Schweizer Abwanderung: Fakten und offene Fragen
Rund 800'000 Schweizerinnen und Schweizer leben im Ausland. Ob dies den Arbeitsmarkt schwächt, ist unklar.

Die Schweiz wächst durch Zuwanderung – gleichzeitig verlassen jedes Jahr auch Schweizerinnen und Schweizer das Land. 2025 wanderten rund 29'400 Schweizer Staatsangehörige aus, während etwa 23'000 Schweizerinnen und Schweizer aus dem Ausland in die Schweiz zurückkehrten. Damit resultierte bei Schweizer Staatsangehörigen ein negativer Wanderungssaldo. Gleichzeitig blieb die Schweiz insgesamt ein deutliches Einwanderungsland.
Die Zahlen werfen eine Frage auf, die in der Migrationsdebatte deutlich weniger Aufmerksamkeit erhält: Wer verlässt die Schweiz – und welche Bedeutung hat diese Abwanderung für den Arbeitsmarkt?
6'400 Schweizerinnen und Schweizer mehr ausgewandert als eingewandert
Die internationale Wanderungsstatistik des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigt für 2025 ein klares Bild. Insgesamt wanderten rund 204'300 Personen in die Schweiz ein, während etwa 133'800 Personen das Land verliessen. Daraus resultierte ein internationaler Wanderungssaldo von rund 70'400 Personen.
Bei Schweizer Staatsangehörigen verlief die Entwicklung dagegen in die andere Richtung: Rund 29'400 Schweizerinnen und Schweizer wanderten aus, etwa 23'000 kehrten aus dem Ausland in die Schweiz zurück. Daraus ergibt sich ein negativer Wanderungssaldo von ungefähr 6'400 Personen.
Die Auswanderung Schweizer Staatsangehöriger ist damit real und statistisch messbar. Im Verhältnis zur gesamten internationalen Migration bleibt sie jedoch vergleichsweise klein. Die Schweiz gewinnt durch die Migration insgesamt weiterhin deutlich mehr Menschen hinzu, als sie verliert.
Fast 840'000 Schweizer leben im Ausland
Von den jährlichen Wanderungsbewegungen zu unterscheiden ist die Zahl der Schweizerinnen und Schweizer, die dauerhaft beziehungsweise längerfristig im Ausland leben. Ende 2025 waren 838'600 Schweizer Staatsangehörige bei einer Schweizer Vertretung im Ausland registriert. Gegenüber dem Vorjahr nahm diese Zahl um rund 11'900 Personen oder 1,4 Prozent zu.
Die Auslandschweizerstatistik zeigt, dass die «Fünfte Schweiz» geografisch stark auf Europa konzentriert ist. 64 Prozent der registrierten Schweizer Staatsangehörigen im Ausland lebten Ende 2025 in Europa. 47 Prozent lebten in einem Nachbarland der Schweiz.
Frankreich war mit rund 212'400 Schweizer Staatsangehörigen das wichtigste Wohnsitzland. Dahinter folgten Deutschland mit rund 102'100 und Italien mit rund 53'100. Ausserhalb Europas lebten die meisten Schweizerinnen und Schweizer in den USA, wo rund 85'900 Personen registriert waren.
Mehr als die Hälfte ist im Erwerbsalter
Die Altersstruktur der Auslandschweizer ist ebenfalls aufschlussreich. 21 Prozent der registrierten Personen waren Ende 2025 jünger als 18 Jahre. 55 Prozent waren zwischen 18 und 64 Jahre alt, weitere 24 Prozent waren 65 Jahre oder älter.
Diese Zahlen dürfen allerdings nicht mit der Altersstruktur der Personen gleichgesetzt werden, die 2025 aus der Schweiz ausgewandert sind. Die Auslandschweizerstatistik beschreibt den gesamten Bestand der im Ausland registrierten Schweizerinnen und Schweizer. Dieser umfasst auch Personen, die bereits seit vielen Jahren oder sogar seit Generationen ausserhalb der Schweiz leben. Zudem beeinflussen Geburten, Todesfälle und Einbürgerungen die Entwicklung des Bestands.
Auswanderung betrifft häufig Menschen im Erwerbsalter
Für die jährlichen Wanderungsbewegungen gibt es separate Auswertungen des BFS. Eine Untersuchung der internationalen Migration für den Zeitraum 2012 bis 2021 zeigt, dass Schweizerinnen und Schweizer, die auswanderten, häufig im Erwerbsalter waren.
43 Prozent der ausgewanderten Schweizerinnen und Schweizer waren zwischen 20 und 39 Jahre alt. Weitere 30 Prozent gehörten zur Altersgruppe der 40- bis 64-Jährigen. Damit befanden sich in diesem Untersuchungszeitraum knapp drei Viertel der ausgewanderten Schweizer Staatsangehörigen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren.
Die Zahlen stammen allerdings aus einer längerfristigen BFS-Auswertung und nicht aus dem Jahr 2025. Sie zeigen deshalb einen strukturellen Zusammenhang, dürfen aber nicht als aktuelle Altersverteilung der Auswanderungen im Jahr 2025 interpretiert werden.
Verliert die Schweiz dadurch Fachkräfte?
Diese Frage lässt sich mit den verfügbaren Wanderungsdaten nicht eindeutig beantworten.
Das BFS weist zwar die Zahl der Auswanderungen nach Staatsangehörigkeit und Alter aus. Daraus geht jedoch nicht automatisch hervor, welchen Bildungsabschluss oder welchen Beruf die ausgewanderten Personen haben. Deshalb lässt sich aus den Wanderungszahlen allein nicht ableiten, wie viele Ärztinnen, Ingenieure, IT-Spezialisten oder andere Fachkräfte die Schweiz verlassen.
Ein Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel ist deshalb möglich, aber statistisch nicht belegt. Ebenso wäre es falsch, aus dem negativen Wanderungssaldo der Schweizer Staatsangehörigen direkt einen «Brain Drain» der Schweiz abzuleiten.
Für die Arbeitsmarktpolitik wäre eine genauere Auswertung dennoch interessant. Entscheidend wäre nicht nur, wie viele Schweizerinnen und Schweizer auswandern, sondern auch, welche Qualifikationen, Berufe und Branchen davon betroffen sind.
Die Zuwanderung bleibt deutlich grösser
Die Gesamtentwicklung relativiert die Schweizer Auswanderung. 2025 betrug der internationale Wanderungssaldo der Schweiz rund 70'400 Personen. Die Zahl der Einwanderungen überstieg damit die Zahl der Auswanderungen deutlich.
Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Schweizer Staatsangehörigen eine andere Entwicklung: Hier war der Wanderungssaldo negativ. Mehr Schweizerinnen und Schweizer verliessen die Schweiz, als aus dem Ausland zurückkehrten.
Beide Entwicklungen bestehen nebeneinander. Die Schweiz kann gleichzeitig ein starkes Einwanderungsland sein und einen negativen Wanderungssaldo bei ihren eigenen Staatsangehörigen aufweisen.
Eine wichtige Frage bleibt offen
Die Statistik beantwortet damit, wie viele Schweizerinnen und Schweizer auswandern und wie gross die Auslandschweiz ist. Weniger klar ist dagegen, welche wirtschaftliche Bedeutung diese Abwanderung hat.
Eine steigende Zahl von Auswanderungen wäre für sich genommen noch kein Beleg für einen Verlust von Fachkräften. Dafür müsste bekannt sein, welche Ausbildung und welche beruflichen Qualifikationen die Auswandernden besitzen und ob sie später wieder in die Schweiz zurückkehren.
Gerade diese Informationen wären für die arbeitsmarktpolitische Diskussion relevant. Denn zwischen einer Schweizer Familie, die aus privaten Gründen nach Frankreich zieht, einem pensionierten Ehepaar und einer hochqualifizierten Fachkraft bestehen wirtschaftlich erhebliche Unterschiede.
Fest steht: Die Schweiz bleibt ein Einwanderungsland. Gleichzeitig verlassen jedes Jahr zehntausende Menschen das Land, darunter auch mehrere zehntausend Schweizer Staatsangehörige. Ob daraus ein relevanter Verlust an Fachkräften entsteht, lässt sich mit den derzeit verfügbaren Wanderungsdaten jedoch nicht belegen.
Quellen
- Bundesamt für Statistik (BFS): Internationale Wanderung und Wanderungsbewegungen 2025.
- Bundesamt für Statistik (BFS): Statistik der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer.
- Bundesamt für Statistik (BFS): Analyse der Migrationsbewegungen und demografischen Indikatoren, insbesondere Auswanderung 2012–2021.
- EDA/BFS: Auslandschweizerstatistik 2025, veröffentlicht am 31. März 2026.



