Offline-Kartenzahlungen: Branchenlösung stärkt Versorgungssicherheit
Neue Branchenlösung in Bern lanciert

In der Schweiz sollen wichtige Einkäufe künftig auch dann mit Karte bezahlt werden können, wenn die Datenverbindung ausfällt. Banken, Zahlungsdienstleister und Detailhändler haben am 24. August 2026 in Bern eine freiwillige Branchenlösung für Offline-Kartenzahlungen lanciert. Ziel ist es, den elektronischen Zahlungsverkehr auch bei technischen Störungen aufrechtzuerhalten.
Die Lösung wurde unter Federführung der Wirtschaftlichen Landesversorgung (WL) und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) entwickelt. Sie soll vor allem dann greifen, wenn eine vorübergehende Störung der Daten- oder Kommunikationsverbindungen den normalen elektronischen Zahlungsverkehr unterbricht.
So funktioniert das Bezahlen ohne Verbindung
Bei einer Offline-Kartenzahlung wird die Transaktion direkt am Zahlterminal gespeichert. Eine bestehende Verbindung zum Zahlungsanbieter ist in diesem Moment nicht erforderlich. Sobald die Verbindung wieder funktioniert, wird die gespeicherte Transaktion übermittelt und verarbeitet.
Für die Kundinnen und Kunden gibt es dabei eine wichtige Einschränkung: Offline-Zahlungen sind ausschliesslich mit physischen Debit- oder Kreditkarten und einer PIN möglich. Mobile Bezahldienste mit Smartphone oder Smartwatch können für diese Offline-Lösung nicht verwendet werden. Auch die Karte selbst muss die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen.
Die bestehenden Zahlterminals im Detailhandel müssen für das Verfahren neu konfiguriert werden. Gleichzeitig benötigen sie weiterhin eine Stromversorgung. Diese kann über das normale Stromnetz, einen Akku oder einen Generator erfolgen.

Nur für lebenswichtige Güter
Die neue Lösung ist nicht für sämtliche Einkäufe vorgesehen. Sie soll vor allem die Versorgung der Bevölkerung mit lebenswichtigen Gütern sicherstellen. Dazu gehören Lebensmittel, Medikamente und Treibstoff.
Damit soll verhindert werden, dass ein Ausfall der Datenverbindungen den Handel vollständig zum Stillstand bringt. Bargeld bleibt dabei weiterhin eine wichtige Alternative. Die Offline-Kartenzahlung ergänzt das bestehende Zahlungssystem und ersetzt weder Bargeld noch den normalen elektronischen Zahlungsverkehr.
Einführung bis Ende 2027 geplant
Die Einführung erfolgt auf freiwilliger Basis. In einer gemeinsamen Absichtserklärung haben sich Banken, Unternehmen aus der Zahlungsverkehrsbranche und Detailhändler dazu bekannt, Offline-Kartenzahlungen schrittweise zu ermöglichen.
Ein Grossteil des Lebensmittelhandels ist laut den beteiligten Behörden bereits von der Zustimmung zur Branchenlösung abgedeckt. Weitere Detailhändler können sich anschliessen. Ziel ist eine breite Einführung in der Schweiz bis Ende 2027.
Schweizer Lösung im europäischen Vergleich
Offline-Kartenzahlungen werden bereits in Schweden eingesetzt. Auch weitere nordeuropäische Länder führen entsprechende Lösungen ein. Nach Angaben des Bundes ist die Schweiz das erste Land in Zentraleuropa mit einer breit abgestützten Branchenlösung zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit des elektronischen Zahlungsverkehrs.
Mehr Sicherheit bei technischen Ausfällen
Die neue Branchenlösung soll vor allem in ausserordentlichen Situationen helfen. Wenn Daten- oder Kommunikationsverbindungen vorübergehend ausfallen, bleibt damit eine bargeldlose Zahlungsmöglichkeit für wichtige Güter erhalten.
Für die Kundinnen und Kunden soll sich im Normalbetrieb nichts ändern. Erst bei einer Unterbrechung der Verbindung kommt die Offline-Funktion zum Einsatz. Damit wollen die beteiligten Unternehmen und Behörden den Zahlungsverkehr widerstandsfähiger machen und gleichzeitig die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern sicherstellen.



