Reisen07:29 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 2 Min.0 Kommentare

Influencer verzichten auf Geotags zum Schutz der Alpen

Kampagne #nogeotag soll geheime Naturorte vor Massentourismus bewahren

Apps
Bild: Swello / Unsplash

Auf Instagram und anderen Plattformen verzichten immer mehr Nutzer auf Standortangaben bei Naturfotos. Die Bewegung #nogeotag will verhindern, dass bisher unbekannte Orte in den Bergen zum nächsten Hotspot für Selfie-Touristen werden. Besonders in den Schweizer Alpen nimmt die Diskussion um den Schutz sensibler Gebiete zu.

Schutz vor Instagram-Tourismus

Die Idee hinter #nogeotag ist simpel: Wer die genaue Lage eines idyllischen Bergsees oder einer einsamen Alp nicht preisgibt, verhindert den Massenansturm. Die Erfahrung bei Influencern mit grossen Reichweiten zeigt, dass ein einziger Post mit Standortangabe ausreicht, um innerhalb weniger Wochen hunderte Besucher anzulocken.

Das Phänomen des Overtourism betrifft zunehmend auch abgelegene Alpentäler. Parkplätze sind überfüllt, Wanderwege überlastet, Müll häuft sich an beliebten Fotospots. Gemeinden wie Lauterbrunnen oder Grindelwald kämpfen bereits seit Jahren mit den Folgen des Social-Media-Tourismus. Nun fürchten auch kleinere Orte den Ansturm.

Geteilte Meinungen bei Tourismus und Naturschutz

Schweiz Tourismus äussert sich zurückhaltend zur Kampagne. Die Organisation sieht die Herausforderung, betont aber gleichzeitig die wirtschaftliche Bedeutung von Besuchern für Bergregionen. Viele Gemeinden seien auf Tourismus angewiesen, insbesondere in strukturschwachen Gebieten.

Anders sieht es Pro Natura. Pro Natura betont die Notwendigkeit, sensible Naturräume vor zu vielen Besuchern zu schützen. Der Verzicht auf Geotags könne ein Baustein sein, reiche aber allein nicht aus. Wichtiger seien Besucherlenkung, Schutzgebiete und Aufklärung.

Bergführer und Tourismusanbieter zeigen sich gespalten. Während einige die Idee begrüssen, befürchten andere, dass komplett auf digitale Sichtbarkeit zu verzichten den Anschluss kosten könnte. Tourismusfachleute im Kanton Bern merken an, dass der Tourismus heute stark online stattfindet.

Wirksamkeit bleibt fraglich

Experten bezweifeln, dass #nogeotag den Overtourism wirklich eindämmen kann. Viele beliebte Orte seien längst bekannt und in Reiseführern verzeichnet. Zudem fänden motivierte Touristen Wege, Orte auch ohne Geotag zu identifizieren – etwa durch Bildersuche oder Landschaftsmerkmale.

Studien aus anderen Ländern zeigen gemischte Resultate. In den USA führte die Kampagne in einzelnen Nationalparks zu einem leichten Rückgang der Besucherzahlen an stark frequentierten Fotospots. Ob sich dieser Effekt auch in der dicht besiedelten Schweiz einstellt, ist unklar.

Umweltorganisationen setzen daher auf einen Mix aus Massnahmen: Neben dem Verzicht auf Geotags brauche es Besucherzahllimits, bessere Infrastruktur und gezielte Kommunikation über respektvolles Verhalten in der Natur. Die Debatte um #nogeotag zeigt aber: Das Bewusstsein für die Fragilität alpiner Ökosysteme wächst – auch in sozialen Medien.

Artikel teilen

Fehler im Artikel melden

Vielen Dank für Ihren Hinweis. Bitte beschreiben Sie den Fehler so genau wie möglich.

PNG, JPG oder WebP, max. 5 MB

Kommentare

Melden Sie sich an, um mitzudiskutieren.

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten.