
BYD verdoppelt Exporte – Schweizer Absatz wächst stark
Der chinesische Hersteller verkauft weltweit mehr Fahrzeuge. Sein Schweizer Wachstum beruht bisher mehrheitlich auf Autos mit Verbrennungs- und Elektromotor.
BYD wächst im Ausland deutlich schneller als im Gesamtgeschäft. Der chinesische Autohersteller verkaufte im Oktober weltweit 490’168 Fahrzeuge, elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Auslieferungen in Überseemärkte stiegen um 102,8 Prozent auf 170’194 Fahrzeuge. Das meldete Reuters am Sonntag, 1. November, auf Grundlage einer Unternehmensveröffentlichung.
Damit setzte BYD seine Serie von sechs Monaten mit einem Absatzplus gegenüber dem Vorjahr fort. Das Wachstum verlangsamte sich allerdings: Im September hatte der Zuwachs noch 17 Prozent betragen. Reuters beschreibt die Auslandsmärkte als Gegengewicht zur schwachen Nachfrage und zum intensiven Preiswettbewerb in China.
Die Exportmenge entspricht rechnerisch knapp 35 Prozent des weltweiten Oktoberabsatzes. Wohin diese Fahrzeuge im Einzelnen gingen, lässt sich aus den beiden Summen nicht ablesen. Ebenso wenig sagen sie, wie viele Autos bereits von Endkunden übernommen wurden. Für den Schweizer Markt sind deshalb die hiesigen Neuzulassungen die nähere Vergleichsgrösse.
Das Schweizer Wachstum ist vor allem hybrid
Für Januar bis September meldet BYD Schweiz 4’568 Neuzulassungen und einen Marktanteil von 2,6 Prozent. Die am 7. Oktober veröffentlichte Unternehmensmitteilung beziffert das Plus gegenüber derselben Vorjahresperiode auf 784 Prozent. Im September allein waren es 715 Fahrzeuge und 3,3 Prozent Marktanteil. Diese Angaben stammen vom Hersteller; sie sind keine neue Schweizer Oktoberbilanz.
Rund 60 Prozent seiner Schweizer Neuzulassungen entfielen nach Unternehmensangaben auf Plug-in-Hybride, rund 40 Prozent auf vollelektrische Fahrzeuge. Der SEAL U DM-i führte demnach sowohl im September als auch über die ersten neun Monate die Rangliste der Plug-in-Hybrid-Modelle an. Bei den reinen Elektroautos war der SEALION 7 das meistzugelassene BYD-Modell.
Wer die Marke allein mit batterieelektrischen Autos gleichsetzt, verpasst damit einen wesentlichen Teil ihres Schweizer Geschäfts. Plug-in-Hybride haben neben dem Elektromotor einen Verbrennungsmotor und lassen sich am Stromnetz aufladen. Ihre Zulassungen gehören nicht in dieselbe Kategorie wie jene von Autos, die ausschliesslich mit Batterie fahren.

Der Gesamtmarkt verschiebt sich zu reinen Stromern
Im gesamten Markt ist das Verhältnis anders. Nach Angaben des Importeurverbands auto-schweiz waren im September 35,7 Prozent der neuen Personenwagen rein elektrisch und 10,3 Prozent Plug-in-Hybride. Insgesamt wurden 21’948 Personenwagen neu immatrikuliert. Die Statistik umfasst die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein.
Seit Jahresbeginn lag der Gesamtmarkt Ende September 2,7 Prozent über dem schwachen Vorjahr. BYDs hohe Wachstumsrate ist also nicht einfach Ausdruck eines ebenso stark wachsenden Automarkts. Zugleich bleibt sein Anteil am Gesamtmarkt deutlich kleiner, als der dreistellige prozentuale Zuwachs vermuten lassen könnte. Prozentuales Wachstum und Marktgewicht sind unterschiedliche Grössen.
Mehr Exporte sind noch keine Schweizer Preissenkung
Aus den chinesischen Absatzzahlen folgt kein bestimmter Rabatt für Schweizer Käufer. Die rechtlichen Einfuhrbedingungen sind hier zudem eigenständig. Die Schweiz hat ihre Industriezölle am 1. Januar 2024 auf null gesetzt, unabhängig von Warenursprung und Lieferweg. Das betrifft auch Autos. Die Abschaffung beseitigte aber nicht andere Abgaben: Gemäss Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit beträgt die Automobilsteuer grundsätzlich vier Prozent des Fahrzeugwerts; auch die Mehrwertsteuer bleibt geschuldet.
Ob zusätzliche Exportmengen die Schweizer Verkaufspreise drücken, müssten somit konkrete Angebote und Preisänderungen zeigen. Ein weltweites Absatzplus ist dafür kein Ersatz. Es lässt auch keinen Rückschluss darauf zu, welche Schweizer Ausstattungsvarianten sofort lieferbar sind.
Für den Zürcher Messeauftritt kündigt BYD zudem eine Vorführung seiner FLASH-Charging-Technologie mit bis zu 1’500 Kilowatt an. Das ist eine Herstellerangabe zur Ladeleistung. Sie bedeutet nicht, dass sämtliche hier verkauften Modelle diese Leistung nutzen können oder entsprechende Ladestationen bereits flächendeckend zur Verfügung stehen. Die aktuelle Schweizer Modellliste umfasst laut BYD fünf vollelektrische und vier Plug-in-Hybrid-Modelle. Die angekündigte Ladetechnik ist deshalb getrennt vom bestehenden Angebot zu betrachten.
Die nächste überprüfbare Erweiterung des Angebots steht bereits an: BYD hat für den Medienabend der Auto Zürich am 4. November zwei neue Modelle angekündigt. Die Publikumstage dauern vom 5. bis 8. November. Welche zusätzlichen Varianten tatsächlich in die Schweiz kommen, soll sich bei der Präsentation zeigen.
Quellen
- BYD Schweiz: Neuzulassungen Januar bis September 2026, 7. Oktober
- BYD Schweiz: Ankündigung Auto Zürich 2026, 30. Oktober
- auto-schweiz: Neue Personenwagen September 2026
- SECO: Aufhebung der Industriezölle
- BAZG: Automobilsteuer
- Reuters: BYD-Verkäufe und Exporte im Oktober, 1. November 2026
- Titelbild: メイド理世, BYD Dolphin, Wikimedia Commons
- Artikelbild: Calreyn88, BYD Seal U Boost, Wikimedia Commons
- Lizenz beider Bilder: CC BY-SA 4.0


