Mietpreise in der Schweiz: Datenlage unklar
Neue Zahlen des BFS stehen aus – Behauptungen nicht verifiziert

Wohnungsnot in der Schweiz: Leerstand sinkt auf nur noch 1 Prozent
Der Schweizer Wohnungsmarkt wird zunehmend knapp. 2025 ist die Leerwohnungsziffer auf genau 1 Prozent gefallen. Gleichzeitig steigen die Mieten weiter – insbesondere für Wohnungen, die neu auf den Markt kommen. Die offiziellen Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen damit ein anderes Bild als die bisherige Darstellung: Die Daten liegen bereits vor, doch zwischen bestehenden Mietverhältnissen und neuen Mietangeboten muss unterschieden werden.
Nur noch eine von hundert Wohnungen steht leer
Am 1. Juni 2025 wurden in der Schweiz 48'455 leer stehende Wohnungen gezählt. Das entspricht einer Leerwohnungsziffer von genau 1 Prozent des gesamten Wohnungsbestands. Gegenüber dem Vorjahr ging die Zahl der leer stehenden Wohnungen um 3'519 oder 6,8 Prozent zurück.
Damit setzte sich ein Trend fort, der bereits seit mehreren Jahren anhält. Die Leerwohnungsziffer ist seit 2021 jedes Jahr gesunken. Insgesamt ging sie in diesem Zeitraum um 0,72 Prozentpunkte zurück. Die Schweiz verfügt damit über deutlich weniger verfügbare Wohnungen als noch vor einigen Jahren.
Besonders angespannt ist die Situation in den grossen Städten und wirtschaftlich attraktiven Regionen. Am 1. Juni 2025 lag die Leerwohnungsziffer beispielsweise in Genf bei nur 0,34 Prozent, in Zug bei 0,42 Prozent und im Kanton Zürich bei 0,48 Prozent.
Demgegenüber weisen einzelne Regionen weiterhin deutlich höhere Leerstände auf. Im Jura lag die Quote bei 3,03 Prozent, in Solothurn bei 2,05 Prozent. Der Schweizer Durchschnitt verdeckt deshalb erhebliche regionale Unterschiede.
Auch das Angebot an Mietwohnungen schrumpft
Besonders deutlich zeigt sich die Knappheit bei den Mietwohnungen. Am Stichtag 1. Juni 2025 wurden 37'194 unbewohnte Wohnungen zur Miete angeboten. Das waren 3'229 weniger als ein Jahr zuvor – ein Rückgang von rund 8 Prozent.
Die Entwicklung ist deshalb relevant, weil die Leerwohnungsziffer nicht einfach misst, wie viele Wohnungen physisch unbewohnt sind. Das BFS berücksichtigt nur Wohnungen, die tatsächlich zur Dauermiete oder zum Kauf angeboten werden. Eine leer stehende Wohnung, die beispielsweise für einen späteren Eigenbedarf zurückgehalten wird, fliesst nicht in die Leerwohnungsziffer ein.
Die Statistik beschreibt somit vor allem, wie viel Wohnraum auf dem Markt verfügbar ist. Und genau dieses Angebot wird in vielen Regionen immer kleiner.
Die Mieten steigen – aber nicht überall gleich
Bei den Mietpreisen ist eine wichtige Unterscheidung notwendig. Der Mietpreisindex des BFS misst die Entwicklung der Mieten bestehender Mietwohnungen und ist Bestandteil des Landesindexes der Konsumentenpreise. Er wird vierteljährlich erhoben.
Die offiziellen BFS-Zahlen zeigen, dass die Wohnungsmieten auch 2026 weiter zur Teuerung beitragen. Im Mai 2026 lagen die Wohnungsmieten im Mietpreisindex 1,1 Prozent über dem Vorjahresmonat. Im Februar 2026 betrug der Anstieg 1,2 Prozent.
Die häufig genannte Zahl von 2,3 Prozent sollte dagegen nicht einfach als «Mietpreisanstieg 2025» bezeichnet werden. Sie stammt aus einer anderen Statistik: Nach Angaben von Fahrländer Partner Raumentwicklung stiegen die Mieten bei Neuverträgen für Neubauwohnungen im vierten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahresquartal um 2,3 Prozent. Bei Altbauwohnungen betrug der Anstieg sogar 3,8 Prozent.
Für Wohnungssuchende kann diese Entwicklung besonders relevant sein. Wer bereits seit Jahren in derselben Wohnung lebt, erlebt eine andere Preisentwicklung als jemand, der heute eine neue Wohnung sucht.
Warum Wohnungssuchende den Preisdruck stärker spüren können
Der Unterschied zwischen Bestandsmieten und Angebotsmieten ist entscheidend. Der BFS-Mietpreisindex bildet die Entwicklung der Mieten im bestehenden Wohnungsbestand ab. Bei einer neuen Wohnung auf dem Markt kann der Preis dagegen stärker von der aktuellen Nachfrage und dem knappen Angebot beeinflusst werden.
Aktuelle Marktdaten bestätigen diesen Druck. Der Homegate-Mietindex von Swiss Marketplace Group und Zürcher Kantonalbank zeigte im Juni 2026 einen Anstieg der Angebotsmieten um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In einzelnen Kantonen fiel der Anstieg deutlich höher aus.
Diese Zahlen sind allerdings nicht direkt mit dem BFS-Mietpreisindex vergleichbar. Sie messen unterschiedliche Bereiche des Mietwohnungsmarktes. Gerade deshalb sollte eine Berichterstattung über die Wohnkosten nicht nur eine einzige Prozentzahl nennen.
Der Referenzzinssatz entlastet die Mieter – zumindest teilweise
Eine wichtige Rolle für bestehende Mietverhältnisse spielt der hypothekarische Referenzzinssatz. Er liegt seit September 2025 bei 1,25 Prozent und blieb auch bei der Publikation vom 1. Juni 2026 unverändert.
Sinkt der Referenzzinssatz, kann dies grundsätzlich einen Anspruch auf eine Mietzinssenkung auslösen. Umgekehrt können steigende Referenzzinssätze zu Mietzinserhöhungen führen. Allerdings hängt die tatsächliche Miete eines einzelnen Mietverhältnisses von weiteren Faktoren ab, darunter dem bisherigen Referenzzinssatz, der Teuerung sowie den Unterhalts- und Betriebskosten.
Die jüngsten Zinssenkungen haben deshalb nicht automatisch zu einer gleich starken Entlastung aller Mieterinnen und Mieter geführt.
Was plant der Bundesrat?
Von einer klassischen «Mietpreisbremse» nach deutschem Vorbild kann in der Schweiz derzeit nicht gesprochen werden. Das Schweizer Mietrecht kennt bereits Regeln gegen missbräuchliche Mietzinse und sieht verschiedene Mechanismen zur Begrenzung von Mietzinsanpassungen vor.
Gleichzeitig ist das Mietrecht politisch stark umstritten. Der Bundesrat arbeitet 2026 unter anderem an einer Überprüfung des Mietzinsmodells. Dabei geht es um die Frage, wie Mietzinse künftig angepasst werden sollen und ob das bisherige Modell noch ausreichend der heutigen Realität entspricht.
Zudem hat der Bundesrat Anfang 2026 eine Anpassung der Regeln zur zulässigen Rendite im Mietrecht vorbereitet. Damit soll insbesondere die Rechtssicherheit bei der Berechnung zulässiger Renditen verbessert werden.
Im Parlament laufen daneben verschiedene Vorstösse zum Mietrecht. Sie reichen von Massnahmen gegen missbräuchliche Mieten bis zu Forderungen nach stärkeren Rechten für Mieterinnen und Mieter.
Wohnungsknappheit bleibt das zentrale Problem
Die Zahlen des BFS zeigen vor allem eines: Das Problem des Schweizer Wohnungsmarktes ist nicht allein die Frage, wie stark die durchschnittliche Miete steigt. Entscheidend ist auch, wie viele Wohnungen überhaupt verfügbar sind.
Wenn die Leerwohnungsziffer auf 1 Prozent sinkt und gleichzeitig immer weniger Mietwohnungen angeboten werden, verschärft sich die Situation insbesondere für Menschen, die eine neue Wohnung suchen. Besonders betroffen sind Haushalte mit tieferer Kaufkraft, Familien und Personen, die aus beruflichen oder persönlichen Gründen ihren Wohnort wechseln müssen.
Das Bundesamt für Wohnungswesen bezeichnet die Lage auf dem Schweizer Wohnungsmarkt denn auch als angespannt. Besonders für Wohnungssuchende mit tiefer Kaufkraft ist die Knappheit deutlich spürbar.
Für Mieter ist die Entwicklung wichtiger als die Inflationsrate
Die allgemeine Teuerung vermittelt dabei nur einen Teil des Bildes. Die durchschnittliche Jahresteuerung in der Schweiz lag 2025 bei lediglich 0,2 Prozent. Trotzdem können einzelne Haushalte deutlich stärker belastet werden, wenn ihre Miete steigt oder sie eine neue Wohnung suchen müssen.
Das liegt daran, dass der Landesindex der Konsumentenpreise einen breiten Warenkorb abbildet. Ein einzelner Haushalt gibt aber nicht exakt gleich viel für alle Güter und Dienstleistungen aus wie der statistische Durchschnittshaushalt.
Für eine Familie, die einen grossen Teil ihres Einkommens für Wohnen aufwendet, kann eine Mietsteigerung deshalb wesentlich stärker ins Budget fallen als die allgemeine Teuerungsrate vermuten lässt.
Die Schweiz hat ein regionales Wohnungsproblem
Die offiziellen Zahlen machen zudem deutlich, dass es nicht den einen Schweizer Wohnungsmarkt gibt. Zwischen Genf, Zürich, Zug, dem Mittelland, der Westschweiz und strukturschwächeren Regionen bestehen erhebliche Unterschiede.
Während einzelne Kantone Leerwohnungsziffern von deutlich über 2 Prozent aufweisen, herrscht in anderen Regionen nahezu Vollvermietung. Gerade dort, wo Arbeitsplätze und Bevölkerung besonders stark wachsen, ist der verfügbare Wohnraum knapp.
Das stellt die Politik vor ein schwieriges Problem: Mehr Schutz vor Mietsteigerungen kann kurzfristig einzelne Haushalte entlasten. Gleichzeitig braucht es aber zusätzlichen Wohnraum, damit sich das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage langfristig verbessert.
Was die Zahlen für die Schweiz bedeuten
Die neuesten verfügbaren Daten zeichnen ein klares Bild: Die Schweizer Wohnungsknappheit hat sich weiter verschärft. Die Leerwohnungsziffer ist 2025 auf 1 Prozent gefallen. Gleichzeitig nimmt das Angebot an leer stehenden Mietwohnungen ab.
Die durchschnittlichen Mieten im bestehenden Wohnungsbestand steigen weiterhin, während sich die Situation bei Neuvermietungen in vielen Regionen noch angespannter präsentiert. Eine einzelne Zahl wie «2,3 Prozent Mietanstieg» reicht deshalb nicht aus, um den gesamten Schweizer Mietmarkt zu beschreiben.
Für Mieterinnen und Mieter bleibt vor allem die Kombination aus knappem Angebot, steigenden Angebotsmieten und hohen Wohnkosten problematisch. Der Referenzzinssatz von 1,25 Prozent kann bestehende Mietverhältnisse teilweise entlasten, löst aber das grundsätzliche Problem der Wohnungsknappheit nicht.
Fazit
Die ursprüngliche Darstellung, wonach für 2025 noch keine offiziellen Zahlen zur Wohnsituation vorliegen, ist überholt. Das BFS hat die Leerwohnungszahlen 2025 bereits veröffentlicht. Die Leerwohnungsziffer liegt bei 1 Prozent – dem fünften Rückgang in Folge.
Auch bei den Mieten liegen aktuelle offizielle Daten vor. Sie zeigen einen weiteren Anstieg der Wohnungsmieten, während gleichzeitig der verfügbare Wohnraum knapp bleibt.
Die entscheidende Frage für die Schweiz lautet deshalb weniger, ob es überhaupt einen Anstieg der Mieten gibt. Die Zahlen bestätigen ihn. Die politische Herausforderung besteht vielmehr darin, wie zusätzlicher Wohnraum geschaffen, bestehender Wohnraum bezahlbar gehalten und Mieterinnen und Mieter vor missbräuchlichen Mietzinsen geschützt werden können.
Eine einfache Lösung gibt es nicht. Mietrecht, Wohnungsbau, Zuwanderung, Raumplanung, Finanzierung und regionale Unterschiede greifen ineinander. Klar ist aber: Mit einer Leerwohnungsziffer von nur einem Prozent bleibt der Schweizer Wohnungsmarkt auch 2026 angespannt.
Quellen
- Bundesamt für Statistik (BFS): Leerwohnungszählung 2025 – 48'455 Leerwohnungen, Leerwohnungsziffer 1,0 Prozent.
- Bundesamt für Statistik (BFS): Mietpreisindex – vierteljährliche Erhebung der Mietpreise in der Schweiz.
- Bundesamt für Statistik (BFS): Landesindex der Konsumentenpreise – Wohnungsmieten und Jahresteuerung 2025.
- Bundesamt für Wohnungswesen (BWO): Hypothekarischer Referenzzinssatz – aktueller Satz 1,25 Prozent.
- Bundesamt für Wohnungswesen (BWO): Mietrechtspolitik und laufende Arbeiten zur Weiterentwicklung des Mietrechts.
- Fahrländer Partner Raumentwicklung (FPRE): Entwicklung der Neuvertragsmieten im vierten Quartal 2025.


