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Südkorea setzt auf Intensiv-Schulungen für Chip-Industrie

Cram Schools sollen Fachkräftemangel in der Halbleiterbranche bekämpfen

Seoul, South Korea
Bild: Chinh Le Duc / Unsplash

Südkorea reagiert auf den Fachkräftemangel in der Halbleiterindustrie mit einem neuen Ausbildungsmodell. Spezielle Intensivkurse, angelehnt an die in Südkorea verbreiteten Cram Schools, sollen in wenigen Monaten qualifizierte Arbeitskräfte für die Chipproduktion ausbilden. Die Programme richten sich an Quereinsteiger und Hochschulabsolventen.

Die südkoreanische Regierung und führende Chiphersteller wie Samsung und SK Hynix haben die Initiative gemeinsam entwickelt. Ziel ist es, den dramatischen Mangel an Fachpersonal in einer Branche zu beheben, die für die südkoreanische Wirtschaft zentral ist. Die Halbleiterindustrie erwirtschaftet rund ein Fünftel der südkoreanischen Exporte.

Komprimierte Ausbildungsprogramme

Die Intensivkurse dauern zwischen drei und sechs Monaten. Sie konzentrieren sich auf praktische Fertigkeiten in der Chipherstellung. Anders als klassische akademische Programme setzen sie auf komprimiertes Wissen und direkte Anwendung. Die Teilnehmer lernen Prozesse wie Lithografie, Ätztechnik und Qualitätskontrolle.

Branchenvertreter schätzen den Bedarf an zusätzlichen Fachkräften auf mehrere zehntausend Personen in den kommenden Jahren. Der globale Wettbewerb um Halbleiter-Expertise verschärft sich. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Chips für Künstliche Intelligenz, Elektromobilität und 5G-Technologie.

Schweizer Technologiesektor unter Druck

Auch die Schweiz verzeichnet einen zunehmenden Fachkräftemangel im Technologiebereich, aber in anderen Segmenten. Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) gehören technische Berufe zu den Mangelberufen. Besonders betroffen sind Softwareentwicklung, Cybersecurity und Engineering.

Schweizer Unternehmen setzen traditionell auf duale Berufsbildung und Hochschulausbildung. Intensivprogramme nach südkoreanischem Modell existieren bisher kaum. Private Anbieter bieten zwar Coding-Bootcamps an. Eine staatlich koordinierte Initiative für spezialisierte Technologiebereiche fehlt jedoch.

Kritik an schneller Qualifizierung

Experten warnen vor oberflächlicher Ausbildung durch Kurzzeitprogramme. Die komplexe Halbleiterproduktion erfordert tiefgreifendes Verständnis und Erfahrung. Dies lässt sich nicht in wenigen Monaten vermitteln. Kritiker befürchten eine Zwei-Klassen-Belegschaft aus klassisch ausgebildeten Ingenieuren und schnell qualifizierten Arbeitskräften.

Befürworter argumentieren dagegen, dass die Programme gezielt operative Rollen besetzen. Sie konkurrieren nicht mit Ingenieurs-Ausbildungen. Sie sehen darin eine pragmatische Antwort auf akuten Personalbedarf. Die langfristige Wirkung der südkoreanischen Initiative wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

Für die Schweiz stellt sich die Frage, ob ähnliche Modelle für spezifische Technologiebereiche sinnvoll wären. Angesichts des internationalen Wettbewerbs um Fachkräfte könnten flexible Ausbildungsformate an Bedeutung gewinnen.

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