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Berliner Regierungsviertel mit Spree und Regierungsgebäuden, Symbol für deutsche Handelspolitik gegenüber China
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WirtschaftRecherche21:45 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

EU-China-Handel: Berlin will Europas Handelspolitik widerstandsfähiger machen

Die deutsche Bundesregierung setzt auf Diversifizierung und einen stärkeren europäischen Instrumentenkasten. Konkrete neue Handelsmassnahmen gegen China sind jedoch noch nicht beschlossen.

Im EU-China-Handel fordert Deutschland eine widerstandsfähigere europäische Handelspolitik. Die Formel klingt klar: Deutschland will die europäische Handelspolitik gegenüber China widerstandsfähiger machen. Bei genauerem Hinsehen ist die Lage weniger eindeutig. Die Bundesregierung hat Anfang Oktober zwar dafür plädiert, den handelspolitischen Instrumentenkasten der Europäischen Union angesichts globaler Ungleichgewichte weiterzuentwickeln. Sie hat aber keine konkrete neue Massnahme gegen China beschlossen.

Härtere Linie – aber noch kein Beschluss

In einer Regierungspressekonferenz verwies Berlin auf laufende Beratungen über die künftige europäische Handelspolitik. Die Bundesregierung will sich nach eigenen Angaben für einen regelbasierten Ansatz einsetzen, der auch die Interessen von Freihandelspartnern berücksichtigt. Parallel sollen Diversifizierung und sogenanntes De-Risking vorangetrieben werden.

De-Risking bedeutet, kritische wirtschaftliche Abhängigkeiten zu reduzieren, ohne die Handelsbeziehungen vollständig abzubrechen. Es geht etwa um Lieferketten, strategische Rohstoffe, Technologien und den Zugang zu Märkten. Der Begriff ist damit enger als eine wirtschaftliche Abkopplung, aber weiter als eine klassische Zollpolitik.

Die Behauptung, Berlin habe sich bereits auf eine neue harte Handelspolitik gegenüber China festgelegt, greift deshalb zu kurz. Die deutsche Regierung erwartet zunächst konkrete Vorschläge der Europäischen Kommission. Erst danach soll sie ihre Position zu einzelnen Instrumenten festlegen.

Die EU fährt zwei Gleise gleichzeitig

Die Europäische Kommission beschreibt China zugleich als Kooperationspartner, wirtschaftlichen Wettbewerber und systemischen Rivalen. Sie verweist auf strukturelle Ungleichgewichte, staatliche Unterstützung für Teile der chinesischen Industrie, Überkapazitäten und Schwierigkeiten europäischer Unternehmen beim Marktzugang in China.

Die Zahlen unterstreichen, weshalb die Debatte an Schärfe gewonnen hat: Das EU-Handelsdefizit mit China bei Waren lag im zweiten Quartal 2026 laut Eurostat bei 103 Milliarden Euro. Ein Defizit allein beweist allerdings weder unlauteren Wettbewerb noch die Wirksamkeit bestimmter Gegenmassnahmen. Es zeigt vor allem, wie gross das wirtschaftliche Gewicht der Beziehung ist.

Gleichzeitig hält die EU den Dialog offen. Am 8. und 9. Oktober trafen sich EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič und Chinas Handelsminister Wang Wentao in Peking zu Handels- und Investitionskonsultationen. Beide Seiten erklärten, Differenzen im Rahmen der Regeln der Welthandelsorganisation behandeln und die Wirtschaftsbeziehungen stabiler sowie ausgewogener gestalten zu wollen. Für März 2027 wurde ein weiteres Ministertreffen vereinbart.

Das ist kein Widerspruch, sondern europäische Handelspolitik auf zwei Ebenen: Sie sucht Gesprächskanäle, will aber zugleich ihre eigene Verhandlungs- und Durchsetzungsfähigkeit stärken. Ob daraus neue Zölle, Schutzinstrumente oder andere Vorgaben entstehen, ist offen.

Warum die Schweiz genau hinschauen muss

Für die Schweiz ist die Diskussion nicht bloss ein Streit zwischen Brüssel und Peking. China ist nach der EU und den USA ihr drittwichtigster Handelspartner. Im August schlossen die Schweiz und China die Verhandlungen über eine Optimierung ihres Freihandelsabkommens ab. Nach Abschluss der rechtlichen Bereinigung und den innerstaatlichen Genehmigungen sollen 99,8 Prozent der heutigen Schweizer Exporte zollfrei auf den chinesischen Markt gelangen können. In Kraft ist dieses optimierte Abkommen noch nicht.

Die EU-Politik gilt nicht automatisch für die Schweiz. Ihre Folgen können dennoch indirekt erheblich sein. Mehr als die Hälfte der Schweizer Exporte geht in die EU, und ein grosser Teil davon fliesst als Vorleistung in europäische Wertschöpfungsketten. Wenn sich europäische Regeln zu Lieferketten, wirtschaftlicher Sicherheit oder Importen verändern, betrifft dies deshalb auch Schweizer Zulieferer und Exporteure.

Die offene Entscheidung liegt in den Details

Die eigentliche politische Entscheidung steht noch bevor. Berlin fordert mehr europäische Handlungsfähigkeit, hat aber weder eine neue Zollpolitik beschlossen noch einen Bruch mit China angekündigt. Die EU wiederum versucht, zugleich offen und weniger verwundbar zu bleiben.

Entscheidend wird sein, welche konkreten Instrumente die Kommission vorlegt, wie zielgenau sie ausgestaltet sind und ob sie tatsächlich faire Wettbewerbsbedingungen schaffen. Für die Schweiz bleibt die Herausforderung dieselbe: wirtschaftliche Offenheit zu bewahren, ohne Risiken in eng verflochtenen Lieferketten zu übersehen.

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