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Blick von unten auf den Asadi-Turm in Teheran vor blauem Himmel
Der Asadi-Turm in Teheran. Archivaufnahme vom 20. Juli 2017, kein Bild des aktuellen Treffens. Ali Sajadi / Wikimedia Commons; CC BY-SA 4.0. Ausschnitt der Darstellung.
Internationale PolitikAnalyse10:00 UhrJournalPlus RedaktionLesezeit: 4 Min.0 Kommentare

Irans Führung droht mit Vergeltung ohne geografische Grenzen

Mojtaba Chamenei fordert eine Ausweitung möglicher Ziele. Gleichzeitig setzt Teheran seine Kontakte zu Vermittlern in Katar fort.

Irans oberster Führer Mojtaba Chamenei hat den Streitkräften nach iranischen Angaben aufgetragen, auf neue Bedrohungen sofort und ohne geografische Beschränkungen zu reagieren. Die am Samstag, 31. Oktober 2026, verbreitete Ansage richtet sich gegen die USA und Israel. Zugleich berichtete Aussenminister Abbas Araghchi von weiteren Kontakten zu Vermittlern in Katar.

Die beiden Signale kommen aus unterschiedlichen Teilen der Führung: Chamenei fordert militärische Abschreckung, Araghchi verhandelt über Bedingungen für eine diplomatische Fortsetzung. In seiner öffentlichen Darstellung verbindet Teheran damit die Aussicht auf Gespräche mit der Drohung einer räumlich ausgeweiteten Antwort auf neue Angriffe.

Chamenei verlangt eine aktualisierte Zielliste

Die iranische Agentur Tasnim veröffentlichte Chameneis Anweisungen an die Führung von Generalstab, Armee und Revolutionsgarden. Danach soll die militärische Zieldatenbank so erweitert werden, dass amerikanische und israelische materielle wie immaterielle Werte erfasst werden. Konkrete Angriffsorte oder einen Zeitpunkt nannte der veröffentlichte Text nicht.

Nach dieser Darstellung nahmen Generalstabschef Ali Abdollahi, Armeekommandant Amir Hatami und der Kommandant der Revolutionsgarden, Ahmad Vahidi, an dem Treffen teil. Die Kommandanten berichteten über die Einsatzbereitschaft am Persischen Golf, an der Strasse von Hormus, am Golf von Oman sowie an den nordwestlichen und südöstlichen Grenzen des Landes.

Abdollahi erklärte anschliessend laut dem iranischen Staatssender Press TV, die Streitkräfte hätten einen neuen Bestand möglicher Ziele in einem grösseren geografischen Raum vorbereitet. Eine erneute Aggression werde schärfer beantwortet. Es handelt sich um öffentliche Aussagen der iranischen Militärführung; sie belegen keine unabhängig überprüfte Fähigkeit, sämtliche bezeichneten Ziele tatsächlich anzugreifen.

Die Formulierung lässt den möglichen Raum einer Vergeltung bewusst weit. Aus ihr lässt sich weder eine konkrete Drohung gegen die Schweiz noch eine bereits begonnene neue Operation ableiten. Gerade weil keine Zielorte genannt werden, wäre eine Aufzählung vermeintlich unmittelbar gefährdeter Länder spekulativ.

In Doha laufen Kontakte zu Vermittlern

Araghchi bezeichnete einen amerikanischen Versuch, den Dialog zu öffnen, am selben Tag als positiven Schritt. Im Interview mit Al Jazeera, dessen Aussagen Tasnim wiedergab, sagte er, die Führung habe einen Brief von US-Vizepräsident JD Vance geprüft. Ein Mitarbeiter seines Ministeriums befinde sich in Katar, um die Beratungen fortzusetzen. Katarische und pakistanische Vermittler seien weiterhin tätig.

Der Minister nannte konkrete iranische Forderungen: eine Lockerung der nach einem Memorandum von Islamabad verhängten Sanktionen, weniger US-Truppen in der Region, erneute Ausnahmen für Ölgeschäfte und die Freigabe eingefrorener Gelder. Auch die Regeln für Schifffahrtsrouten durch die Strasse von Hormus gehören nach seiner Darstellung zu den Bedingungen.

Araghchi sprach zudem von einem verkürzten Zeitplan für den iranischen Vorschlag zur Wiederöffnung der Meerenge. Über einen gemeinsamen Vollzugsplan oder die Annahme dieser Forderungen durch Washington sagte er damit nichts aus. Treffen mit amerikanischen Vertretern seien derzeit nicht geplant, erklärte er. Die Delegation in Doha ist folglich zunächst ein Kontakt zu Vermittlern, nicht der öffentlich bestätigte Beginn direkter US-Iran-Verhandlungen.

Das Bundeshaus in Bern mit seiner grünen Kuppel
Das Bundeshaus in Bern, aufgenommen am 1. Oktober 2024. Archivbild zur Schweizer Aussenpolitik, kein Verhandlungsort der aktuellen Kontakte. Robbie Conceptuel / Wikimedia Commons; CC0 1.0.

Der Schweizer Kanal bleibt vertraulich

Die Schweiz vertritt seit dem 21. Mai 1980 die Interessen der USA in Iran. Das EDA beschreibt das Mandat in seiner am 29. Oktober publizierten Länderübersicht als diplomatische Verbindung zwischen den beiden Aussenministerien sowie als konsularische und administrative Dienstleistung für amerikanische Staatsangehörige.

Das Mandat besteht neben anderen Vermittlungswegen. Dass Teheran derzeit Katar und Pakistan nennt, sagt deshalb nichts über den Inhalt möglicher Schweizer Nachrichtenübermittlungen aus. Das EDA erklärt ausdrücklich, zu konkreten Aktivitäten des Schutzmachtmandats aus Gründen der Vertraulichkeit keine Auskunft zu geben. Für die jüngsten Kontakte liegt damit keine öffentliche Bestätigung einer Schweizer Beteiligung vor.

Wie stark die Sicherheitslage die Arbeit vor Ort einschränken kann, zeigte sich im Frühjahr: Die Schweizer Botschaft wurde am 11. März vorübergehend geschlossen. Am 24. April kündigte das EDA die schrittweise Wiederaufnahme nach einer Risikoanalyse und Konsultationen mit Iran und den USA an. Die Sektion für fremde Interessen weist ihre Wiederöffnung auf den 3. Mai aus.

Damit bleiben diplomatische Übermittlung und praktische Hilfe vor Ort von unterschiedlichen Voraussetzungen abhängig. Für die nächsten Gespräche in Doha benennt Araghchi vorerst vor allem die iranischen Bedingungen. Eine gemeinsame Vereinbarung darüber, welche Seite welchen Schritt zuerst ausführen soll, hat er nicht angekündigt.

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