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Cybersicherheit in KMU: Bedrohungslage und staatliche Unterstützung

Faktencheck: Cyberlage in der Schweiz

Cybersicherheit
Bild: OpenAi

Cyberangriffe bleiben für die Schweiz eine ernste Bedrohung

Die Cyberbedrohung in der Schweiz bleibt hoch. Im zweiten Halbjahr 2025 erhielt das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) 29'006 freiwillige Meldungen zu Cybervorfällen. Hinzu kamen 145 meldepflichtige Vorfälle aus dem Bereich der kritischen Infrastrukturen. Das BACS spricht insgesamt von einem «auf hohem Niveau stabilen» Meldeeingang.

Der aktuelle Halbjahresbericht des Bundesamts zeigt damit kein Bild einer stark zunehmenden Zahl von Cybervorfällen. Die Bedrohung bleibt jedoch vielfältig: Betrug, Phishing und Ransomware gehören weiterhin zu den wichtigsten Gefahren. Gleichzeitig beobachtet das BACS neue Angriffsmethoden und eine zunehmende Ausnutzung internationaler Software-Lieferketten.

Betrug bleibt häufigstes Phänomen

Mit 52 Prozent entfiel mehr als die Hälfte der freiwilligen Meldungen auf das Phänomen «Betrug». Allerdings hat sich die Zusammensetzung innerhalb dieser Kategorie verändert. Die seit Mitte 2023 besonders häufig beobachteten betrügerischen Anrufe im Namen von Behörden gingen laut BACS deutlich zurück.

Gleichzeitig entwickelten Cyberkriminelle neue Methoden. Das BACS beobachtete unter anderem «Voice-Phishing» und «Real-Time-Phishing». Dabei werden Opfer teilweise über betrügerische Werbeanzeigen in Suchmaschinen auf gefälschte Angebote gelenkt.

Neu traten zudem Varianten auf, die gezielt auf Schweizer Besonderheiten zugeschnitten waren. Dazu gehörten beispielsweise Phishing-Versuche im Zusammenhang mit Treuepunkteprogrammen. Auch sogenanntes «Double Phishing» wurde beobachtet. Dabei nutzen Angreifer einen bereits erfolgreichen Phishing-Angriff, um ein Opfer anschliessend ein zweites Mal zu täuschen.

Ransomware bleibt eine ernste Gefahr

Auch Erpressungssoftware bleibt für Schweizer Organisationen eine relevante Bedrohung. Im zweiten Halbjahr 2025 wurden dem BACS insgesamt 57 Ransomware-Vorfälle freiwillig oder aufgrund der Meldepflicht gemeldet.

Das BACS betont, dass Ransomware und die damit verbundene Datenerpressung weiterhin Organisationen unterschiedlichster Art treffen. Besonders auffällig war die Entwicklung der Ransomware-Variante «Akira». Ihre Aktivitäten hatten bereits im ersten Halbjahr 2025 eine wichtige Rolle gespielt und intensivierten sich in der zweiten Jahreshälfte weiter.

Eine wichtige Angriffsfläche waren dabei SonicWall-Geräte. Das BACS verweist darauf, dass Korrekturanweisungen des Herstellers nach einer bereits 2024 bekannt gewordenen Schwachstelle nicht von allen Betroffenen konsequent umgesetzt worden seien.

Software-Lieferketten geraten stärker in den Fokus

Eine weitere Entwicklung betrifft internationale Software-Lieferketten. Schweizer Organisationen waren im zweiten Halbjahr 2025 nicht nur von Schwachstellen in verbreiteten Softwareprodukten betroffen, sondern teilweise auch von kompromittierten Open-Source-Komponenten.

Das Problem ist komplex: Wird eine weit verbreitete Bibliothek mit Schadsoftware infiziert oder weist sie eine Sicherheitslücke auf, können grundsätzlich zahlreiche Anwendungen betroffen sein, die diese Komponente verwenden.

Das BACS verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf die beiden «Shai-Hulud»-Kampagnen im September und November 2025. Dabei wurden mehr als tausend npm-Pakete kompromittiert. Die betroffenen Pakete verfügten zusammen über monatliche Downloadzahlen im dreistelligen Millionenbereich.

Auch Schweizer Geräte werden für Angriffe missbraucht

Das BACS beobachtet zudem eine wachsende Zahl kompromittierter Geräte, die Teil sogenannter ORB-Netzwerke sind. Dabei handelt es sich häufig um mit Schadsoftware infizierte internetverbundene Geräte und Router.

Solche Geräte können von Angreifern für weitere Attacken genutzt werden, ohne dass ihre Besitzer davon wissen. Dadurch können auch Geräte von Privatpersonen oder Unternehmen in der Schweiz unbeabsichtigt Teil einer fremden Angriffs-Infrastruktur werden.

Das BACS empfiehlt deshalb insbesondere bei internetexponierten Geräten regelmässige Sicherheitsupdates. Die Behörde weist zudem darauf hin, dass solche Infrastrukturen nicht nur von Cyberkriminellen genutzt werden. Bereits 2024 zeigte sich international, dass staatliche Akteure ORB-Netzwerke auch für Spionage- und Sabotageaktivitäten einsetzen.

Keine explosionsartige Zunahme der Cybervorfälle

Trotz der unterschiedlichen Bedrohungen zeichnet der Bericht kein Bild einer explosionsartigen Zunahme von Cybervorfällen in der Schweiz. Das BACS bezeichnet die Auswirkungen der Cyberbedrohungslage auf die Schweiz trotz des zunehmend angespannten geopolitischen Umfelds als «relativ stabil».

Auch die Cyberresilienz der Schweiz wird vom Bundesamt insgesamt als grösstenteils robust beurteilt. Das bedeutet allerdings nicht, dass einzelne Unternehmen oder Behörden vor schweren Angriffen geschützt wären. Gerade Ransomware, Phishing und kompromittierte Software können erhebliche Schäden verursachen.

Was bedeutet das für Schweizer Unternehmen?

Der Bericht weist keine überdurchschnittliche Betroffenheit bestimmter Unternehmensgrössen aus. Eine spezielle Häufung von Ransomware-Angriffen auf KMU lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen deshalb nicht ableiten.

Für kleinere und mittlere Unternehmen bleibt die Entwicklung dennoch relevant. Entscheidend ist weniger die Unternehmensgrösse als die Frage, wie gut Systeme, Mitarbeitende und Daten geschützt sind. Ein erfolgreicher Cyberangriff kann für jedes Unternehmen erhebliche operative und finanzielle Folgen haben.

Grundlegende Schutzmassnahmen bleiben deshalb wichtig: Sicherheitsupdates sollten zeitnah installiert, Backups regelmässig erstellt und wichtige Systeme möglichst voneinander getrennt werden. Auch die Zwei-Faktor-Authentifizierung und die Sensibilisierung der Mitarbeitenden gegen Phishing gehören zu den zentralen Sicherheitsmassnahmen.

Bundesrat arbeitet an neuen Regeln

Auch auf politischer Ebene soll die Cyberresilienz verbessert werden. Der Bundesrat beauftragte das BACS im August 2025 gemeinsam mit dem Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) und dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), bis Herbst 2026 eine Vernehmlassungsvorlage für eine neue Gesetzgebung zur Cyberresilienz digitaler Produkte auszuarbeiten.

Im Mittelpunkt stehen Sicherheitsanforderungen für Produkte mit digitalen Elementen. Zudem sollen Regeln für die Marktüberwachung geschaffen und Grundlagen für ein mögliches Verbot des Imports und Vertriebs unsicherer Geräte geschaffen werden.

Die geplante Schweizer Regelung soll sich am europäischen Cyber Resilience Act orientieren. Gleichzeitig will der Bundesrat die administrative Belastung der Unternehmen möglichst gering halten und vermeiden, dass international tätige Schweizer Unternehmen mit voneinander abweichenden Vorgaben konfrontiert werden.

Für die meisten Unternehmen bleibt die Meldung freiwillig

Eine allgemeine Meldepflicht für sämtliche Unternehmen besteht derzeit nicht. Meldepflichtige Cybervorfälle betreffen insbesondere Betreiberinnen und Betreiber kritischer Infrastrukturen. Im zweiten Halbjahr 2025 gingen beim BACS 145 entsprechende Meldungen ein.

Unternehmen und Privatpersonen können Cybervorfälle jedoch freiwillig an das BACS melden. Diese Meldungen sind für den Bund wichtig, weil sie helfen, ein möglichst umfassendes Bild der aktuellen Bedrohungslage zu erstellen.

Die Cyberbedrohung bleibt hoch

Der Halbjahresbericht zeigt damit ein ambivalentes Bild. Die Zahl der Meldungen bleibt insgesamt auf hohem Niveau stabil, gleichzeitig entwickeln Cyberkriminelle ihre Methoden laufend weiter.

Phishing wird gezielter, Ransomware bleibt eine ernsthafte Gefahr und internationale Software-Lieferketten eröffnen neue Angriffsmöglichkeiten. Hinzu kommen kompromittierte Geräte, die unbemerkt für weitere Angriffe missbraucht werden können.

Für die Schweiz bedeutet das: Eine dramatische Verschlechterung der Gesamtlage lässt sich aus den aktuellen Zahlen nicht ableiten. Entwarnung gibt das BACS aber ebenfalls nicht. Die Widerstandsfähigkeit der Unternehmen, Behörden und privaten Nutzer bleibt ein zentraler Bestandteil der Schweizer Cybersicherheit.

Quellen

  • Bundesamt für Cybersicherheit (BACS): Halbjahresbericht 2025/2, veröffentlicht am 30. März 2026.
  • Bundesamt für Cybersicherheit (BACS): Aktuelle Zahlen zu freiwilligen und meldepflichtigen Cybervorfällen.
  • Bundesrat: «Der Bundesrat will die Cyberresilienz von digitalen Produkten stärken», 20. August 2025.

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