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Trump greift nach Venezuelas Öl – was das für die Schweiz bedeutet

Ein Deal mit grossem Potenzial, aber vielen offenen Fragen.

USA Venezuelas ÖL
Bild: open AI

Die USA wollen über ein neues Abkommen Zugriff auf Venezuelas riesige Ölreserven erhalten. Präsident Donald Trump verspricht tiefere Benzinpreise. Für die Schweiz könnte der Deal langfristig ebenfalls interessant werden – kurzfristig dürfte er an der Zapfsäule kaum etwas verändern.

US-Präsident Donald Trump spricht vom «grössten Öl-Deal der Weltgeschichte». Nach seinen Angaben haben die USA mit Venezuela eine Vereinbarung getroffen, die US-Unternehmen eine Mehrheitsbeteiligung beziehungsweise Kontrolle über die wirtschaftliche Nutzung von Ölfeldern mit einem ausgewiesenen Potenzial von mehr als 65 Milliarden Barrel ermöglichen soll.

Venezuela verfügt über die grössten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt. Die Internationale Energieagentur und die US-Energiebehörde beziffern sie auf mehr als 300 Milliarden Barrel. Gefördert wird derzeit allerdings nur ein Bruchteil dessen, was technisch und wirtschaftlich möglich wäre. Fehlende Investitionen, marode Infrastruktur und jahrelange politische und wirtschaftliche Instabilität haben die venezolanische Ölindustrie stark geschwächt.

Was genau vereinbart wurde

Nach Angaben der venezolanischen Übergangsregierung betrifft die Vereinbarung 17 Ölfelder mit einem ausgewiesenen Potenzial von rund 65 Milliarden Barrel. Eine neu geschaffene private Gesellschaft soll diese Felder über einen langen Zeitraum entwickeln. Venezuela erwartet Investitionen von mehr als 100 Milliarden Dollar und Steuereinnahmen von über 209 Milliarden Dollar.

Viele Details sind allerdings noch offen. Der vollständige Vertrag wurde bisher nicht veröffentlicht. Unklar ist unter anderem, welche Unternehmen beteiligt sind, wer die milliardenschweren Investitionen finanziert und wie die Beteiligungs- und Abnahmebedingungen genau aussehen.

Reuters berichtet, dass die USA einen Anteil von rund 55 Prozent an der effektiven Produktion erhalten sollen. Das ist etwas anderes, als zu sagen, Washington besitze oder kontrolliere 65 Milliarden Barrel Öl. Es handelt sich um nachgewiesene Reserven beziehungsweise das Potenzial bestimmter Felder – nicht um Öl, das bereits gefördert und verfügbar wäre.

Warum Trump jetzt auf Venezuela setzt

Der Zeitpunkt des Abkommens ist kein Zufall. Die USA stehen wegen der hohen Energiepreise unter Druck. Gleichzeitig hat der Krieg mit Iran die internationalen Energiemärkte verunsichert.

Die amerikanische Regierung will deshalb zusätzliche Ölquellen erschliessen. Trump verspricht, dass mehr venezolanisches Rohöl langfristig die Benzinpreise in den USA senken werde.

Doch zwischen einem Vertrag und zusätzlichem Öl an den Tankstellen liegen Jahre. Venezuelas Förderanlagen und Raffinerien sind vielerorts in schlechtem Zustand. Die notwendige Infrastruktur muss teilweise erst wieder aufgebaut werden. Experten gehen deshalb davon aus, dass eine deutlich höhere Produktion nicht kurzfristig erreicht werden kann.

Auch die US-Ölreserven sind ein Thema

In der Debatte werden verschiedene Begriffe häufig vermischt. Die USA verfügen über grosse nachgewiesene Erdölreserven. Die strategische Ölreserve des Landes ist dagegen ein staatlicher Vorrat für Krisensituationen.

Diese strategische Reserve ist tatsächlich stark geschrumpft. Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA lag der Bestand Mitte August 2026 bei rund 293 Millionen Barrel. Damit befindet sich die strategische Reserve auf einem historisch tiefen Niveau.

Die 65 Milliarden Barrel des Venezuela-Deals dürfen deshalb nicht einfach mit der amerikanischen Notreserve verglichen werden. Es handelt sich um etwas völlig anderes: um langfristig erschliessbare beziehungsweise nachgewiesene Vorkommen.

Was bedeutet das für die Schweiz?

Für Schweizerinnen und Schweizer ist die entscheidende Frage einfacher: Wird das Benzin günstiger?

Kurzfristig wahrscheinlich nicht. Der venezolanische Deal verändert die globale Ölversorgung nicht von einem Tag auf den anderen. Die zusätzliche Förderung muss zuerst finanziert, die Infrastruktur repariert und die Produktion hochgefahren werden.

Langfristig könnte Venezuela allerdings wieder zu einem bedeutenderen Anbieter auf dem Weltmarkt werden. Mehr verfügbares Öl kann – unter sonst gleichen Bedingungen – den Preisdruck auf dem Weltmarkt reduzieren. Davon könnte auch die Schweiz profitieren.

Das Land verfügt über keine eigenen Erdölvorkommen und muss den gesamten Erdölbedarf importieren. Mineralölprodukte decken rund die Hälfte des Schweizer Energiebedarfs. Entsprechend empfindlich reagiert die Schweiz auf internationale Preisschwankungen.

Warum Ölpreise die Schweizer Teuerung beeinflussen

Der Zusammenhang war in diesem Jahr bereits sichtbar. Die Schweizerische Nationalbank stellte im Juni fest, dass die Inflation von 0,1 Prozent im Februar auf 0,6 Prozent im Mai gestiegen war. Hauptgrund waren höhere Preise für Erdölprodukte.

Auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) kam zum Schluss, dass die höheren Energiepreise die Schweizer Konjunktur belasten. Die Juni-Prognose des Bundes ging für 2026 von einem Wirtschaftswachstum von lediglich 0,9 Prozent aus. Gleichzeitig wurde eine durchschnittliche Teuerung von 0,6 Prozent erwartet.

Ein dauerhaft tieferer Ölpreis würde deshalb nicht nur Autofahrer entlasten. Auch Transporte, Heizkosten und energieintensive Produktionsprozesse könnten günstiger werden. Über diese Kanäle würde ein Teil des Effekts auch bei Konsumentinnen und Konsumenten ankommen.

Der Effekt wäre allerdings begrenzt. Der Ölpreis ist nur einer von vielen Faktoren, die die Schweizer Inflation bestimmen. Zudem enthält der Schweizer Warenkorb einen vergleichsweise kleinen Anteil an Erdöl und Erdgas. Das SECO weist darauf hin, dass der entsprechende Anteil am Schweizer Warenkorb deutlich tiefer liegt als im Euroraum.

Die Zapfsäule bleibt zunächst unter Druck

Wie stark internationale Ölpreise auf die Schweizer Tankstellen durchschlagen, zeigt die Entwicklung dieses Jahres. Laut TCS kostete Bleifrei 95 am 1. Januar 2026 durchschnittlich 1.65 Franken pro Liter. Am 20. August waren es bereits 2.02 Franken. Ende August lag der Wert bei rund 1.98 Franken.

Ein neuer grosser Öllieferant könnte langfristig helfen, solche Preisschocks abzufedern. Allerdings hängt der Benzinpreis nicht nur vom Rohöl ab. Hinzu kommen Raffineriekosten, Transport, Wechselkurse, Steuern und weitere Abgaben.

Ein Hoffnungsschimmer – aber kein Preisversprechen

Für die Schweiz liegt der wichtigste mögliche Vorteil deshalb nicht in einem unmittelbar billigeren Liter Benzin. Interessanter wäre eine grössere und breiter abgestützte weltweite Ölversorgung.

Je mehr Förderländer und Produktionskapazitäten verfügbar sind, desto geringer kann grundsätzlich die Abhängigkeit von einzelnen Krisenregionen sein. Das kann die globalen Energiemärkte stabilisieren.

Gleichzeitig bleibt der Deal politisch und rechtlich umstritten. Venezuelas Übergangsregierung verfügt über eine schwierige demokratische Legitimation. Zudem stellen sich Fragen zur Dauer des Abkommens, zu früheren Enteignungen ausländischer Unternehmen und zur Bereitschaft amerikanischer Konzerne, tatsächlich Milliarden zu investieren.

Für die Schweiz heisst es zunächst: abwarten

Der Öl-Deal zwischen Washington und Caracas ist deshalb vor allem ein langfristiges Projekt. Selbst wenn die angekündigten Investitionen tatsächlich fliessen, dürfte es Jahre dauern, bis die zusätzliche Produktion einen spürbaren Einfluss auf den Weltmarkt hat.

Für die Schweiz bleibt die Entwicklung dennoch relevant. Das Land ist vollständig von Energieimporten abhängig und bekommt internationale Ölpreisschocks über Treibstoffe, Transporte und andere Kosten zu spüren. Ein stabilerer Ölmarkt wäre deshalb auch für die Schweizer Wirtschaft eine gute Nachricht.

Doch wer heute auf tiefere Benzinpreise wegen des Venezuela-Deals hofft, dürfte enttäuscht werden. Der Vertrag ist gross – seine Wirkung auf den Weltmarkt muss erst noch entstehen.

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