Technologie15:40 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Compassana und Well fusionieren: Eine Plattform für Patientendaten

Die zwei Gesundheitsplattformen bündeln ihre Kräfte. Versicherte, Spitäler und Datenschutz sind betroffen.

Ein unscharfes Diagramm mit Finanzdaten auf einem Computerbildschirm.
Bild: Pexels / Pixabay

Die beiden Schweizer Gesundheitsplattformen Compassana und Well fusionieren. Das haben die Verantwortlichen in einer gemeinsamen Mitteilung bekannt gegeben. Ziel ist eine einheitliche digitale Lösung für den Umgang mit Patientendaten. Für Versicherte, Arztpraxen und Spitäler könnte sich dadurch einiges ändern. Die Ankündigung kommt zu einem Zeitpunkt, da das elektronische Patientendossier in der Schweiz noch immer auf tiefe Akzeptanz stösst. Beide Plattformen wollen mit der Bündelung ihrer Kräfte mehr Vertrauen schaffen und die Nutzung vereinfachen.

Compassana wurde im Zusammenhang mit dem elektronischen Patientendossier (EPD) entwickelt. Die Plattform ist in mehreren Kantonen im Einsatz und wird von zahlreichen Spitälern unterstützt. Well ist eine weitere digitale Anwendung im Gesundheitsbereich, die sich an ein breites Publikum richtet. Beide verfolgen ähnliche Ziele: Gesundheitsdaten sollen sicher, aber auch einfach zugänglich sein. Bisher arbeiten die Systeme jedoch weitgehend getrennt. Das soll sich nun ändern. Die Fusion bietet die Chance, die Stärken beider Plattformen zu kombinieren und Doppelspurigkeiten zu beseitigen.

Was die Fusion bringen soll

Die Bündelung der Kräfte soll den digitalen Austausch von Patientendaten vereinfachen. Patientinnen und Patienten könnten künftig über eine einzige Plattform auf ihre Gesundheitsdaten zugreifen. Auch Spitäler und Arztpraxen würden von standardisierten Schnittstellen profitieren. Die Verantwortlichen versprechen sich davon weniger administrative Hürden und eine effizientere Behandlung. Für die Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das vor allem mehr Komfort: eine Anmeldung, eine Übersicht, alle relevanten Daten. Zudem könnten die Daten bei Bedarf besser zwischen verschiedenen Leistungserbringern ausgetauscht werden.

Die technische Zusammenführung ist jedoch anspruchsvoll. Die Datenbestände beider Plattformen sind unterschiedlich organisiert. Eine reibungslose Migration ist zentral, damit es nicht zu Unterbrüchen kommt. Die Unternehmen kündigen eine schrittweise Integration an. Die Unternehmen kündigten eine schrittweise Integration an. Bereits bei der Fusionsankündigung im Mai 2022 wurde bekannt gegeben, dass die gemeinsame Plattform Compassana heisst und von der Compassana AG betrieben wird. Die weitere technische Zusammenführung ist ein fortlaufender Prozess, dessen konkrete Zeitpläne laufend angepasst werden. Die Nutzerinnen und Nutzer sollen frühzeitig über Änderungen informiert werden.

Folgen für Spitäler und Krankenversicherer

Spitäler arbeiten heute mit unterschiedlichen digitalen Werkzeugen. Eine gemeinsame Plattform könnte Befunde, Laborwerte und Röntgenbilder zentral verfügbar machen. Das spart Zeit und reduziert Fehler. Auch Krankenversicherer könnten von einheitlichen Daten profitieren, etwa bei der Abrechnung von Behandlungen. Die Krankenkassen setzen sich seit Jahren für eine Harmonisierung der Gesundheitsdaten ein. Eine einheitliche Datenbasis könnte zudem die Forschung erleichtern, ohne die Privatsphäre zu verletzen.

Allerdings sind die kantonalen Gesundheitsgesetze zu beachten. Die Kantone sind für die Spitalfinanzierung und die Gesundheitsversorgung zuständig. Eine landesweite Plattform muss mit den föderalen Strukturen kompatibel sein. Das Bundesamt für Gesundheit wird die Entwicklung beobachten. Auch die Wettbewerbsbehörde könnte das Vorhaben prüfen, falls es zu einer Marktkonzentration kommt. Die Unternehmen betonen, dass sie offen mit den Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten wollen.

Datenschutz als zentrale Frage

Je zentraler Gesundheitsdaten gespeichert werden, desto grösser ist das Risiko von Missbrauch. Die Betreiber betonen, die Sicherheitsstandards würden erhöht. Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte dürfte das Vorhaben genau prüfen. Das Schweizer Datenschutzgesetz stellt hohe Anforderungen an die Verarbeitung von Patientendaten. Die Plattformbetreiber müssen nachweisen, dass die Daten gegen unbefugte Zugriffe geschützt sind. Nur so lässt sich das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen.

Für die Nutzerinnen und Nutzer ändert sich vorerst nichts. Die bestehenden Angebote bleiben erhalten und werden schrittweise zusammengeführt. Weitere Informationen soll es in den kommenden Monaten geben. Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bleibt ein dynamisches Feld. Die Fusion ist ein weiterer Schritt, aber wohl nicht der letzte. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Markt entwickelt und ob weitere Plattformen dazustossen.

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