Raiffeisen Schweiz streicht bis zu 180 Stellen
Sparprogramm mit 60 Millionen Franken bis 2027

Raiffeisen spart 60 Millionen Franken – trotz starkem Gewinnwachstum
Raiffeisen Schweiz will bis 2027 rund 60 Millionen Franken bei Personal- und Sachkosten einsparen. Bis zu 180 Stellen sind bei Raiffeisen Schweiz betroffen. Gleichzeitig erzielt die Raiffeisen-Gruppe im ersten Halbjahr 2026 einen Reingewinn von 659,3 Millionen Franken – 18,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Stellenabbau ist damit nicht die Folge eines Gewinneinbruchs, sondern Teil einer organisatorischen Neuausrichtung und eines Effizienzprogramms.
Die Nachricht kommt auf den ersten Blick überraschend: Eine Bank meldet einen deutlich höheren Gewinn und kündigt gleichzeitig einen Abbau von Arbeitsplätzen an. Bei Raiffeisen Schweiz geht es jedoch nicht um eine akute Krise. Das Unternehmen will seine Kostenstruktur langfristig verbessern und sich organisatorisch neu aufstellen.
Bis zu 180 Stellen bei Raiffeisen Schweiz betroffen
Raiffeisen Schweiz will im Jahr 2027 insgesamt rund 60 Millionen Franken bei Personal- und Sachkosten einsparen. Im Zuge dieser Massnahmen können bei Raiffeisen Schweiz bis zu 180 Stellen wegfallen.
Der Abbau soll nach Angaben des Unternehmens möglichst sozialverträglich erfolgen. Mehr als die Hälfte der betroffenen Stellen könne über natürliche Fluktuation, die Streichung nicht besetzter Stellen, eine Reduktion externer Arbeitskräfte und Frühpensionierungen abgebaut werden.
Damit ist die Zahl von 180 Stellen als Maximalzahl zu verstehen. Es bedeutet nicht, dass 180 Mitarbeitende zwingend entlassen werden. Wie viele Arbeitsplätze tatsächlich wegfallen, hängt von der Umsetzung der einzelnen Massnahmen ab.
Der Abbau betrifft Raiffeisen Schweiz – nicht die gesamte Gruppe
Eine wichtige Unterscheidung ist dabei notwendig: Die angekündigten Stellenreduktionen betreffen Raiffeisen Schweiz. Sie sind nicht als Stellenabbau bei allen lokalen Raiffeisenbanken zu verstehen.
Raiffeisen Schweiz ist die zentrale Organisation der Gruppe. Sie übernimmt unter anderem übergreifende Dienstleistungen und unterstützt die eigenständigen Raiffeisenbanken. Die einzelnen Raiffeisenbanken sind rechtlich eigenständige Genossenschaften.
Die gesamte Raiffeisen-Gruppe beschäftigt rund 13'000 Mitarbeitende. Die Zahl von bis zu 180 betroffenen Stellen bezieht sich dagegen auf Raiffeisen Schweiz.
Warum spart eine Bank, die deutlich mehr verdient?
Genau diese Frage steht im Mittelpunkt der aktuellen Ankündigung.
Raiffeisen Schweiz begründet das Programm mit dem Ziel, das Kosten-Ertrags-Verhältnis nachhaltig auf einem guten Niveau zu halten. Gleichzeitig soll die Organisation effizienter werden und die Raiffeisenbanken noch besser unterstützen.
Der Stellenabbau ist deshalb nicht mit einem Einbruch des Geschäfts zu erklären. Im Gegenteil: Die Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr war laut Raiffeisen sehr positiv.
Die Bank will vielmehr ihre Strukturen anpassen und Kosten dauerhaft reduzieren. Besonders in einem stark digitalisierten Finanzsektor können Prozesse, IT-Strukturen und organisatorische Aufgaben zunehmend effizienter gestaltet werden.
Halbjahresgewinn steigt um fast 19 Prozent
Die Geschäftszahlen zeigen, wie stark Raiffeisen derzeit verdient.
- Reingewinn: 659,3 Millionen Franken, +18,9 Prozent
- Geschäftserfolg: 785 Millionen Franken, +17,1 Prozent
- Geschäftsertrag: rund 2,04 Milliarden Franken, +7,6 Prozent
- Kundenausleihungen: 248,5 Milliarden Franken
- Hypothekarforderungen: 235,3 Milliarden Franken
- Nettoneugeldzufluss in Anlage- und Vorsorgedepots: 3,3 Milliarden Franken
Der Halbjahresgewinn stieg gegenüber dem Vorjahr um 104,7 Millionen Franken auf 659,3 Millionen Franken. Besonders das Zinsengeschäft und das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft entwickelten sich positiv.
Auch das Hypothekargeschäft wächst weiter
Raiffeisen konnte gleichzeitig das Kreditgeschäft ausbauen. Die Hypothekarforderungen stiegen im ersten Halbjahr um 4,4 Milliarden Franken auf 235,3 Milliarden Franken. Das entspricht einem Wachstum von 1,9 Prozent.
Die gesamten Kundenausleihungen erhöhten sich ebenfalls um 4,7 Milliarden Franken auf 248,5 Milliarden Franken. Mehr als ein Drittel dieses Wachstums entfiel auf das Firmenkundengeschäft.
Auch die Kundeneinlagen entwickelten sich positiv. Sie stiegen um 3 Milliarden Franken auf 228,7 Milliarden Franken.
Starkes Wachstum im Anlage- und Vorsorgegeschäft
Nicht nur das klassische Zinsengeschäft entwickelte sich positiv. Auch das Anlage- und Vorsorgegeschäft legte deutlich zu.
Der Nettoneugeldzufluss in Anlage- und Vorsorgedepots erreichte bereits im ersten Halbjahr 3,3 Milliarden Franken. Damit wurde bereits mehr neues Geld angezogen als im gesamten Vorjahr. Gleichzeitig eröffnete Raiffeisen rund 45'000 neue Wertschriftendepots.
Das zeigt, dass die Bank versucht, ihre Ertragsquellen breiter aufzustellen und neben dem klassischen Hypothekargeschäft stärker von Anlage- und Vorsorgeprodukten zu profitieren.
Raiffeisen organisiert sich neu
Der geplante Stellenabbau ist Teil einer grösseren organisatorischen Veränderung.
Ab 1. Oktober 2026 wird Raiffeisen Schweiz neu in sechs Departemente gegliedert: Privatkunden, Firmenkunden & Handel, Produkte & Solutions, Finanzen & Bankenbetreuung, IT sowie Risiko & Compliance.
Damit will die Bank die Kundenorientierung verbessern, schneller umsetzen und die angeschlossenen Raiffeisenbanken stärker unterstützen.
Philipp Ackermann übernimmt das Departement Firmenkunden & Handel. Patrick Lehner wird das Departement Privatkunden führen. Die Leitung des neuen Departements Produkte & Solutions ist zum Zeitpunkt der Ankündigung noch nicht besetzt.
Zwei Mitglieder der Geschäftsleitung gehen
Die Neuorganisation bringt auch Veränderungen in der Führung mit sich.
Die bisherigen Geschäftsleitungsmitglieder Roland Altwegg und Helen Fricker werden Raiffeisen Schweiz im Laufe des Septembers 2026 verlassen. Beide haben mit dem Unternehmen vereinbart, ihre Funktionen im Zuge der organisatorischen Anpassungen aufzugeben.
Raiffeisen bezeichnet die Veränderungen als Teil der Weiterentwicklung ihrer Organisation. Die Bank will damit die Voraussetzungen schaffen, um Wachstum und Innovation weiter voranzutreiben.
Der Stellenabbau ist kleiner als es die Zahl zunächst vermuten lässt
Die Zahl von 180 Stellen klingt zunächst erheblich. Im Verhältnis zur gesamten Raiffeisen-Gruppe ist sie jedoch relativ klein. Die Gruppe beschäftigt rund 13'000 Personen.
Ausserdem soll mehr als die Hälfte der Reduktion ohne klassische Kündigungen erreicht werden. Dazu gehören natürliche Abgänge, der Verzicht auf die Besetzung offener Stellen, weniger externe Arbeitskräfte und Frühpensionierungen.
Trotzdem kann das Programm für einzelne Mitarbeitende Folgen haben. Raiffeisen spricht von einer verantwortungsvollen Umsetzung, nennt zum jetzigen Zeitpunkt aber keine detaillierte Zahl dazu, wie viele Kündigungen tatsächlich notwendig werden.
Kein Sparprogramm wegen eines Gewinneinbruchs
Die Zahlen sprechen gegen die Interpretation, dass Raiffeisen aufgrund einer schlechten Geschäftslage Stellen abbauen müsse.
Der Gewinn steigt deutlich, das Kreditgeschäft wächst und auch die Kundeneinlagen sowie das Anlagegeschäft entwickeln sich positiv. Gleichzeitig sieht die Bank offenbar Spielraum, ihre Strukturen effizienter zu gestalten und die Kostenbasis zu senken.
Das Ziel von rund 60 Millionen Franken Einsparungen zeigt deshalb vor allem, dass Raiffeisen die Kostenentwicklung langfristig kontrollieren will.
Auch die Schweizer Wirtschaft bleibt ein Faktor
Raiffeisen erwartet für die Schweizer Wirtschaft 2026 ein reales BIP-Wachstum von 0,8 Prozent. Gleichzeitig rechnet die Bank mit weiterhin erhöhter Volatilität an den Finanzmärkten.
Die Exportindustrie zeigt nach Einschätzung der Raiffeisen-Ökonomen trotz geopolitischer Unsicherheiten Erholungstendenzen. Für das zweite Halbjahr 2026 erwartet Raiffeisen eine stabile Geschäftsentwicklung über dem Niveau des Vorjahres.
Die Bank geht zudem davon aus, dass die Schweizer Immobilienpreise langfristig weiter unter Aufwärtsdruck bleiben. Grund dafür sei eine weiterhin hohe Nachfrage bei gleichzeitig knappem Angebot.
Was bedeutet der Stellenabbau für Raiffeisen?
Die Entwicklung zeigt einen Trend, der den gesamten Finanzsektor betrifft: Banken können auch bei guten Gewinnen versuchen, ihre Strukturen zu verschlanken und die Produktivität zu erhöhen.
Für Raiffeisen bedeutet das eine Gratwanderung. Einerseits wächst das Geschäft und die Bank will ihre Position in Anlage, Vorsorge und Firmenkundengeschäft ausbauen. Andererseits sollen die Kosten langfristig deutlich reduziert werden.
Ob die neue Organisation tatsächlich effizienter arbeitet und gleichzeitig das geplante Wachstum ermöglicht, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
Fazit
Raiffeisen steht nicht wegen eines Gewinneinbruchs unter Druck. Im Gegenteil: Der Halbjahresgewinn 2026 stieg um 18,9 Prozent auf 659,3 Millionen Franken.
Trotzdem plant Raiffeisen Schweiz bis 2027 Einsparungen von rund 60 Millionen Franken bei Personal- und Sachkosten. Bis zu 180 Stellen können bei Raiffeisen Schweiz betroffen sein. Mehr als die Hälfte soll über natürliche Fluktuation, unbesetzte Stellen, weniger externe Arbeitskräfte und Frühpensionierungen abgebaut werden.
Parallel dazu organisiert sich Raiffeisen Schweiz neu. Ab Oktober wird die zentrale Organisation in sechs Departemente gegliedert. Die Bank will damit effizienter werden, ihre Kundenorientierung stärken und die lokalen Raiffeisenbanken besser unterstützen.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Raiffeisen derzeit Geld verdient. Das tut die Bank eindeutig. Entscheidend wird vielmehr sein, ob es ihr gelingt, das starke Wachstum mit einer dauerhaft effizienteren Kostenstruktur zu verbinden.
Quellen
- Raiffeisen Schweiz: «Raiffeisen mit sehr gutem Halbjahresergebnis – breit abgestütztes Wachstum», 26. August 2026.
- Raiffeisen Schweiz: «Veränderungen in der Organisationsstruktur von Raiffeisen Schweiz», 26. August 2026.
- Nau.ch / Keystone-SDA: «Raiffeisen streicht bis zu 180 Stellen», 26. August 2026.



