Wissenschaft09:15 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 5 Min.0 Kommentare

Forschung im Bund: Wie sich die Ausgaben für Forschung und Entwicklung verändern

Eine neue BFS-Zeitreihe reicht bis 2025. Die eigenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten des Bundes sind im Vergleich zur Privatwirtschaft und zu den Hochschulen klein – konzentrieren sich aber auf wenige staatliche Einrichtungen.

Eine Forscherin untersucht Getreideähren in einem landwirtschaftlichen Labor neben einem Gewächshaus.
KI-generiert mit OpenAI

Was bedeutet Forschung und Entwicklung?

Forschung und Entwicklung umfasst systematische Arbeiten, mit denen neues Wissen gewonnen oder bestehende Erkenntnisse für neue Anwendungen genutzt werden. Dazu gehören sowohl Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung und die Entwicklung neuer Produkte oder Verfahren.

Bei der Grundlagenforschung geht es vor allem um neue wissenschaftliche Erkenntnisse, ohne dass bereits eine konkrete Anwendung feststehen muss. Die angewandte Forschung verfolgt dagegen einen bestimmten Zweck. Die experimentelle Entwicklung nutzt vorhandenes Wissen, um beispielsweise neue Produkte, Verfahren oder Produktionsprozesse zu entwickeln.

Die BFS-Zeitreihe betrachtet dabei die sogenannten Intramuros-Ausgaben. Gemeint sind Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, die eine Organisation selbst durchführt. Beim Bund umfasst dies die Bundesämter und rechtlich unabhängige Bundesanstalten, die eigene Forschungsarbeiten durchführen. citeturn0search0

Drei unterschiedlich grosse Stapel von Forschungsunterlagen stehen zwischen Laborgeräten.
KI-generiert mit OpenAI

Der Bund ist ein kleiner Forschungsakteur

Im Jahr 2023 beliefen sich die eigenen Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung auf 239 Millionen Franken. Damit lag der Bund deutlich hinter den beiden grossen Forschungssektoren der Schweiz.

Die Privatwirtschaft gab im selben Jahr 17,958 Milliarden Franken für eigene Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten aus. Die Hochschulen kamen auf 7,359 Milliarden Franken. Der Bund lag damit bei weniger als einem Prozent der gesamten Intramuros-Ausgaben der Schweiz. citeturn0search2

Sektor Eigene Forschung und Entwicklung 2023 Privatwirtschaft 17,958 Mrd. Franken Hochschulen 7,359 Mrd. Franken Bund 239 Mio. Franken

Der Vergleich zeigt damit weniger eine Konkurrenz zwischen den Sektoren als die unterschiedliche Funktion, die sie im Schweizer Forschungssystem haben. Unternehmen investieren vor allem in Forschung und Entwicklung mit wirtschaftlicher Anwendung, während die Hochschulen einen grossen Teil ihrer Ressourcen in wissenschaftliche Grundlagenforschung stecken. Der Bund wiederum konzentriert seine eigenen Forschungsaktivitäten auf bestimmte staatliche Aufgabenbereiche.

Die Ausgaben des Bundes sind langfristig gestiegen

Die BFS-Zeitreihe reicht bis ins Jahr 2000 zurück und macht damit eine längerfristige Betrachtung möglich. Die verfügbaren Erhebungsdaten zeigen, dass die eigenen Forschungs- und Entwicklungsausgaben des Bundes über längere Zeit deutlich zugenommen haben.

2000 lagen die entsprechenden Ausgaben bei rund 139 Millionen Franken. 2019 waren es 214 Millionen und 2021 bereits 231 Millionen Franken. Zwischen 2019 und 2021 entsprach dies einer durchschnittlichen jährlichen Zunahme von rund vier Prozent. citeturn0search0

Für die Einordnung ist allerdings wichtig: Die Beträge sind zu laufenden Preisen ausgewiesen und damit nicht um die Inflation bereinigt. Ein Anstieg der nominalen Ausgaben bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die reale Forschungsleistung im gleichen Ausmass zugenommen hat.

Ein grosser Teil entfällt auf das WBF

Die Forschung des Bundes ist stark konzentriert. Bereits 2021 entfielen 77 Prozent der internen Forschungs- und Entwicklungsausgaben des Bundes auf das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF).

Das entspricht 178 Millionen Franken. Dahinter folgen das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) und das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) mit jeweils rund sieben Prozent. Die übrigen Bundesstellen kamen zusammen auf acht Prozent. citeturn0search0

Der hohe Anteil des WBF hängt insbesondere mit Agroscope zusammen. Das Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung ist eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen innerhalb der Bundesverwaltung.

Der Bund betreibt fast ausschliesslich angewandte Forschung

Besonders deutlich wird der Unterschied zu den Hochschulen bei der Art der Forschung. 2021 entfielen beim Bund rund 99 Prozent der eigenen Forschungs- und Entwicklungsausgaben auf angewandte Forschung.

Auf die Grundlagenforschung entfiel lediglich rund ein Prozent, auf die experimentelle Entwicklung ebenfalls rund ein Prozent. Bei den Hochschulen war das Verhältnis nahezu umgekehrt: Rund 77 Prozent ihrer Forschungs- und Entwicklungsausgaben entfielen 2021 auf Grundlagenforschung. citeturn0search0

Das ist kein Zufall. Die Forschung des Bundes ist häufig direkt mit konkreten staatlichen Aufgaben verbunden – etwa Landwirtschaft, Gesundheit, Umwelt, Verteidigung oder gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragestellungen.

Was die Zeitreihe nicht zeigt

Die Zahlen dürfen nicht mit den gesamten Forschungsausgaben des Bundes gleichgesetzt werden. Die BFS-Zeitreihe misst die Forschung und Entwicklung, die der Bund selbst durchführt.

Davon zu unterscheiden sind beispielsweise Forschungsgelder, die der Bund an Hochschulen, Unternehmen oder andere Institutionen vergibt. Solche extern finanzierten Forschungsaktivitäten können in anderen statistischen Kategorien erfasst werden.

Wer deshalb nur auf die 239 Millionen Franken des Jahres 2023 schaut, unterschätzt die Bedeutung des Bundes für das Schweizer Forschungssystem. Die Zahl sagt vor allem etwas über die Grösse des Forschungsapparats innerhalb des Bundes aus – nicht über sämtliche Forschung, die mit Bundesmitteln ermöglicht wird.

Die Schweizer Forschung wird vor allem von Unternehmen und Hochschulen getragen

Das Gesamtbild der Schweizer Forschungslandschaft ist entsprechend klar. 2023 entfielen rund 17,96 Milliarden Franken der internen Forschungs- und Entwicklungsausgaben auf die Privatwirtschaft. Die Hochschulen kamen auf 7,36 Milliarden Franken. Der Bund folgte mit 239 Millionen Franken weit abgeschlagen. citeturn0search2

Besonders stark ist die Rolle der Pharmaindustrie innerhalb der Privatwirtschaft. 2021 entfielen dort rund 6,2 Milliarden Franken auf Forschung und Entwicklung. Auch Informations- und Kommunikationstechnologien sowie weitere technologieintensive Branchen tragen erheblich zur Schweizer Forschungsleistung bei. citeturn0search0

Die Schweiz verfügt damit über ein Forschungssystem, das stark auf Unternehmen und Hochschulen verteilt ist. Der Bund übernimmt innerhalb dieses Systems eine kleinere, aber gezielte Rolle.

Warum die Entwicklung trotzdem relevant ist

Die vergleichsweise geringe Summe sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass staatliche Forschung für bestimmte Bereiche eine besondere Bedeutung hat. Wo Forschung unmittelbar mit staatlichen Aufgaben verbunden ist, kann der Bund eigenes Wissen benötigen, das nicht allein von Unternehmen oder Hochschulen bereitgestellt wird.

Genau hier liegt der Wert der neuen BFS-Zeitreihe: Sie zeigt nicht einfach, wie viel die Schweiz insgesamt für Forschung ausgibt. Sie macht sichtbar, wie sich die eigene Forschungsleistung des Bundes über einen langen Zeitraum entwickelt und wo innerhalb der Bundesverwaltung die entsprechenden Aktivitäten angesiedelt sind.

Eine kleine Summe mit klarer Funktion

Die Zahlen ergeben damit ein differenziertes Bild. Die eigenen Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung sind im Verhältnis zur gesamten Schweizer Forschungsleistung klein. Gleichzeitig sind sie stark auf angewandte Forschung und auf wenige Einrichtungen konzentriert.

Die neue Zeitreihe bis 2025 ermöglicht erstmals einen langen Blick auf diese Entwicklung. Für die Bewertung eines einzelnen Jahres muss allerdings zwischen nominalem Ausgabenwachstum, tatsächlicher Forschungsleistung und der gesamten Forschungsfinanzierung des Bundes unterschieden werden.

Die zentrale Erkenntnis lautet deshalb nicht, dass der Bund wenig für Forschung ausgibt. Entscheidend ist vielmehr, welche Forschung der Bund selbst betreibt – und welche Forschung er über andere Institutionen finanziert. Erst zusammen ergeben beide Bereiche ein vollständiges Bild der Rolle des Staates im Schweizer Forschungssystem.

Quellen

  • Bundesamt für Statistik (BFS), Zeitreihe «Intramuros-Forschung und Entwicklung des Bundes – 2000–2025».
  • Bundesamt für Statistik, «Forschung und Entwicklung in der Schweiz», Daten zu den Intramuros-Ausgaben.
  • Bundesamt für Statistik, Synthese Schweiz, Ausgabe 2023/2025.

Artikel teilen

Fehler im Artikel melden

Vielen Dank für Ihren Hinweis. Bitte beschreiben Sie den Fehler so genau wie möglich.

PNG, JPG oder WebP, max. 5 MB

Kommentare

Melden Sie sich an, um mitzudiskutieren.

Noch keine Kommentare. Schreiben Sie den ersten.