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Landwirtschaftsfläche schrumpft: Der Schweiz geht Kulturland verloren

Neue Zahlen zeigen den langfristigen Rückgang der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Landwirtschaftsfläche
Bild: open AI

Die Schweiz wächst – doch ihr Boden wächst nicht mit. Neue Häuser, Strassen und Gewerbegebiete beanspruchen Fläche. Gleichzeitig verschwinden in den Bergen Landwirtschaftsflächen durch Verwaldung und aufgegebene Nutzung. Die Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen, wie stark sich die Landschaft seit 1985 verändert hat.

Zwischen 1985 und 2018 schrumpfte die Landwirtschaftsfläche der Schweiz von 15'667 auf 14'525 Quadratkilometer. Das entspricht einem Rückgang von 1143 Quadratkilometern oder rund sieben Prozent. Anders ausgedrückt: Pro Tag gingen im Durchschnitt rund 13 Fussballfelder Landwirtschaftsfläche verloren. Die Landwirtschaft blieb dennoch die grösste der vier Hauptkategorien der Bodennutzung.

Wo das Kulturland verschwindet

Der Verlust verteilt sich nicht gleichmässig über das Land. Im Mittelland steht die Landwirtschaft vor allem unter dem Druck von Siedlungen, Verkehr und Gewerbe. Gleichzeitig nimmt in den Bergregionen der Wald zu, wenn Flächen nicht mehr bewirtschaftet werden.

Von den Landwirtschaftsflächen, die zwischen 1985 und 2018 einer anderen Nutzung zugeführt wurden, ging gut die Hälfte in Siedlungsflächen über. Besonders stark betroffen waren tiefere Lagen. Im Mittelland betrug der Rückgang rund acht Prozent. In der Südschweiz war er noch grösser: An der Alpensüdflanke gingen rund 20 Prozent der Landwirtschaftsfläche verloren.

Der Bodenverlust ist dabei nicht allein eine Folge des Baubooms. In den Alpen spielt die Aufgabe landwirtschaftlicher Nutzung eine wichtige Rolle. Wo Wiesen und Weiden nicht mehr regelmässig bewirtschaftet werden, breiten sich Gehölze und Wald aus. Damit verändert sich die Landschaft – und die Landwirtschaftsfläche nimmt ab.

Besonders stark betroffen: Äcker

Auch die Zusammensetzung der Landwirtschaftsfläche hat sich verändert. Zwischen 1985 und 2018 nahm die Fläche des Ackerlands um 482 Quadratkilometer beziehungsweise elf Prozent ab. Die Alpwirtschaftsflächen schrumpften um 401 Quadratkilometer. Bei den Obst-, Reb- und Gartenbauflächen betrug der Rückgang sogar 35 Prozent.

Das ist für die Schweiz nicht nur eine Frage des Landschaftsbildes. Ackerland gehört zu den Flächen, auf denen direkt Nahrungsmittel produziert werden. Gleichzeitig ist die Schweiz bei vielen Lebensmitteln auf Importe angewiesen. Jeder zusätzliche Verlust fruchtbarer Böden verschärft deshalb langfristig den Zielkonflikt zwischen Landwirtschaft, Siedlungsentwicklung und Ernährungssicherheit.

Mehr Häuser, mehr Verkehr – aber auch mehr Wald

Während die Landwirtschaftsfläche zurückging, nahm die Siedlungsfläche deutlich zu. Zwischen 1985 und 2018 wuchs sie von 2495 auf 3271 Quadratkilometer – ein Plus von 31 Prozent. Auch die bestockten Flächen, insbesondere Wald, nahmen zu.

Damit zeigt die Statistik ein komplexeres Bild als die einfache Formel «Bauen vernichtet Landwirtschaft». Die Schweiz verliert Kulturland auf unterschiedliche Weise. In den Agglomerationen wird Boden überbaut, in Bergregionen wird er teilweise wieder zu Wald.

Gerade deshalb ist die Frage nach dem Umgang mit dem Boden so schwierig. Die Bevölkerung braucht Wohnungen, Unternehmen benötigen Flächen und die Infrastruktur muss ausgebaut werden. Gleichzeitig soll die Landwirtschaft genügend Boden behalten und die Landschaft ökologisch wertvoll bleiben.

Die Raumplanung steht unter Druck

Die Schweizer Raumplanung verfolgt deshalb seit Jahren das Ziel, den Boden möglichst haushälterisch zu nutzen. Siedlungen sollen nach innen entwickelt werden, bevor zusätzliches Kulturland beansprucht wird. Besonders wertvolle Landwirtschaftsböden werden als Fruchtfolgeflächen geschützt.

Doch in den wirtschaftlich dynamischen Regionen bleibt der Druck hoch. Dort treffen Bevölkerungswachstum, steigende Wohnraumnachfrage und Arbeitsplätze auf eine begrenzte Fläche. Ein neues Wohnquartier kann gesellschaftlich notwendig sein – gleichzeitig geht damit möglicherweise landwirtschaftlich nutzbarer Boden verloren.

Eine Ressource, die nicht nachwächst

Die Zahlen des BFS machen vor allem eines deutlich: Boden ist keine beliebig vermehrbare Ressource. Was heute überbaut wird, steht der Landwirtschaft morgen in der Regel nicht mehr zur Verfügung.

Gleichzeitig wäre es falsch, jede Veränderung der Landwirtschaftsfläche als Verlust zu betrachten. Die Statistik zeigt auch, dass sich einzelne Flächen wieder in Landwirtschaftsland verwandeln können – etwa durch Rodungen und Entbuschungen oder durch die Rekultivierung ehemaliger Baustellen und anderer Nutzflächen. Die langfristige Entwicklung bleibt jedoch eindeutig rückläufig.

Was bedeutet das für die Schweiz?

Die Herausforderung besteht deshalb nicht darin, jede einzelne Wiese unter allen Umständen zu bewahren. Entscheidend ist vielmehr, welche Flächen verloren gehen und wofür sie genutzt werden.

Besonders wertvolle Ackerböden sind für die Lebensmittelproduktion wichtiger als Flächen mit geringer landwirtschaftlicher Ertragsfähigkeit. Gleichzeitig kann eine verdichtete Siedlungsentwicklung helfen, den Flächenverbrauch zu begrenzen. Auch die Frage, wie Berggebiete landwirtschaftlich bewirtschaftet werden können, bleibt relevant.

Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass sich die Schweizer Landschaft bereits stark verändert hat. Seit 1985 sind rund sieben Prozent der Landwirtschaftsfläche verschwunden. Gleichzeitig ist die Siedlungsfläche um fast ein Drittel gewachsen.

Die entscheidende Frage für die kommenden Jahrzehnte lautet deshalb nicht nur, wie viel die Schweiz noch bauen kann. Sie lautet auch, wie viel fruchtbaren Boden sie sich leisten kann zu verlieren.

Quellen

  • Bundesamt für Statistik (BFS): Arealstatistik – Landwirtschaftsflächen und Bodennutzung
  • Bundesamt für Statistik (BFS): Landwirtschaftsflächen – Abnahme um mehr als 1000 km² in drei Jahrzehnten
  • Bundesamt für Statistik (BFS): Arealstatistik Standard 1985, 2009 und 2018

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