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EVG droht Deutsche Bahn mit Streiks – Schweizer Reisende betroffen

Tarifkonflikt in Deutschland könnte Verbindungen nach Basel und Zürich lahmlegen

Eine Lokomotive der Deutschen Bahn steht in einem Reparaturwerk auf den Gleisen.
Bild: Ralphs_Fotos / Pixabay

Mögliche Arbeitskampfmassnahmen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bei der Deutschen Bahn könnten den grenzüberschreitenden Bahnverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz erheblich beeinträchtigen. Täglich nutzen Tausende Pendler und Reisende die ICE-Verbindungen zwischen beiden Ländern.

Tarifverhandlungen ohne Einigung

Die Tarifverhandlungen zwischen der EVG und der Deutschen Bahn gestalten sich schwierig. Die Gewerkschaft fordert deutliche Lohnerhöhungen sowie Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen für rund 180'000 Beschäftigte. Die Deutsche Bahn verweist auf ihre angespannte finanzielle Situation und die notwendige Modernisierung der Infrastruktur. Eine Einigung ist derzeit nicht in Sicht.

Die EVG vertritt einen Grossteil des Zugpersonals sowie Mitarbeitende in Verwaltung und Service. Ein Streik dieser Berufsgruppen würde den Bahnverkehr praktisch zum Erliegen bringen. Anders als bei früheren Arbeitskämpfen der Lokführergewerkschaft GDL wären deutlich mehr Bereiche betroffen.

Auswirkungen auf Schweizer Verbindungen

Besonders betroffen wären die wichtigen ICE-Verbindungen zwischen Basel, Zürich und deutschen Städten wie Frankfurt, Berlin und Hamburg. Täglich verkehren mehrere Dutzend grenzüberschreitende Züge auf diesen Strecken. Pendler aus der Region Basel sowie Geschäftsreisende und Touristen müssten mit erheblichen Einschränkungen rechnen.

Die SBB beobachtet die Entwicklung aufmerksam. Im Hinblick auf mögliche Beeinträchtigungen des grenzüberschreitenden Verkehrs steht das Schweizer Bahnunternehmen üblicherweise in engem Austausch mit der Deutschen Bahn. Sollte es zu Streiks kommen, würden die SBB versuchen, mit zusätzlichen Verbindungen im Binnenverkehr und alternativen Routenführungen die Auswirkungen abzufedern. Garantien für einen vollständigen Ersatzverkehr könne man jedoch nicht geben.

Europäischer Bahnverkehr unter Druck

Der drohende Streik ist kein Einzelfall. Europaweit kämpfen Bahngewerkschaften für bessere Bedingungen ihrer Mitglieder. In Frankreich, Italien und Grossbritannien kam es in den vergangenen Monaten wiederholt zu Arbeitsniederlegungen. Die Folgen treffen regelmässig auch grenzüberschreitende Verbindungen.

Experten sehen darin ein strukturelles Problem: Während die Politik den Ausbau des internationalen Bahnverkehrs fordert, fehlt es oft an Investitionen in Personal und Infrastruktur. Die Gewerkschaften nutzen ihre Position, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Die Reisenden bleiben dabei häufig auf der Strecke.

Empfehlungen für Reisende

Schweizer Reisende, die Zugverbindungen nach Deutschland gebucht haben, sollten die Entwicklung genau verfolgen. Die SBB und die Deutsche Bahn informieren über ihre Websites und Apps über aktuelle Störungen. Bei grösseren Streiks gelten in der Regel Sonderregelungen: Tickets behalten ihre Gültigkeit auch für spätere Züge, und Reisende können kostenlos auf alternative Routen ausweichen.

Experten raten, bei wichtigen Terminen Zeitpuffer einzuplanen und alternative Verkehrsmittel zu prüfen. Flugverbindungen zwischen Zürich und deutschen Städten könnten kurzfristig ausgelastet sein. Auch Fernbusse stellen eine Option dar, bedeuten aber deutlich längere Reisezeiten.

Die EVG hat bisher keinen konkreten Streiktermin genannt. Üblich sind Ankündigungen mit wenigen Tagen Vorlauf. Erfahrungsgemäss konzentrieren sich Warnstreiks auf Hauptverkehrszeiten, um den Druck auf den Arbeitgeber zu maximieren. Längere Vollstreiks über mehrere Tage sind ebenfalls möglich, wenn die Verhandlungen scheitern.

Für die Schweizer Wirtschaft könnte ein längerer Streik spürbare Folgen haben. Viele Unternehmen sind auf zuverlässige Bahnverbindungen nach Deutschland angewiesen. Der Güterverkehr auf der Schiene würde ebenfalls betroffen. Die Schweizer Transportbranche beobachtet die Lage mit Sorge und prüft Ausweichmöglichkeiten über alternative Routen.

Die nächste Verhandlungsrunde zwischen EVG und Deutscher Bahn ist für die kommenden Wochen angesetzt. Beide Seiten zeigen sich öffentlich kompromissbereit, hinter den Kulissen liegen die Positionen jedoch weit auseinander. Ob es zu Streiks kommt, hängt vom Ausgang dieser Gespräche ab. Schweizer Reisende sollten sich auf mögliche Einschränkungen einstellen.

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