
Einheitskasse ist häufigste Sparidee im BAG-Briefkasten
Der Runde Tisch setzt auf freiwillige Reformen. Bei den Verwaltungskosten der Versicherer wird die Wirkung erst ab 2028 gemessen.
Die Einheitskasse führt die Sammlung von Sparideen an, die das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am 26. Oktober 2026 veröffentlicht hat. Laut MIS Trend entfallen 5,7 Prozent der erfassten Vorschläge auf eine nationale Einheitskrankenkasse, weitere 0,4 Prozent auf kantonale Einheitskassen.
Die Einsendungen stammen vom 15. Mai bis 20. Juni 2025. Aus 7429 berücksichtigten Texten wurden 15’745 Vorschläge kodiert. Mehrere Ideen konnten in derselben Eingabe stehen. Die Prozentwerte beziehen sich auf diese Vorschläge, nicht auf Personen.
Weniger Parallelstrukturen, weniger Werbung
Die Befürworter verbinden den Systemwechsel mit weniger Verwaltungs- und Werbeaufwand sowie einer stärkeren Verhandlungsposition gegenüber Leistungserbringern. Die Auswertung beziffert diese erhofften Einsparungen nicht.
Das BAG hatte den Briefkasten allen Interessierten geöffnet. Eine Person konnte mehrere Eingaben machen; eine festgelegte Bevölkerungsstichprobe gab es nicht. Daraus lässt sich folglich weder ein aktueller Ja-Anteil zur Einheitskasse noch die Haltung einer schweigenden Mehrheit ablesen.
Über eine konkrete Vorlage wurde am 28. September 2014 abgestimmt: Die Initiative «Für eine öffentliche Krankenkasse» scheiterte mit 61,8 Prozent Nein. Vier Kantone stimmten zu. Das dokumentiert die Abstimmungsdatenbank Swissvotes der Universität Bern. Dieses Ergebnis beantwortet die heutige Mehrheitsfrage ebenso wenig wie die offene Ideensammlung.
Schon damals verlief der Streit entlang unterschiedlicher Erwartungen an die Organisation der Versicherung. Der Bundesrat verteidigte den Wettbewerb zwischen den Kassen als Anreiz für neue Versicherungsmodelle. Gegen einen Wechsel führte er den Verlust der freien Kassenwahl und schwer abschätzbare Umstellungskosten an. Das waren seine Argumente zur damaligen Initiative, keine nachträgliche Berechnung der jetzt eingereichten Sparideen.

Der Runde Tisch sucht Lösungen im Konsens
In das neue Massnahmenpaket vom 26. Oktober 2026 hat es die Einheitskasse nicht geschafft. Die Expertengruppe konzentrierte sich auf Selbstverpflichtungen der beteiligten Akteure, möglichst ohne neue Regulierung. Zudem sollte das Paket im Konsens verabschiedet werden. Am Tisch sitzen unter der Leitung von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider unter anderem Kantone, Ärzte, Spitäler, Versicherer und Patientenvertreter.
Damit wurde nach anderen Kriterien ausgewählt als nach der Häufigkeit einer Forderung. Das Massnahmenpapier hält ausdrücklich fest, dass aus dieser Auswahl nichts über das Sparpotenzial der übrigen Vorschläge folgt. Eine nicht berücksichtigte Idee wurde also nicht automatisch als unwirksam beurteilt.
Beschlossen wurden sechs Massnahmenbereiche. Dazu gehören mehr ambulante Behandlungen, entlastete Spitalnotfallstationen und Versorgungsprogramme für chronisch Kranke. Hinzu kommen transparentere Vergütungen für Medizinprodukte, eine koordinierte Arzneimittelversorgung in Alters- und Pflegeheimen sowie mehr Heimtherapien. Anregungen aus dem Briefkasten flossen laut BAG in vier dieser Bereiche ein.
Für das neue Paket liegt keine Gesamtrechnung der erwarteten Einsparungen vor. Laut Massnahmenpapier hängen Höhe und Zeitpunkt der Wirkung von der Umsetzung ab. Vorgesehen ist diese ab 2027. Wer aus den Beschlüssen bereits einen bestimmten Prämienrabatt ableitet, greift den noch fehlenden Ergebnissen vor.
Für 2027 ändert der Runde Tisch zudem seinen Arbeitsrhythmus: Die Expertengruppe soll ein Programm mit stärkerem Gewicht auf systemischen Massnahmen festlegen. Jedes Jahr ein neues Massnahmenpapier vorzulegen, ist künftig nicht mehr das Ziel. Die Umsetzung der bereits gefassten Beschlüsse soll weiter überwacht werden.
Versicherer müssen ihre Verwaltungskosten senken
Beim Verwaltungsaufwand gibt es bereits eine Verpflichtung aus dem Paket von 2025. Die Krankenversicherer sollen ihn spätestens bis Ende 2027 um zwei Prozent der 2025 ausgewiesenen Verwaltungskosten der Grundversicherung reduzieren. Die Bezugsgrösse ist somit der Verwaltungsaufwand, nicht die gesamte Prämiensumme.
Nach dem aktuellen Umsetzungsbericht hat der Verband prio.swiss mit seinen Mitgliedern individuelle Ziele erarbeitet. Die einzelnen Versicherer setzen sie um und berichten dem Verband. Eingesparte Versandkosten werden dabei dem allgemeinen Verwaltungsaufwand zugerechnet; das Ergebnis soll über alle Versicherer hinweg zusammengefasst werden.
Auch beim älteren Paket sind die angekündigten mindestens 303 Millionen Franken noch kein nachgewiesenes Gesamtergebnis. Laut BAG fehlen für die meisten Massnahmen die Daten zu den tatsächlich 2026 erzielten Einsparungen. Für die Verwaltungskosten ist die Wirkungsmessung ab 2028 vorgesehen. Dann soll sich beziffern lassen, was die Versicherer mit ihren Effizienzmassnahmen erreicht haben.
Quellen
- MIS Trend: Auswertung des elektronischen Briefkastens, 14. November 2025
- BAG: Runder Tisch Kostendämpfung, Beschlüsse vom 26. Oktober 2026
- Runder Tisch: Massnahmenpapier 2026
- Runder Tisch: Monitoring der Massnahmen von 2025, Stand Oktober 2026
- Bundesrat: Argumente zur Initiative für eine öffentliche Krankenkasse, 16. Juni 2014
- Swissvotes, Universität Bern: Abstimmung vom 28. September 2014
- Titelbild: BAG-Sitz in Liebefeld, Hadi, 18. Oktober 2020
- Titelbild-Lizenz: CC0 1.0
- Artikelbild: Bundeshaus, Flooffy, 21. Juli 2009
- Artikelbild-Lizenz: CC BY 2.0



