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Studierende arbeiten in einem Techniklabor einer Schweizer Fachhochschule
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WissenschaftRecherche05:45 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

Fachhochschulen bis 2035: Die Prognose ist kein Studienplatz-Plan

BFS-Szenarien bis 2035 helfen bei der Planung. Sie zeigen mögliche Entwicklungen – keine festgeschriebene Zukunft.

Die Fachhochschulen bis 2035 stehen vor einer Aufgabe, die sich nicht auf eine einzelne Kurve reduzieren lässt. Das Bundesamt für Statistik publiziert Szenarien zur Entwicklung der Studierendenzahlen. Solche Projektionen sind für Kantone und Hochschulen wichtig – aber sie sind keine Zusage für künftige Studienplätze und kein Beschluss über neue Gebäude.

Fachhochschulen bilden unter anderem für Informatik, Ingenieurwesen, Gesundheit, Wirtschaft und Soziales aus. Ihre Entwicklung berührt damit auch die Frage, wie die Schweiz Fachkräfte ausbildet. Gerade deshalb lohnt ein genauer Blick darauf, was eine Prognose leisten kann – und was nicht.

Was ein Szenario tatsächlich aussagt

Das BFS rechnet mit einem Referenzszenario sowie Varianten mit höheren und tieferen Werten. Grundlage sind beobachtete Bildungswege und demografische Annahmen. Die Rechnung übersetzt diese Annahmen in mögliche Entwicklungen. Sie ersetzt jedoch weder Zulassungsentscheide noch Investitionsbeschlüsse der Hochschulen und Kantone.

Mehrere Grössen bleiben beweglich: Wie viele Jugendliche erreichen einen passenden Abschluss der Sekundarstufe II? Wie viele treten danach an eine Fachhochschule über? Für welches Fach entscheiden sie sich? Und wie lange bleiben sie im Studium? Schon eine Veränderung bei diesen Übergängen kann die Zahl der Studierenden verschieben.

Darum ist die Spannweite zwischen den Varianten mehr als eine technische Fussnote. Sie macht sichtbar, wo Unsicherheit liegt. Für die Öffentlichkeit ist nicht nur die mittlere Linie wichtig, sondern auch die Annahmen, von denen sie abhängt. Eine Projektion wird belastbarer, wenn sie regelmässig mit neuen Immatrikulations- und Bevölkerungsdaten abgeglichen wird.

Fachkräftemangel lässt sich nicht direkt ablesen

Es wäre zu einfach, steigende Studierendenzahlen als direkte Antwort auf den Fachkräftemangel zu verstehen. Erstens erreichen Studierende den Arbeitsmarkt zeitversetzt. Zweitens sagt eine Gesamtzahl wenig darüber aus, in welchen Fachbereichen die Abschlüsse entstehen. Drittens hängt der Personalbedarf der Unternehmen nicht allein von der Zahl der Diplome ab. Produktivität, Arbeitsbedingungen, Weiterbildung und Zuwanderung spielen ebenfalls eine Rolle.

Die Szenarien sind dennoch nützlich. Sie erlauben, Kapazitäten über mehrere Jahrgänge zu betrachten. Bei Praxisplätzen, Lehrpersonal und Infrastruktur entstehen Engpässe oft früher, als sie in einer allgemeinen Studierendenzahl sichtbar werden. Für Studiengänge mit starkem Praxisanteil ist es deshalb besonders wichtig, nicht nur die Nachfrage, sondern auch die verfügbaren Ausbildungsplätze zu beobachten.

Planung braucht mehrere Signale

BFS-Projektionen sollten neben aktuellen Bewerbungs- und Immatrikulationszahlen stehen, nicht an deren Stelle. Ebenso relevant sind Veränderungen in Berufsfeldern und bei den Ausbildungswegen der Sekundarstufe II. Eine Zahl für 2035 ist kein Zielwert, den die Politik erfüllen muss. Sie ist ein Orientierungspunkt, der bei neuen Daten überprüft werden soll. Dazu gehört auch, regionale Unterschiede mitzudenken: Ein schweizweiter Verlauf kann in einem einzelnen Studiengang oder Standort anders aussehen. Planung heisst daher, Varianten zu vergleichen und Entscheidungen schrittweise so zu treffen, dass sie bei einer veränderten Nachfrage korrigierbar bleiben. Damit bleibt die Planung handlungsfähig, ohne kurzfristige Veränderungen vorschnell als dauerhaften Trend zu deuten.

Die Attraktivität einzelner Studienrichtungen kann sich rasch verändern. Digitalisierung, Energiepolitik und die Alterung der Bevölkerung können den Bedarf an bestimmten Qualifikationen erhöhen. Gleichzeitig vermag ein grösserer Studienjahrgang nicht jede Lücke zu schliessen: In Berufen mit knappen Praxisplätzen oder langen Weiterbildungswegen braucht es zusätzliche Lösungen. Für Fachhochschulen bis 2035 bedeutet das: Nicht nur die Gesamtzahl zählt, sondern auch die Frage, ob die Ausbildung dort wächst, wo Arbeitsmarkt und Gesellschaft sie besonders benötigen.

Die offene Frage hinter der Kurve

Die BFS-Darstellung ist vor allem ein Werkzeug für eine nüchterne Debatte. Sie zeigt, dass die Ausbildungslandschaft langfristig geplant werden muss, ohne eine Zukunft vorzutäuschen, die bereits beschlossen wäre. Entscheidend wird sein, ob Politik und Hochschulen auf sich verändernde Fachrichtungen und Übergänge rechtzeitig reagieren – und nicht erst, wenn aus einer Prognose ein Engpass geworden ist.

Quellen

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