strecken sowie automatisiertes Parkieren in dafür vorgesehenen Bereichen.
Das bedeutet nicht, dass jedes autonome Fahrzeug automatisch zugelassen ist. Hersteller und Betreiber müssen die jeweiligen Sicherheitsanforderungen erfüllen. Für fahrerlose Fahrzeuge braucht es zudem eine behördliche Genehmigung für die entsprechende Strecke.
AmiGo zeigt, was bereits möglich ist
Besonders weit ist die Schweiz beim Projekt AmiGo von PostAuto und Baidu Apollo Go. Seit 2026 werden in der Ostschweiz automatisierte Fahrzeuge auf öffentlichen Strassen eingesetzt.
Das Pilotgebiet umfasst rund 80 Quadratkilometer in St. Gallen sowie in Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden. In der aktuellen Phase ist noch eine Sicherheitsfahrerin beziehungsweise ein Sicherheitsfahrer an Bord. Das Fahrzeug übernimmt jedoch bereits wesentliche Fahraufgaben selbst.
Der nächste Schritt soll der fahrerlose Betrieb sein. Dafür sind zunächst Fahrten mit einer geschlossenen Nutzergruppe vorgesehen. Wenn die notwendigen Sicherheitsanforderungen erfüllt werden, soll das Projekt weiter ausgebaut werden.
Für 2027 ist ein regulärer Betrieb mit bis zu 25 Fahrzeugen vorgesehen.
Auch im Kanton Zürich wird getestet
AmiGo ist nicht das einzige Schweizer Projekt. Im Furttal im Kanton Zürich fahren ebenfalls automatisierte Fahrzeuge im öffentlichen Strassenverkehr. Das Projekt soll Erfahrungen mit einem grösseren Betriebsgebiet sammeln. Perspektivisch ist eine Überwachung aus einer Zentrale vorgesehen.
Weitere Projekte gibt es unter anderem in Bern und Arbon. Dabei geht es um unterschiedliche Anwendungen wie Lieferfahrzeuge, Shuttles und den öffentlichen Verkehr.
Warum die Schweiz bei Tesla trotzdem zurückliegt
Der Unterschied zwischen Tesla und den Schweizer Projekten liegt vor allem im Ansatz. Tesla versucht, ein technisch möglichst universelles System auf die Strasse zu bringen. Die Schweiz geht schrittweise vor: definierte Strecken, klar abgegrenzte Einsatzgebiete und behördliche Bewilligungen.
Für einen Schweizer Tesla-Fahrer ist das Ergebnis dennoch eindeutig: Während FSD Supervised in den Niederlanden bereits zugelassen ist, kann die Funktion in der Schweiz derzeit nicht genutzt werden.
Die Schweiz liegt bei dieser konkreten Anwendung also hinter einigen europäischen Ländern zurück.
Beim autonomen öffentlichen Verkehr ist das Bild anders
Anders sieht es aus, wenn man nicht auf Tesla, sondern auf den tatsächlichen autonomen Betrieb schaut. Mit AmiGo verfügt die Schweiz bereits über ein genehmigtes Pilotprojekt auf öffentlichen Strassen. Weitere Projekte werden vorbereitet oder getestet.
Das ist noch kein fahrerloser Massenverkehr. Aber die Schweiz hat die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen und sammelt bereits Erfahrungen unter realen Verkehrsbedingungen.
Was kommt als Nächstes?
Der entscheidende Schritt wird der Übergang vom Testbetrieb zum Alltag. Wenn die Schweizer Pilotprojekte erfolgreich sind, könnten autonome Fahrzeuge zunächst auf klar definierten Strecken eingesetzt werden – etwa als Shuttle in Randregionen oder als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr.
Bei privaten Fahrzeugen dürfte die Entwicklung langsamer verlaufen. Hier müssen Hersteller ihre Systeme für den jeweiligen Rechtsraum genehmigen lassen. Ob und wann Tesla FSD auch in der Schweiz verfügbar wird, hängt deshalb nicht nur von der technischen Entwicklung ab, sondern auch vom Zulassungsverfahren.
Fazit: Die Schweiz ist nicht abgehängt
Wer nur auf Tesla schaut, kommt zu einem klaren Ergebnis: Die Schweiz hinkt hinterher. In den USA fahren bereits fahrerlose Cybercabs, und auch die Niederlande sind bei Tesla FSD weiter.
Beim autonomen Fahren insgesamt ist das Bild jedoch differenzierter. Die Schweiz hat seit 2025 einen rechtlichen Rahmen, ermöglicht konkrete Pilotprojekte und arbeitet bereits am Übergang zu fahrerlosen Fahrzeugen.
Die Schweiz ist damit weder Vorreiterin noch Schlusslicht. Sie verfolgt einen vorsichtigeren Weg – und die entscheidende Frage wird sein, ob aus den Pilotprojekten tatsächlich ein fahrerloser Alltag entsteht.
Quellen
Bundesamt für Strassen (ASTRA): Automatisiertes Fahren
PostAuto: Projekt AmiGo
Kanton Zürich: Automatisiertes Fahren im Furttal
RDW Niederlande: Tesla FSD Supervised
Reuters: Tesla Cybercab, NHTSA und Tesla FSD in Europa



