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Frankreich vor der Präsidentschaftswahl 2027: Wer folgt auf Macron?

Neue Kandidaten, neue Perspektiven – die Schweiz verfolgt das Rennen

Frankreich vor der Präsidentschaftswahl
Bild: open Ai

Frankreich bereitet sich auf eine Präsidentschaftswahl ohne Emmanuel Macron vor. Der amtierende Präsident darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten. Beim ersten grossen politischen Schlagabtausch Ende August wurde bereits sichtbar, worum es im Wahlkampf 2027 gehen dürfte: Frankreichs hohe Staatsverschuldung, die Zukunft der Renten, Wirtschaftswachstum und die politische Ausrichtung des Landes.

Am Donnerstagabend trafen sieben aussichtsreiche Politikerinnen und Politiker bei einer Debatte des französischen Unternehmerverbands MEDEF aufeinander. Darunter waren Marine Le Pen vom Rassemblement National, der ehemalige Premierminister Édouard Philippe, Ex-Premier Gabriel Attal, der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon, der Sozialdemokrat Raphaël Glucksmann, die Grünen-Politikerin Marine Tondelier und der konservative Bruno Retailleau. Damit ist der französische Präsidentschaftswahlkampf noch nicht entschieden – aber er hat sichtbar an Fahrt aufgenommen. SRF bezeichnete die Debatte als Auftakt des Wahlkampfs.

Macron darf nicht mehr antreten

Emmanuel Macron wurde 2017 erstmals zum Präsidenten gewählt und 2022 für eine zweite Amtszeit bestätigt. Eine dritte unmittelbar anschliessende Amtszeit ist nach Artikel 6 der französischen Verfassung ausgeschlossen. Der Präsident wird für fünf Jahre gewählt und darf höchstens zwei Amtszeiten in Folge absolvieren.

Der genaue Wahltermin steht noch nicht fest. Die Präsidentschaftswahl findet 2027 statt; die französische Verfassung schreibt vor, dass die Wahl des Nachfolgers zwischen 20 und 35 Tagen vor Ablauf der Amtszeit des amtierenden Präsidenten stattfinden muss. Wird im ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit erreicht, folgt zwei Wochen später eine Stichwahl.

Marine Le Pen bleibt die zentrale Figur der Rechten

Eine der wichtigsten Fragen des Wahlkampfs lautet, ob Marine Le Pen tatsächlich erneut für das Präsidentenamt antreten kann. Sie hat ihre Kandidatur angekündigt und gehört derzeit zu den aussichtsreichsten Bewerberinnen.

Le Pen wurde wegen der Veruntreuung von Geldern des Europäischen Parlaments verurteilt. Ein Berufungsgericht bestätigte das Urteil, verkürzte aber die Dauer des Verbots, öffentliche Ämter auszuüben. Damit ist ihre Kandidatur für die Wahl 2027 derzeit möglich. Gleichzeitig hat Le Pen das Urteil vor dem französischen Kassationsgericht angefochten. Der Ausgang dieses Verfahrens bleibt deshalb politisch relevant.

In aktuellen Umfragen liegt Le Pen beziehungsweise das Rassemblement National vorne. Ihr stärkster Konkurrent im ersten Wahlgang ist allerdings noch nicht absehbar. Je nach Kandidatenfeld werden sowohl Édouard Philippe als auch Jean-Luc Mélenchon als mögliche Gegner in einer Stichwahl gehandelt. Eine aktuelle Reuters-Umfrage sieht sogar Mélenchon in einer möglichen zweiten Runde gegen Le Pen.

Die Mitte sucht ihren Kandidaten

Für das politische Lager rund um Macron ist die Ausgangslage kompliziert. Der Präsident selbst kann nicht erneut antreten, und seine politische Bilanz ist in der Bevölkerung umstritten. Gleichzeitig wollen sich seine möglichen Nachfolger nicht vollständig von seiner Politik distanzieren.

Besonders im Blick stehen Gabriel Attal und Édouard Philippe. Beide waren Premierminister unter Macron. Nach Angaben von SRF haben sie sich darauf verständigt, dass nur einer von ihnen kandidieren soll: Liegt einer der beiden in den Umfragen deutlich vorne, soll der andere zurückstehen.

Damit könnte sich das bürgerliche Lager in den kommenden Monaten auf einen Kandidaten konzentrieren. Noch ist jedoch offen, wer diese Rolle übernehmen wird.

Auch die Linke ist weit von einer Einigung entfernt

Auf der Linken ist das Kandidatenfeld noch breiter. Jean-Luc Mélenchon tritt erneut für La France insoumise an. Raphaël Glucksmann hat seine Kandidatur inzwischen ebenfalls erklärt und versucht, eine sozialdemokratische Alternative zur radikalen Linken aufzubauen. Die Sozialisten und die Grünen müssen ihren Kurs ebenfalls noch klären.

Gerade die Frage nach einem gemeinsamen Kandidaten könnte entscheidend werden. Tritt die Linke mit mehreren Bewerbern an, könnten sich ihre Stimmen bereits im ersten Wahlgang aufteilen. Mélenchon hofft dagegen darauf, mit seiner starken persönlichen Anhängerschaft erneut eine zentrale Rolle zu spielen.

Wirtschaft und Staatsfinanzen werden zentrale Themen

Die erste grosse Debatte hat gleichzeitig gezeigt, welche Themen den Wahlkampf bestimmen könnten. Frankreich kämpft mit hoher Staatsverschuldung und einem grossen Haushaltsdefizit. Beim Treffen mit dem Unternehmerverband MEDEF stritten die Kandidierenden deshalb über Steuern, Renten, Staatsausgaben und die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft.

Le Pen versucht dabei, ihr wirtschaftspolitisches Profil zu schärfen. Sie verspricht unter anderem Einsparungen und eine stärkere Haushaltsdisziplin. Mélenchon setzt dagegen auf einen grundsätzlich anderen wirtschaftspolitischen Kurs und hat zuletzt sogar vorgeschlagen, einen Teil der französischen Staatsschulden bei der Zentralbank zu streichen. Der Vorschlag löste heftige Kritik aus.

Auch Migration, innere Sicherheit, Frankreichs Verhältnis zur Europäischen Union, die Ukraine und die Verteidigungspolitik dürften den Wahlkampf prägen.

Warum die Wahl für die Schweiz wichtig ist

Für die Schweiz ist der Ausgang der französischen Präsidentschaftswahl besonders relevant. Frankreich ist Nachbarland, wichtiger Handelspartner und ein zentraler Akteur innerhalb der Europäischen Union. Die beiden Länder verbindet eine fast 600 Kilometer lange Grenze. Ende 2025 arbeiteten mehr als 239'000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus Frankreich in der Schweiz.

Besonders eng sind die Beziehungen in der Genferseeregion, im Jurabogen und am Oberrhein. Veränderungen in der französischen Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- oder Europapolitik können deshalb unmittelbare Auswirkungen auf die Schweiz haben.

Frankreich ist wichtig für den Schweizer EU-Kurs

Die Bedeutung geht über die bilateralen Beziehungen hinaus. Frankreich gehört zu den wichtigsten politischen Akteuren innerhalb der EU. Für die Schweiz ist das angesichts des neuen Abkommenspakets mit Brüssel besonders relevant.

Die Schweiz und die EU haben ihr Paket zur Stabilisierung und Weiterentwicklung der bilateralen Beziehungen am 2. März 2026 unterzeichnet. Der Bundesrat hat die Vereinbarungen anschliessend dem Parlament überwiesen. Dazu gehört unter anderem ein Stromabkommen, das die Zusammenarbeit und die Einbindung der Schweiz in den europäischen Strommarkt verbessern soll.

Wie sich eine künftige französische Regierung zu diesem Verhältnis stellt, könnte deshalb auch für Bern von Bedeutung sein. Ein Frankreich, das stärker auf nationale Souveränität setzt, würde innerhalb der EU andere Akzente setzen als eine Regierung, die eine engere europäische Integration anstrebt.

Noch ist alles offen

Derzeit wäre es zu früh, den Ausgang der Wahl vorherzusagen. Zwar liegt Marine Le Pen in Umfragen vorne, doch das Kandidatenfeld ist noch nicht endgültig bestimmt. Gerade die Frage, wer sich im bürgerlichen Lager durchsetzt und ob die Linke einen gemeinsamen Kandidaten findet, kann die Ausgangslage grundlegend verändern.

Fest steht aber schon jetzt: Mit dem Ende der Macron-Ära steht Frankreich vor einer politischen Zäsur. Erstmals seit zehn Jahren wird das Land einen neuen Präsidenten oder eine neue Präsidentin bekommen. Für Frankreich selbst ist dies ein Richtungsentscheid – und für die Schweiz eine Wahl, deren Folgen weit über die französische Grenze hinausreichen können.

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