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Mikroskop und Glasfaserleiter mit blauem Licht an einer Gewebeprobe als Symbolbild für Optogenetik
Symbolbild, KI-generiert · JournalPlus
07:45 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 2 Min.0 Kommentare

Nobelpreis für Optogenetik: Wie Licht die Hirnforschung präziser macht

Die ausgezeichnete Methode kann ausgewählte Nervenzellen gezielt steuern – aber sie liest keine Gedanken und ist noch keine Alltagsmedizin.

Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2026 geht an Karl Deisseroth, Peter Hegemann und Georg Nagel. Ausgezeichnet wurden ihre Erkenntnisse zu lichtgesteuerten Ionenkanälen und zur Optogenetik. Das Wort klingt technisch, beschreibt aber eine Idee mit grosser Wirkung: Forschende können ausgewählte Zellen mit Licht gezielt beeinflussen und beobachten, was danach geschieht.

Das ist mehr als eine besonders schöne Art, das Gehirn anzuschauen. Die Optogenetik macht es möglich, Ursache und Wirkung in neuronalen Netzwerken zu untersuchen. Wenn eine bestimmte Gruppe von Nervenzellen aktiv ist, während sich ein Tier erinnert, Angst zeigt oder eine Bewegung ausführt, beweist das noch nicht, dass diese Zellen das Verhalten auslösen. Mit der Optogenetik lässt sich ihre Aktivität gezielt verändern. Erst dann kann man viel genauer prüfen, welche Rolle ein Netzwerk tatsächlich spielt.

Wie die Methode funktioniert

Der erste Teil der Geschichte beginnt bei einer einzelligen Grünalge. Hegemann und Nagel untersuchten das Protein Channelrhodopsin, das auf blaues Licht reagiert. Fällt Licht darauf, öffnet sich ein Kanal in der Zellmembran; geladene Teilchen können fliessen und ein elektrisches Signal entsteht.

Deisseroth und sein Team zeigten anschliessend, dass sich das Gen für dieses Protein in ausgewählte Nervenzellen einbringen lässt. Diese Zellen werden dadurch lichtempfindlich. Ein präziser Lichtimpuls kann ihre Aktivität auslösen; andere optogenetische Werkzeuge können Aktivität dämpfen. Entscheidend sind zwei Bausteine: die genetische Zielgenauigkeit und die optische Steuerung. Licht allein verwandelt keine gewöhnliche Nervenzelle in einen Schalter.

Damit ist auch klar, was Optogenetik nicht ist. Sie kann keine Gedanken auslesen, kein gesamtes Gehirn beliebig kontrollieren und ersetzt weder MRI noch andere Bildgebungsverfahren. Sie ist vor allem ein Forschungswerkzeug, oft in Zellkulturen und Tiermodellen. Ihr Wert liegt in der Präzision, mit der sich Fragen zu Gedächtnis, Bewegung, Wahrnehmung oder psychiatrischen Erkrankungen untersuchen lassen.

Wissenschaftliche Illustration eines neuronalen Netzwerks mit einem präzisen blauen Lichtimpuls an einer Zellmembran.
Optogenetik verbindet genetisch markierte Zellen mit präzisen Lichtimpulsen, um ihre Funktion zu erforschen. · KI-generiertes Symbolbild · JournalPlus

Hoffnung für Patientinnen und Patienten – mit klaren Grenzen

In der Medizin wird besonders an Anwendungen für Netzhauterkrankungen gearbeitet. Eine 2021 publizierte Studie berichtete bei einem blinden Patienten nach einer Gentherapie und mit einer speziell entwickelten Brille über eine teilweise Wiederherstellung der Sehfunktion. Das war ein wichtiger Machbarkeitsnachweis, aber keine Standardbehandlung: Es handelte sich um einen einzelnen Patienten, ein spezielles Krankheitsbild und ein komplexes Verfahren.

Für Herr und Frau Schweizer bedeutet der Nobelpreis deshalb nicht, dass morgen eine Lichttherapie gegen Demenz, Depression oder Parkinson verfügbar wäre. Zwischen einem Laborergebnis und einer zugelassenen Behandlung liegen Sicherheitsprüfungen, klinische Studien, die langfristige Beobachtung von Gentherapien und Fragen des Zugangs. Wissenschaftlicher Fortschritt ist wertvoll, aber selten so unmittelbar, wie eine Schlagzeile klingt.

Der Schweiz-Bezug ist dennoch konkret. ETH Zürich und Universität Zürich entwickeln mit dem MOSIAC-Projekt hochauflösende Schnittstellen, die zelltypspezifische Optogenetik mit Messverfahren verbinden sollen. Am Basler Institut für Molekulare und Klinische Ophthalmologie wird an optogenetischen Ansätzen zur Wiederherstellung von Sehfunktionen geforscht. Die Schweizer Rolle liegt also nicht nur im Staunen über einen Nobelpreis, sondern auch in der Forschung, die aus Grundlagenwissen eines Tages sorgfältig geprüfte Anwendungen machen könnte.

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