Regen reicht nicht: Bund fordert mehr Wassersparen
Trockenheit bleibt: Kantone und Bevölkerung sind gefordert

Die jüngsten Niederschläge haben die anhaltende Trockenheit in der Schweiz nicht ausgeglichen. Der Bundesrat und das Bundesamt für Umwelt (BAFU) rufen die Kantone und die Bevölkerung deshalb auf, Wasser sparsam zu verwenden. In einer Medienmitteilung vom 24. Juli 2023 hält das BAFU fest: «Die jüngsten Niederschläge konnten die Trockenheit nicht ausgleichen.» Die Lage bleibt angespannt, insbesondere in der Westschweiz und Teilen des Mittellands. Betroffen sind auch die Alpen, wo die Schneefallgrenze ungewöhnlich hoch liegt.
Regionale Unterschiede
Die Niederschläge der letzten Tage waren regional sehr unterschiedlich verteilt. Während die Alpen örtlich bis zu 50 Liter pro Quadratmeter erhielten, blieb es in der Westschweiz weitgehend trocken. Laut dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) liegt die Bodenfeuchte in den betroffenen Gebieten deutlich unter dem saisonalen Mittel. Besonders betroffen sind die Kantone Waadt und Wallis, wo Flüsse und Bäche weniger Wasser führen als üblich. Auch im Jura ist die Lage angespannt. In einigen Gemeinden gilt bereits ein Bewässerungsverbot für private Gärten.
Der Bund erinnert daran, dass Wasser eine gemeinsame Ressource ist, die nicht verschwendet werden darf. Die Kantone sind für das Wassermanagement verantwortlich. Sie können die Wasserentnahme für die Bewässerung einschränken oder alternative Wasserquellen vorschreiben. Einige Städte haben bereits ein Verbot der Gartenbewässerung während des Tages angekündigt. Andere Städte dürften folgen. In der Landwirtschaft sind wassersparende Anbaumethoden gefragt. Mehr dazu in unserem Artikel über die Wasserknappheit in der Westschweiz.
Folgen für die Landwirtschaft
Die Landwirtschaft leidet unter der anhaltenden Trockenheit. Auf dem Mittelland sind die Erträge verschiedener Kulturen gefährdet, darunter Getreide, Kartoffeln und Gemüse. Besonders in Regionen mit leichten Böden ist die Wasserversorgung schwierig. Viele Bauern müssen häufiger bewässern, was den Wasserbedarf erhöht und die Grundwasserreserven zusätzlich belastet. Agrarverbände erwarten spürbare Ernteeinbussen, falls die Trockenheit weiter anhält. Eine frühzeitige Ernte könnte für einige Kulturen die Lösung sein.
Der Bund prüft deshalb Unterstützungsmassnahmen für die betroffenen Landwirte. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) beobachtet die Entwicklung aufmerksam. Eine Möglichkeit ist die erleichterte Nutzung von Notwasser für die Bewässerung. Zudem sind die Bauern aufgefordert, den Anbau sorgfältiger zu planen und auf trockenheitstolerante Sorten zu setzen. Der Bauernverband fordert unbürokratische Hilfe vom Bund. Wie die Landwirtschaft auf die Trockenheit reagiert, hat unsere Redaktion in diesem Artikel zusammengefasst.
Energie und Wasserkraft
Die Trockenheit wirkt sich auch auf die Energieproduktion aus. Die Stauseen der Schweizer Wasserkraftwerke sind schwach gefüllt. Laut dem Bundesamt für Energie (BFE) lag der Füllstand Ende Juli 2023 unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Stromproduktion aus Wasserkraft dürfte in den kommenden Wochen spürbar zurückgehen. Das könnte die Versorgungssicherheit im kommenden Winter beeinträchtigen, insbesondere wenn die europäischen Nachbarländer ebenfalls unter Wasserknappheit leiden. Grosse Energieverbraucher sind in dieser Situation gefordert, ihre Energieplanung zu prüfen und den Einsatz von Ersatzstrom zu berücksichtigen.
Der Bund empfiehlt der Bevölkerung, den Wasserverbrauch zu senken. Das Sammeln von Regenwasser, das Reparieren tropfender Hähne und die Nutzung wassersparender Geräte sind einfache, aber wirksame Schritte. Das BAFU kündigt an, in den nächsten Tagen detaillierte Informationsmaterialien mit konkreten Tipps zu veröffentlichen. «Wir bitten alle um einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser», sagt eine Sprecherin des BAFU. Eine Entspannung der Lage ist erst bei ergiebigen Dauerregen zu erwarten. Bis dahin zählt jeder Tropfen. Weitere Empfehlungen finden Sie in dieser Übersicht.



