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VBS setzt auf Drohnen und Robotik

Neues Zentrum und Drohnenbataillon ab 2028 geplant

VBS Drohnen
Bild: open AI

Schweizer Armee baut Drohnenfähigkeiten massiv aus

Die Schweizer Armee richtet sich stärker auf eine Kriegsführung aus, in der Drohnen, Drohnenabwehr und Robotik eine zentrale Rolle spielen. Das Verteidigungsdepartement VBS schafft dafür ein neues zivil-militärisches Zentrum, baut ein eigenes Drohnenbataillon auf und richtet eine Drohnen-Rekrutenschule ein.

Das VBS teilte am 27. August 2026 mit, dass Drohnen, Drohnenabwehr und Robotik künftig einen strategischen Schwerpunkt bilden. Das Vorhaben ist Teil der bereits im Juni beschlossenen Neuausrichtung der Armee. Der Bundesrat hatte damals festgelegt, dass bis 2028 ein erstes Drohnenbataillon aufgebaut werden soll.

Ein neues Zentrum für Drohnen und Robotik

Herzstück der neuen Strategie ist das Zentrum Unbemannte Systeme. Es soll zivile und militärische Kompetenzen zusammenführen und besteht aus einem Tech Hub sowie einem militärischen Kommando.

Im Tech Hub sollen die Bedürfnisse der Truppe mit dem technischen Wissen von armasuisse, Hochschulen, Start-ups und Industrie verbunden werden. Neue Systeme sollen gemeinsam entwickelt, getestet und möglichst rasch für den militärischen Einsatz nutzbar gemacht werden. Das militärische Kommando übernimmt unter anderem die Erprobung unter realitätsnahen Bedingungen sowie die Ausbildung für das neue Drohnenbataillon.

Das Zentrum soll nicht ausschliesslich der Armee zur Verfügung stehen. Auch andere Departemente, Kantone und Blaulichtorganisationen sollen darauf zugreifen können. Damit will das VBS die Zusammenarbeit zwischen militärischen und zivilen Stellen verbessern.

Drohnenbataillon kommt 2028

Ab 2028 soll die Armee ein eigenes Drohnenbataillon einsetzen. Es ist für Aufklärung, Wirkung und Abwehr vorgesehen. Gleichzeitig soll eine eigene Drohnen-Rekrutenschule die notwendigen Fachkenntnisse aufbauen und das Bataillon mit entsprechend ausgebildeten Angehörigen der Armee versorgen.

Der Begriff Drohnenbataillon greift dabei etwas kurz. Die Armee versteht unter unbemannten Systemen auch Robotik am Boden. Nach Angaben des VBS soll das neue Bataillon deshalb das gesamte Spektrum der entsprechenden Möglichkeiten berücksichtigen.

Die Entscheidung ist Teil der im Juni beschlossenen Neuausrichtung der Armee. Der Bundesrat bezeichnete damals unter anderem Drohnenabwehr, elektronische Kriegführung, Nachrichtenbeschaffung und den Einsatz unbemannter Systeme als Fähigkeiten, die angesichts der aktuellen Bedrohungslage prioritär ausgebaut werden sollen.

Die Schweiz investiert bereits in Drohnenabwehr

Die neue Strategie beginnt nicht bei null. Die Armee verfügt bereits über Drohnen verschiedener Grössen für die Aufklärung und hat erste Systeme zur Drohnenabwehr eingeführt. Mit dem Rüstungsprogramm 2026 sind weitere Investitionen vorgesehen.

Allein für die Abwehr von Mini-Drohnen beantragt der Bundesrat einen Verpflichtungskredit von 70 Millionen Franken. Geplant ist ein mobiles, modular aufgebautes System, das kleine Drohnen erkennen, identifizieren und neutralisieren kann. Zum Einsatz kommen sollen unterschiedliche Sensoren und Effektoren. Die Einführung bei der Truppe ist ab 2028 vorgesehen.

Darüber hinaus soll die bodengestützte Luftverteidigung ausgebaut werden. Für zwei zusätzliche Feuereinheiten des Systems IRIS-T SLM sind im Rüstungsprogramm 2026 rund eine Milliarde Franken vorgesehen. Weitere 800 Millionen Franken entfallen auf die bodengestützte Luftverteidigung kurzer Reichweite. Diese Systeme sollen unter anderem auch gegen Drohnen eingesetzt werden können.

Die Beschaffung soll schneller werden

Das VBS zieht aus der rasanten technologischen Entwicklung eine Konsequenz: Die Armee will Drohnen- und Abwehrsysteme künftig gezielter, in kleineren Stückzahlen und in kürzeren Beschaffungszyklen erwerben.

Damit soll verhindert werden, dass die Armee jahrelang an einem System festhält, während sich die Technologie bereits weiterentwickelt hat. Was sich im praktischen Einsatz bewährt, soll rasch weiterentwickelt und in die Truppe integriert werden.

Dieser Ansatz unterscheidet sich von klassischen grossen Rüstungsprojekten. Gerade bei Drohnen können sich technische Möglichkeiten innerhalb weniger Jahre stark verändern. Die Armee will deshalb stärker mit Erprobungen und kleineren Beschaffungen arbeiten.

Schweizer Industrie soll stärker eingebunden werden

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit der Schweizer Technologiebranche. Die Armee hat bereits 2024 eine Taskforce Drohnen eingerichtet. Sie soll unter anderem dazu beitragen, die Entwicklung und Produktion von Drohnen in der Schweiz voranzutreiben und Abhängigkeiten vom Ausland zu reduzieren.

Auch die ETH Zürich sieht Handlungsbedarf. Eine Studie des Center for Security Studies kommt zum Schluss, dass die Schweiz für einen Spannungs- oder Verteidigungsfall einen Produktionsverbund für militärische Kleindrohnen aufbauen könnte. Private und staatliche Akteure sollen dabei enger zusammenarbeiten.

Damit erhält die Drohnenstrategie neben der militärischen auch eine industrie- und technologiepolitische Dimension. Die Schweiz will nicht nur fertige Systeme einkaufen, sondern eigenes Wissen und eigene Fähigkeiten aufbauen.

Wer darf eine Drohne abwehren?

Eine zentrale Frage ist allerdings noch nicht geklärt: Wer ist in der Schweiz zuständig, wenn eine Drohne über einem sensiblen Objekt entdeckt wird?

Heute sind verschiedene Behörden, Stellen und teilweise auch private Betreiber von Infrastrukturen beteiligt. Das VBS hat deshalb eine interdepartementale Arbeitsgruppe eingesetzt, welche die bestehenden Zuständigkeiten und rechtlichen Grundlagen überprüfen soll.

Das Thema ist auch Gegenstand der parlamentarischen Motion 25.4410. Sie verlangt klare Zuständigkeiten beim Schutz des Schweizer Luftraums in normalen und ausserordentlichen Lagen. Die Sicherheitspolitische Kommission des Ständerats unterstützte die Motion im Mai einstimmig.

Damit geht es nicht nur um Technik. Auch die Frage, wer eine Drohne erkennen, stören oder gegebenenfalls bekämpfen darf, muss rechtlich eindeutig geregelt sein.

Teil einer grösseren Neuausrichtung

Die Drohnenstrategie steht im Zusammenhang mit einer umfassenderen Neuausrichtung der Schweizer Armee. Der Bundesrat will die Armee stärker auf die Verteidigung und auf die wahrscheinlichsten Bedrohungen ausrichten.

In den im Juni verabschiedeten Leitlinien für die Verteidigung nennt der Bundesrat insbesondere hybride Bedrohungen und Angriffe aus der Distanz. Bis 2039 sollen rund 80 Prozent der Investitionen auf die Abwehr der wahrscheinlichsten Bedrohungen ausgerichtet werden. Dazu zählen unter anderem Luftverteidigung, Drohnen und Drohnenabwehr sowie der Schutz von Netzwerken und kritischen Systemen.

Drohnen sind damit nicht mehr nur ein einzelnes Rüstungsthema. Sie werden zu einem Bestandteil der künftigen Einsatzkonzeption der Schweizer Armee.

Vom Ukrainekrieg bis zur Schweiz

Die Entwicklung ist stark durch die Erfahrungen moderner Konflikte geprägt. Kleine und kostengünstige Drohnen werden zunehmend für Aufklärung, Überwachung und Angriffe eingesetzt. Gleichzeitig entstehen neue Formen der Drohnenabwehr.

Das VBS verweist deshalb auch auf die zunehmende Bedeutung unbemannter Systeme für hybride Konflikte. Nach Angaben des Departements werden mittlerweile auch in der Schweiz vermehrt Drohnen über militärischen und kritischen Infrastrukturen festgestellt.

Wie gross diese Bedrohung konkret ist, lässt sich aus den bisher veröffentlichten Angaben allerdings nicht ableiten. Das VBS nennt keine detaillierte Statistik zu den festgestellten Drohnenflügen.

Viele Details sind noch offen

Noch nicht bekannt sind unter anderem die genaue Grösse des Drohnenbataillons, dessen Stationierungsort und die Gesamtkosten des neuen Zentrums. Auch welche konkreten Drohnensysteme künftig beschafft werden, steht noch nicht vollständig fest.

Das VBS setzt bewusst auf einen flexibleren Ansatz. Die Technologie soll zunächst getestet und anschliessend in kürzeren Zyklen beschafft werden. Gleichzeitig müssen Parlament und Bundesrat über die entsprechenden Rüstungsprogramme und finanziellen Mittel entscheiden.

Mit dem neuen Zentrum, dem Drohnenbataillon und der Drohnen-Rekrutenschule ist jedoch die strategische Richtung klar: Die Schweizer Armee will unbemannte Systeme nicht länger als Nischenfähigkeit behandeln, sondern sie systematisch in Ausbildung, Beschaffung und Einsatz integrieren.

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