Trockenheit: Bund lockert Futterregeln für Bio-Betriebe
Wegen Wassermangel dürfen Öko-Bauern übergangsweise mehr herkömmliches Futter zukaufen

Wegen der anhaltenden Trockenheit lockert der Bund die Regeln für Bio-Betriebe. Sie können vorübergehend mehr Futter zukaufen, ohne ihren Bio-Status zu verlieren. Das teilte das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) am Montag mit.
Ausgangslage
Die Trockenheit setzt der Schweizer Landwirtschaft zu. Besonders betroffen sind Regionen im Mittelland und in der Westschweiz. Die Futtererträge auf den Wiesen bleiben deutlich hinter dem langjährigen Durchschnitt zurück. Für Bio-Betriebe ist das eine doppelte Herausforderung: Sie müssen ihre Tiere mit Futter aus biologischem Anbau versorgen, doch die eigenen Bestände reichen nicht aus.
Das BLW reagiert mit einer befristeten Ausnahmeregelung. Bio-Betriebe dürfen demnach bis Ende November einen höheren Anteil an konventionellem Futter zukaufen, als die Bio-Verordnung normalerweise erlaubt. Die genauen Prozentwerte sind in einer Weisung festgehalten, die auf der Website des Bundesamts publiziert ist.
Neue Regeln
Die Lockerung gilt für Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen. Erlaubt ist der Zukauf von konventionellem Heu, Silage und Getreide. Voraussetzung ist, dass das Futter aus der Schweiz oder aus der Grenzregion stammt. Ausnahmen für Importe aus Nicht-EU-Staaten sind nicht vorgesehen.
Das BLW begründet die Massnahme mit der Notwendigkeit, die Bio-Produktion von tierischen Produkten in der Schweiz zu sichern. Ähnlich äussert sich Bio Suisse, der Dachverband der Bio-Landwirtschaft. Man unterstütze die Anpassung, betont eine Sprecherin. Es sei wichtig, dass die Betriebe ihre Tiere artgerecht füttern könnten, ohne den Bio-Status zu gefährden.
Die Ausnahmeregelung ist auf den Zeitraum bis 30. November befristet. Das BLW behält sich vor, die Lage regelmässig zu evaluieren und nötigenfalls zu verlängern.
Auswirkungen
Für Konsumentinnen und Konsumenten dürfte die Lockerung kaum spürbar sein. Die meisten Bio-Produkte im Handel stammen aus der Schweiz. Durch die zusätzlichen Fütterungsmöglichkeiten bleibt die Produktion aufrechterhalten. Ein Engpass bei Schweizer Bio-Milch oder Bio-Fleisch ist laut Branchenvertretern nicht zu erwarten.
Allerdings könnte die Trockenheit die Preise für Futtermittel erhöhen. Das wiederum könnte sich später auf die Produzentenpreise auswirken. Wie stark, hängt von der weiteren Wetterentwicklung ab. Meteorologen rechnen vorerst nicht mit einer Entspannung.
Die Politik beobachtet die Lage mit Sorge. Einzelne Kantone haben bereits Massnahmen zur Wassereinsparung ergriffen. Der Bund prüft zudem weitere Unterstützungsmassnahmen für die Landwirtschaft. Konkrete Entscheide sind aber noch nicht gefallen.
Betroffene Betriebe können die Ausnahmeregelung beim BLW beantragen. Die Behörde empfiehlt, die neuen Vorgaben genau zu studieren und sich bei Unklarheiten an die kantonalen Fachstellen zu wenden.



