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Laborproben von Wasser in Messgefässen, Symbolbild für die Analyse von PFAS-Konzentrationen
Symbolbild, KI-generiert · JournalPlus
17:45 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

PFAS in der Schweiz: Warum ein Messwert allein noch kein Gesundheitsurteil ist

Nachweise in Wasser, Lebensmitteln oder Blut sind wichtig – aber erst der richtige Vergleich macht aus einer Zahl eine sinnvolle Aussage.

PFAS heissen oft «ewige Chemikalien», weil viele dieser industriell hergestellten Stoffe in der Umwelt nur sehr langsam abgebaut werden. Sie finden sich in zahlreichen Anwendungen, etwa in Imprägnierungen, Feuerlöschschäumen, Verpackungen oder technischen Produkten. Dass Behörden PFAS in Wasser, Lebensmitteln oder Blut nachweisen, ist deshalb relevant. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass für eine einzelne Person unmittelbar eine Gesundheitsgefahr besteht.

Der Grund: Hinter dem Sammelbegriff PFAS stehen Tausende Substanzen. Nicht alle sind gleich gut untersucht und nicht alle verhalten sich im Körper oder in der Umwelt gleich. Wer einen Messwert beurteilen will, muss zuerst fragen: Welche Substanz wurde wo gemessen? In welcher Einheit? Und mit welchem rechtlichen oder gesundheitlichen Vergleichswert?

Eine Zahl braucht den passenden Vergleich

Ein Wert im Grundwasser ist nicht direkt ein Wert am Wasserhahn. Ein Wert im Blut ist wiederum kein Trinkwasser-Grenzwert, sondern zeigt eine zurückliegende Gesamtbelastung aus unterschiedlichen Quellen. Auch ein Höchstgehalt in Lebensmitteln beantwortet eine andere Frage: Er legt fest, wann ein Produkt verkauft werden darf. Die EFSA hat für vier besonders relevante PFAS eine tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge von 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht definiert. Diese wissenschaftliche Orientierung ist jedoch kein Grenzwert für Leitungswasser und kein persönlicher Krankheitsbefund.

In der Schweiz gelten im Trinkwasser derzeit Einzelhöchstwerte: 0,3 Mikrogramm pro Liter für PFOS und PFHxS sowie 0,5 Mikrogramm pro Liter für PFOA. Das BLV überprüft diese Regeln. Die EU arbeitet mit einem Wert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für die Summe von 20 PFAS. Beide Systeme sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden: Sie erfassen unterschiedliche Stoffgruppen und dienen als Regelungsinstrumente.

Was die Schweizer Daten zeigen

Die nationale Grundwasserbeobachtung NAQUA untersuchte 2021 knapp 550 Messstellen auf 26 PFAS. An knapp der Hälfte wurden PFAS nachgewiesen. Die aktuell gültigen Schweizer Trinkwasser-Höchstwerte wurden dabei an einer Messstelle überschritten. Das zeigt zweierlei: PFAS sind verbreitet und lokale Belastungen verdienen Aufmerksamkeit; ein Nachweis allein ist aber nicht gleichbedeutend mit einer Grenzwertüberschreitung.

Auch bei Lebensmitteln ist die Lage differenziert. Laut BLV hielten tierische Lebensmittel auf dem Schweizer Markt die geltenden Höchstwerte 2025 weitgehend ein; 0,8 Prozent der untersuchten Proben waren nicht konform. Das ist kein Freipass für belastete Orte, aber ebenso wenig ein Beleg für ein landesweites Problem. Die Pilotphase der Schweizer Gesundheitsstudie fand PFAS in Blutproben von Erwachsenen aus Bern und Waadt. Sie erlaubt jedoch keine Diagnose für Einzelpersonen und ist keine repräsentative Gesundheitsbilanz des ganzen Landes.

Laboraufnahme mit Wasserglas, transparenten Probenfläschchen und einer unscharfen Messskala.
PFAS-Nachweise brauchen Kontext: Entscheidend sind Stoff, Probe und der passende Vergleichswert. · KI-generiertes Symbolbild · JournalPlus

Was Herr und Frau Schweizer daraus ableiten können

Wer wissen möchte, wie es um das eigene Trinkwasser steht, erhält die sachlichste Auskunft beim lokalen Wasserversorger oder der kantonalen Fachstelle. Dort sind Herkunft des Wassers, Messprogramm und allfällige Massnahmen bekannt. Ein einzelner Wert aus einer anderen Gemeinde lässt sich nicht übertragen. Pauschale Empfehlungen für teure Haushaltsfilter oder Bluttests wären ohne konkrete lokale Belastung nicht seriös.

Beim Essen empfiehlt das BLV vor allem Abwechslung. Sie reduziert das Risiko, einen Schadstoff wiederholt über dieselbe Quelle aufzunehmen. Das ist eine vernünftige Vorsorge, ohne aus jeder Mahlzeit ein Risiko zu machen. Wichtig bleibt: Behörden, Wasserversorger und Betriebe müssen ihre Kontrollen fortführen und Messmethoden sowie Grenzwerte transparent erklären.

Die faire Botschaft lautet daher weder «alles harmlos» noch «akute Gefahr». PFAS sind ein langfristiges Umwelt- und Gesundheitsthema. Gute Entscheidungen beginnen mit sauberen Messungen – und mit der richtigen Einordnung dessen, was eine Messzahl tatsächlich aussagt.

Quellen

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