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St. Gallen reaktiviert alte Gefängnisse gegen Überbelegung

26 zusätzliche Haftplätze bis zur Eröffnung von Altstätten 2028

Gefängnisse
Bild: open AI

Die Schweizer Gefängnisse sind so voll wie nie. Der Kanton St. Gallen reaktiviert deshalb die ehemaligen Gefängnisse Bazenheid und Uznach. Die beiden Anlagen waren 2020 beziehungsweise 2022 geschlossen worden. Sie schaffen 26 zusätzliche Haftplätze für Sicherheits- und Untersuchungshaft. Die Anlagen dienen als Übergangslösung, bis das erweiterte Regionalgefängnis Altstätten 2028 fertig ist.

Rekordauslastung im Schweizer Justizvollzug

Anfang 2026 sassen so viele Menschen in Schweizer Gefängnissen wie nie zuvor. Der Bund beziffert die Auslastung auf 97 Prozent – ein Höchststand. Der Kanton St. Gallen lag mit über 100 Prozent noch darüber. In Spitzenzeiten mussten 80 Personen in 57 Zellen untergebracht werden. Das entspricht einer Belegung von 140 Prozent. Das heisst: Auf jede verfügbare Zelle kamen im Schnitt 1.4 Personen.

Die Überbelegung betrifft vor allem die Sicherheits- und Untersuchungshaft. Dabei kann die Justiz nicht auf Haft verzichten: Sicherheitshaft wird bei Fluchtgefahr angeordnet, Untersuchungshaft dient der Sicherung des Strafverfahrens. Deshalb braucht es zusätzliche Plätze.

«Das Personal lief am Anschlag, war überbelastet. Die Essensabgabe, die medizinische Versorgung, auch das Spazieren – alles ist aufwändiger», sagt Remo Breitenmoser, Leiter der Polizeigefängnisse beim Kanton St. Gallen.

Alte Anstalten werden reaktiviert

Um die Lage zu entschärfen, hat der Kanton St. Gallen die ehemaligen Polizeigefängnisse Bazenheid und Uznach wieder in Betrieb genommen. Bazenheid wurde Ende 2022 nach einem Bundesgerichtsentscheid als Ausschaffungsgefängnis geschlossen. Uznach war bereits 2020 stillgelegt worden. Ab September 2026 stehen dort 26 zusätzliche Plätze zur Verfügung: 14 in Uznach, 12 in Bazeheid.

Der St. Galler Kantonsrat sprach für die Wiedereröffnung einen Nachtragskredit von rund 870'000 Franken. Der Entscheid fiel am 9. Juni 2026 mit 103 Ja-Stimmen und 0 Nein-Stimmen. Für den Betrieb der beiden Anlagen sind 11 Mitarbeitende vorgesehen – sechs in Uznach, fünf in Bazenheid.

«Wir konnten diese zwei Polizeigefängnisse relativ schnell wieder in Betrieb nehmen. Das war für uns der effizienteste Weg», sagt Sicherheitsdirektor Christof Hartmann.

Zwischen dem Kantonsratsbeschluss im Juni und der Inbetriebnahme im September liegen nur rund drei Monate. Möglich wird das Tempo durch die einfache Infrastruktur der ehemaligen Polizeigefängnisse. Sie sind für kurze Haftzeiten ausgelegt und nicht für den langen Strafvollzug.

Mit den zusätzlichen Zellen stehen im Kanton nun insgesamt 75 Zellen für rund 85 Personen bereit. Die Auslastung sinkt damit auf etwa 113 Prozent – bleibt also weiterhin über der Kapazität. Das Provisorium verschafft der Justiz aber etwas Luft. Der Kanton rechnet damit, dass die zusätzlichen Plätze bis zur Eröffnung von Altstätten genügen.

Übergangslösung bis Altstätten

Die Reaktivierung ist nur ein Provisorium. Das erweiterte Regionalgefängnis Altstätten soll die Kapazität langfristig erhöhen. Der Umbau dauerte vier Jahre länger als geplant. Nun ist die Eröffnung für Anfang 2028 vorgesehen. Bis dahin bleiben die alten Anlagen in Betrieb.

Auch andere Kantone kämpfen mit überfüllten Gefängnissen. Luzern, Basel-Landschaft und Bern setzen auf temporäre Containerbauten. Der Kanton St. Gallen hat mit der Reaktivierung bestehender Gebäude einen anderen Weg gewählt. Ob diese Lösung trägt, hängt massgeblich vom Baufortschritt in Altstätten ab. Bis 2028 bleibt die Überbelegung ein drängendes Thema – nicht nur im Kanton St. Gallen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Reaktivierung ausreicht, um die angespannte Lage zu entschärfen.

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