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Swiss Life prüft Stellenabbau – was hinter dem Umbau steckt

Der Versicherer überprüft Prozesse und Personal.

Swiss Life Stellenabbau
Bild: open AI

Bei Swiss Life Schweiz steht eine grössere Reorganisation bevor. Medienberichte sprechen von Massenentlassungen, das Unternehmen selbst bestätigt bisher nur eine Überprüfung von Strukturen und Personal. Fest steht: Im Innendienst werden offene Stellen bereits seit Monaten nur noch selektiv besetzt. Konkrete Massnahmen sollen im Verlauf des dritten Quartals 2026 bekannt gegeben werden.

Bei Swiss Life Schweiz zeichnet sich ein grösserer organisatorischer Umbau ab. Das Finanzportal Inside Paradeplatz berichtete Ende August unter Berufung auf einen Insider, der Versicherer bereite einen massiven Stellenabbau vor. Von einer «Massen-Entlassung» und einem «Big Bang» ist die Rede. Eine konkrete Zahl betroffener Arbeitsplätze nennt der Bericht allerdings nicht.

Swiss Life bestätigt einen Teil des Berichts – allerdings in deutlich vorsichtigerer Form. Das Unternehmen erklärt, Organisation, Prozesse sowie den Einsatz von Ressourcen und Personal regelmässig zu überprüfen. Ziel sei es, die Marktposition auszubauen und weiterhin profitabel zu wachsen.

Damit ist ein Stellenabbau nicht bestätigt, aber auch nicht ausgeschlossen.

Offene Stellen werden bereits selektiv besetzt

Besonders aufschlussreich ist eine andere Aussage des Unternehmens. Swiss Life Schweiz teilte mit, dass offene Stellen im Innendienst seit Anfang 2026 nur noch «sehr selektiv» besetzt würden. Damit solle ein möglicher Stellenabbau möglichst gering gehalten und die natürliche Fluktuation genutzt werden.

Zudem hat Swiss Life intern angekündigt, voraussichtlich im Verlauf des dritten Quartals konkrete Massnahmen zu kommunizieren. Ende August steht damit eine Entscheidung unmittelbar bevor – welche Form sie haben wird, ist aber noch offen.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen der Darstellung von Inside Paradeplatz und der offiziellen Kommunikation: Während das Portal einen weitreichenden Abbau ankündigt, spricht Swiss Life von einer laufenden Überprüfung und bevorstehenden Massnahmen.

McKinsey als Teil der Analyse

Inside Paradeplatz bringt die Beratungsfirma McKinsey mit dem Umbau in Verbindung. Dem Bericht zufolge analysiert das Beratungsunternehmen seit Monaten Abläufe und Strukturen bei Swiss Life Schweiz. Dabei gehe es unter anderem um die Frage, welche Tätigkeiten notwendig sind, wo Prozesse beschleunigt und welche Aufgaben automatisiert werden könnten.

Eine solche Analyse ist für sich genommen noch kein Beleg für einen bevorstehenden Massenabbau. Grosse Versicherer überprüfen ihre Abläufe regelmässig. Die Branche steht unter dem Druck der Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und steigender Anforderungen an die Effizienz.

Bei einem Versicherer betrifft das besonders den Innendienst: Standardisierte Verwaltungsarbeiten lassen sich zunehmend digitalisieren oder automatisieren. Gleichzeitig verändern sich Kundenberatung, Vertrieb und Schadenbearbeitung.

Swiss Life steht finanziell nicht unter akutem Druck

Wichtig ist die wirtschaftliche Einordnung. Die verfügbaren Zahlen sprechen nicht für eine klassische Restrukturierung aus finanzieller Not.

Die Swiss-Life-Gruppe erzielte 2025 einen operativen Gewinn von 1,83 Milliarden Franken. Die Prämieneinnahmen stiegen auf 20,9 Milliarden Franken. Die Solvenzquote lag Ende 2025 bei 213 Prozent und damit deutlich über der strategischen Zielspanne von 140 bis 190 Prozent.

Auch im ersten Quartal 2026 entwickelte sich das Geschäft weiter: Swiss Life meldete ein Wachstum der Prämien um fünf Prozent und der Gebührenerträge um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Das spricht dafür, dass ein möglicher Personalabbau nicht mit einer akuten Existenz- oder Ertragskrise gleichgesetzt werden sollte.

Wie gross ist Swiss Life in der Schweiz?

Die Bedeutung eines möglichen Umbaus ist dennoch erheblich. Ende 2025 beschäftigte die Swiss-Life-Gruppe weltweit 12'313 Personen. Davon arbeiteten 4'436 in der Schweiz. In der sogenannten Kernbelegschaft waren es 4'265 Personen.

Die Zahl der Mitarbeitenden in der Schweiz ist in den vergangenen Jahren sogar gestiegen: Die Kernbelegschaft wuchs von 4'009 Personen Ende 2023 auf 4'234 Ende 2024 und 4'265 Ende 2025.

Ein möglicher Abbau würde deshalb vor allem eine Korrektur der bisherigen Personalentwicklung darstellen – sofern tatsächlich Stellen gestrichen werden.

CEO von Swiss Life Schweiz ist Roman Stein. Er führt das Schweizer Geschäft seit März 2024.

Was bedeutet das für die Mitarbeitenden?

Für die Beschäftigten ist vor allem entscheidend, welche Bereiche von der angekündigten Neuorganisation betroffen sein werden.

Noch ist nicht bekannt:

  • wie viele Stellen tatsächlich wegfallen könnten,
  • welche Abteilungen betroffen wären,
  • ob Kündigungen oder primär natürliche Fluktuation vorgesehen sind,
  • ob Führungspositionen neu organisiert werden,
  • und ob ein Sozialplan notwendig wird.

Solange Swiss Life diese Punkte nicht kommuniziert hat, wäre es journalistisch falsch, bereits von einem feststehenden Massenabbau zu sprechen.

Für die Mitarbeitenden bedeutet die aktuelle Situation dennoch Unsicherheit. Besonders dort, wo Stellen nicht mehr nachbesetzt werden, kann eine Reorganisation über mehrere Monate sichtbar werden, bevor konkrete Kündigungen ausgesprochen werden.

Ein Branchenthema – nicht nur ein Fall Swiss Life

Der Vorgang steht zudem für einen grösseren Wandel in der Schweizer Versicherungsbranche. Versicherer verfügen über grosse Mengen standardisierter Daten und Prozesse. Künstliche Intelligenz und Automatisierung können deshalb langfristig Tätigkeiten verändern, die bisher von Menschen ausgeführt wurden.

Das bedeutet nicht zwangsläufig weniger Arbeitsplätze. Beschäftigte können auch in neue Aufgaben wechseln. Unternehmen benötigen beispielsweise mehr Fachkräfte für Datenanalyse, IT, Cybersicherheit und digitale Kundenbetreuung.

Die Herausforderung besteht darin, diesen Wandel sozialverträglich zu gestalten.

Was jetzt entscheidend wird

Die nächsten Wochen dürften zeigen, ob aus der bisher bestätigten Organisationsüberprüfung tatsächlich ein grösserer Stellenabbau wird.

Die Faktenlage lässt sich derzeit so zusammenfassen: Swiss Life Schweiz überprüft ihre Strukturen, besetzt offene Stellen im Innendienst selektiv und will im dritten Quartal konkrete Massnahmen bekannt geben. Einen Massenabbau hat das Unternehmen bisher nicht bestätigt.

Für die Schweizer Versicherungsbranche wäre eine grössere Reorganisation dennoch ein Signal. Sie würde zeigen, wie stark Digitalisierung und Effizienzdruck inzwischen auch grosse, wirtschaftlich erfolgreiche Versicherer erreichen.

JournalPlus wird die angekündigten Massnahmen von Swiss Life beobachten und prüfen, wie viele Arbeitsplätze tatsächlich betroffen sind.

Hinweis: Dieser Artikel unterscheidet zwischen bestätigten Angaben von Swiss Life und nicht unabhängig verifizierten Angaben aus dem Bericht von Inside Paradeplatz.

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