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Tor und Bäume im Parco Ciani am Luganersee; Archivaufnahme von 2009
Parco Ciani in Lugano, 31. Mai 2009. Archivbild, keine Aufnahme der Hitze 2025. Francesco Piraneo G. / Wikimedia Commons, CC BY 3.0; unverändert. Bild- und Lizenzlink unter Quellen.
GesundheitRecherche13:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 3 Min.0 Kommentare

410 Hitzetote im Sommer 2025: Ältere Menschen besonders betroffen

Der Bund schätzt die Folgen der Hitze anhand von Temperatur- und Sterbedaten. Mehr als die Hälfte der zugerechneten Todesfälle entfiel auf Tage unter 25 Grad im Tagesmittel.

Die Hitze hat in der Schweiz im Sommer 2025 nach Schätzung des Bundes 410 Todesfälle verursacht. Besonders stark traf sie die älteste Bevölkerungsgruppe: 84 Prozent der zugerechneten Todesfälle entfielen auf Menschen ab 75 Jahren. Diese machen rund einen Zehntel der Bevölkerung aus. Die auf der Website des Bundesamts für Gesundheit publizierte Bilanz betrifft die Monate Mai bis September 2025, nicht den Sommer 2026.

Pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner waren es schweizweit 4,5 hitzebedingte Todesfälle. Das Tessin verzeichnete mit zwölf die höchste Rate, die Ostschweiz mit zwei die tiefste. Die Unterschiede zeigen, wie ungleich die Belastung innerhalb des Landes ausfällt. Für einen Vergleich sind solche Bevölkerungsanteile aussagekräftiger als die blosse Zahl der Verstorbenen in unterschiedlich grossen Regionen.

Hitze steht selten auf dem Totenschein

Die Zahl 410 ist eine statistische Schätzung, keine Liste medizinisch einzeln bestätigter Hitzetoter. Der im Juli 2026 veröffentlichte Bericht des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts verknüpft gemessene Temperaturen mit Sterbedaten. Er gibt für die Schätzung ein 95-Prozent-Konfidenzintervall von 284 bis 537 Todesfällen an.

Das Modell ermittelt, wie die Sterblichkeit mit steigender Temperatur zusammenhängt. Dabei berücksichtigt es auch verzögerte Auswirkungen bis zu sieben Tage. Die verwendeten Sterbedaten sind noch provisorisch; Nachmeldungen können die Ergebnisse ändern.

Das erklärt auch einen scheinbaren Widerspruch: Im wöchentlichen Mortalitätsmonitoring des Bundesamts für Statistik gab es im Sommer 2025 bei Menschen ab 65 Jahren keine statistisch signifikante Übersterblichkeit. Dieses Monitoring vergleicht wöchentliche Todesfälle mit einem Erwartungsbereich. Der Hitzeindikator bezieht dagegen tägliche Temperaturdaten ein und kann auch weniger ausgeprägte Belastungen erfassen. Beide Auswertungen beantworten unterschiedliche Fragen.

Auch mässig heisse Tage zählen

Mehr als die Hälfte der hitzebedingten Todesfälle entfiel laut BAG auf Tage mit einer Durchschnittstemperatur unter 25 Grad. Gemeint ist der Mittelwert des ganzen Tages, nicht die am Nachmittag gemessene Höchsttemperatur. Die Belastung beschränkt sich damit nicht auf einzelne Tage mit aussergewöhnlich hohen Spitzenwerten.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO beschreibt, wie Hitze den Körper belastet: Muss er sich stärker abkühlen, werden unter anderem Herz und Nieren beansprucht. Bestehende Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen und Diabetes können sich verschärfen. Heisse Tage und Nächte in Folge erhöhen die kumulierte Belastung. Eine kühle Nacht ist deshalb mehr als eine Frage des Schlafkomforts: Sie unterbricht die anhaltende Wärmeeinwirkung.

Nicht alle Menschen können sich gleich gut schützen. Neben Alter und Gesundheitszustand spielen nach Angaben der WHO die Wohnverhältnisse und der Zugang zu kühlen Räumen eine Rolle. Auch körperliche Arbeit im Freien erhöht die Exposition. Die Zahl der Hitzetoten beschreibt somit eine gesundheitliche Belastung, hinter der sehr unterschiedliche Lebens- und Arbeitsbedingungen stehen.

Die WHO empfiehlt, an heissen Tagen Schatten oder kühle Räume aufzusuchen und besonders gefährdete Menschen im Umfeld regelmässig zu kontaktieren. Beim Lüften kommt es auf den Temperaturunterschied an: Nachts kann kühlere Aussenluft helfen, tagsüber sollen Fenster und Beschattung die Wärme möglichst draussen halten.

Wasser fliesst aus einem Dorfbrunnen vor einer Schweizer Berglandschaft
Ein Dorfbrunnen in der Schweiz. Archiv- und Symbolbild von 2004; der genaue Aufnahmeort ist nicht dokumentiert. Juhanson / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0; unverändert. Original und Lizenz unter Quellen.

In der Pflege fehlen geschützte Räume

Wie der Schutz im Alltag aussieht, hat das BAG gesondert untersuchen lassen. Im Herbst 2025 beteiligten sich 900 Mitarbeitende aus Langzeitpflege, ambulanter Pflege sowie Spitälern und Kliniken an einer Befragung. Neun von zehn berichteten über belastende Symptome bei der Arbeit. Trinkwasser war meist vorhanden; kühle Pausenräume, zusätzliche Pausen oder angepasste Arbeitskleidung fehlten nach ihren Angaben jedoch oft.

Die Antworten beziehen sich auf die Erfahrungen der Teilnehmenden. Sie sind keine Vollerhebung sämtlicher Schweizer Pflegeeinrichtungen. Dennoch benennen sie konkrete Probleme, die eine allgemeine Verhaltensempfehlung an ältere Menschen nicht behebt: Wer betreut wird, ist bei Raumtemperatur, Tagesablauf und Unterstützung oft auf andere angewiesen.

Bei den kantonalen Behörden war der Hitzeschutz 2024 ebenfalls unterschiedlich weit entwickelt. Gemäss der damaligen BAG-Befragung setzten 18 von 26 Gesundheitsbehörden Massnahmen um; acht Kantone hatten Hitzeaktionspläne. Das laufende Projekt zur Umsetzung im Gesundheitssektor dauert bis 2027. Es soll Lücken feststellen und Empfehlungen für die Verantwortlichen erarbeiten.

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