Wirtschaft10:14 UhrLesezeit: 4 Min.0 Kommentare

Türkische Zentralbank hält Leitzins bei 37 Prozent

Rückkehr zu Repo-Auktionen signalisiert strengeren Kurs

Die majestätische Hagia Sophia mit ihren Minaretten in Istanbul, Türkei, ein Wahrzeichen der Stadt.
Bild: sofdoug / Pixabay

Die türkische Zentralbank hält ihren Leitzins bei 37 Prozent und nimmt gleichzeitig die wöchentlichen Repo-Auktionen zum gleichen Satz wieder auf. Dieser Schritt ändert die Liquiditätsversorgung des Bankensystems durch die Zentralbank. Er stellt jedoch keine neue Zinserhöhung dar. Die Märkte beobachten die Entscheidung genau, da die Türkei ihren Kampf gegen die hohe Inflation fortsetzt und das Vertrauen in ihre Geldpolitik stärken will.

Repo-Auktionen kehren mit 37 Prozent zurück

Die Zentralbank der Republik Türkiye hat die wöchentlichen Repo-Auktionen wieder aufgenommen. Banken können nun direkt zum Leitzins von 37 Prozent einwöchige Finanzierungen erhalten. Zuvor nutzte die Zentralbank stärker andere Instrumente der Liquiditätssteuerung.

Der einwöchige Repo-Satz liegt seit Januar 2026 unverändert bei 37 Prozent. Damals hatte die Zentralbank ihn von 38 Prozent gesenkt. Bei den Sitzungen im März, April, Juni und Juli blieb der Satz danach konstant. Der Übernacht-Ausleihsatz liegt weiterhin bei 40 Prozent, der Übernacht-Einlagesatz bei 35.5 Prozent.

Geldpolitik bleibt restriktiv

Die Wiederaufnahme der wöchentlichen Repo-Auktionen ist nicht mit einer neuen Zinserhöhung zu verwechseln. Die wesentliche Änderung betrifft die Art und Weise, wie die Zentralbank Geschäftsbanken Liquidität zur Verfügung stellt. Der offizielle Leitzins bleibt unverändert bei 37 Prozent.

Die Zentralbank verfolgt weiterhin eine restriktive Geldpolitik. Ihr Ziel ist es, die Inflation zu senken und die Inflationserwartungen unter Kontrolle zu halten. Hohe Zinsen erhöhen jedoch auch die Finanzierungskosten für Unternehmen und Haushalte. Sie können die Binnennachfrage belasten.

Der Leanderturm (Mädchenturm) im Bosporus, Istanbul, Türkei, bei Sonnenuntergang mit einer Fähre.
Maiden's Tower in Istanbul's Bosphorus at sunset. · Bild: Herm / Pixabay

Inflation bleibt die grösste Herausforderung

Die Türkei sieht sich trotz des Desinflationsprozesses der letzten Jahre weiterhin einer aussergewöhnlich hohen Inflation gegenüber. Die Zentralbank zeigte sich daher vorsichtig bei weiteren Zinssenkungen und beliess ihren Leitzins seit Januar unverändert.

Energiepreise und geopolitische Entwicklungen stellen zusätzliche Risiken für die Inflationsaussichten dar. Höhere Energiekosten können Transport-, Produktions- und Konsumentenpreise beeinflussen. Dies erschwert der Zentralbank einen nachhaltigen Rückgang der Inflation.

Bedeutung der Politik für die Türkische Lira

Die Zinsstrategie ist eng mit den Aussichten für die Türkische Lira verbunden. Hohe inländische Zinsen können die Attraktivität von auf Lira lautenden Vermögenswerten steigern. Dies kann die Währung stützen. Gleichzeitig hängen Wechselkursentwicklungen stark von Inflationserwartungen, Anlegervertrauen und der Glaubwürdigkeit der Wirtschaftspolitik ab.

Für die Zentralbank besteht die Herausforderung darin, ausreichend straffe Finanzbedingungen aufrechtzuerhalten. Dies ohne übermässigen Druck auf die Wirtschaftsaktivität auszuüben. Eine glaubwürdige Geldpolitik könnte mittelfristig das Vertrauen in die Lira stärken.

Warum es für die Schweiz wichtig ist

Die Entwicklungen in der Türkei sind auch für die Schweiz relevant. Die Schweiz und Türkiye pflegen umfassende Wirtschafts- und Handelsbeziehungen. Der bilaterale Handel überschritt 2024 inklusive Gold 10 Milliarden CHF. Türkiye gilt zudem als wichtiger Markt für Schweizer Unternehmen. Dies gilt besonders wegen seiner grossen Binnenwirtschaft und seiner Lage zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten.

Schweizer Unternehmen, die in der Türkei tätig sind, können von Änderungen der lokalen Finanzierungskosten und Wechselkurse betroffen sein. Höhere türkische Zinsen können die Kreditaufnahme für lokale Tochtergesellschaften und Geschäftspartner verteuern. Eine stabilere Lira könnte hingegen die Finanzplanung und Investitionsentscheidungen erleichtern.

Der Wechselkurs ist auch für Schweizer Exporteure wichtig. Eine deutliche Abwertung der Lira kann Schweizer Produkte und Dienstleistungen für türkische Kunden teurer machen. Für Unternehmen, die Waren importieren oder Umsätze in der Türkei generieren, können Währungsbewegungen je nach Struktur ihrer Geschäftstätigkeit jedoch sehr unterschiedliche Auswirkungen haben.

Auswirkungen für Schweizer Investoren

Schweizer Investoren mit Engagements in türkischen Anleihen, Aktien oder Unternehmen müssen Zinsen und Währungsbewegungen berücksichtigen. Höhere Renditen können türkische Vermögenswerte attraktiver machen. Das potenzielle Ergebnis muss jedoch gegen Inflations- und Wechselkursrisiken abgewogen werden.

Eine nachhaltige Verbesserung der geldpolitischen Glaubwürdigkeit könnte das Vertrauen ausländischer Investoren stärken. Das hohe Inflationsniveau bedeutet jedoch, dass die Risiken erheblich bleiben. Die Fähigkeit der Zentralbank, einen konsistenten politischen Kurs beizubehalten, bleibt daher ein wichtiger Faktor für internationale Investoren.

Wie geht es weiter?

Die Zentralbank wird voraussichtlich weiterhin Inflation, Binnennachfrage, Wechselkursentwicklungen und internationale Energiepreise beobachten. Erst dann wird sie über weitere geldpolitische Änderungen entscheiden.

Die Wiederaufnahme der wöchentlichen Repo-Auktionen bei 37 Prozent ist daher hauptsächlich eine Änderung im Liquiditätsmanagement. Sie ist keine neue Zinsstraffung. Die zentrale Frage für die Märkte ist, ob die Türkei ausreichend restriktive monetäre Bedingungen aufrechterhalten und die Inflation schrittweise unter Kontrolle bringen kann.

Für Schweizer Unternehmen und Investoren bleiben die Entwicklung der Türkischen Lira und die geldpolitische Glaubwürdigkeit des Landes besonders wichtig. Ein stabileres makroökonomisches Umfeld könnte die bilateralen Geschäftsbeziehungen stärken. Anhaltende Inflation und Währungsvolatilität würden weiterhin Herausforderungen schaffen.

Der geldpolitische Kurs der Türkei hat somit weit über ihr inländisches Finanzsystem hinaus Bedeutung. Seine Auswirkungen werden von internationalen Investoren und Unternehmen zwischen der Türkei und Märkten wie der Schweiz beobachtet.

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